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Arranged Chaos: As Time Goes By…

Brachiale Gewalt trifft fragile Instrumentals - und sterbende Schweine
Wertung: 8/10
Genre: Hardcore, Death Metal, Grindcore
Spielzeit: 35:20
Release: 09.07.2010
Label: Apollon/Painkiller Records

Man muss sich nur die Einflüsse von Arranged Chaos ansehen, um beinahe in Freudentränen auszubrechen: Deftones, Despised Icon, Gojira, Suicide Silence. Das passt nicht, denkt ihr? Pustekuchen - das passt nicht nur, das funktioniert sogar verdammt gut, auch wenn die zweite Scheibe der Leipziger, „As Time Goes By…“, für manche wie ein Schlag in die Magengegend sein dürfte - musikalisch gesehen, versteht sich. Da treffen Pianoklänge auf derbste Breakdowns, Pig Squeals auf Hardcore-Gangshouts und Grindcore-Attacken auf instrumentale Zwischenstücke, die die südafrikanischen Post-Grunger Seether mit der Akustikklampfe kaum besser hinbekommen hätten.

Bei all der technischen Raffinesse muss man sich vor Augen halten, dass die Kerle die 20 gerade mal so eben hinter sich gelassen haben, also als Band noch in den Kinderschuhen stecken, obwohl mit „Unleashed“ vor zwei Jahren immerhin schon ein Demo erschien. Dass Sänger Felix die Vocals allein bewältigt, kann man kaum glauben; zwar reicht er von der Variabilität keineswegs an einen Dennis Miller (Alesana) heran, aber wirklich weit entfernt davon ist der Gute auch nicht mehr; Growls all over - teils gespickt mit Metalcore-Shoutings und ein bisschen Klargesang – da hüpft das Core-Herz.

Ein bisschen schwierig ist es schon, „As Time Goes By…“ mehrfach hintereinander am Stück zu hören, aber als Grindcore-Fan liebt man bekanntlich die Herausforderungen auditiver Natur, also wagen wir uns mal an die elf Tracks heran. Das „Intro“ stimmt zumindest schon etwas nachdenklich ob der etwaigen musikalischen Ausrichtung der Band, kommt doch Regengeplätscher, Donner und ein I Am Ghost-mäßiges Klavier zum Einsatz – die Dramatik nimmt vollends ihren Lauf, als dann „Depending On A Change“ mit tiefen Growls startet - was für ein Übergang! Felix kämpft sich mit Bravour durch sämtliche Extreme Vocals, die man sich so vorstellen, nur Predator-Gesang fehlt, das macht aber auch nichts, der Song knüppelt auch so wie Hölle. Der klare Gesang mit den flirrenden Gitarren hat dann ein bisschen was von Power Metal, es tut der guten Stimmung aber keinen Abbruch.

Der Titeltrack gerät dann in den Strophen ein bisschen 08/15-mäßig, bevor im Refrain Metalcore-Feeling aufkommt. „Rigor Mortis“ ist genau das, was man hätte denken können, zumindest startet der Track mit Grindcore-Attitüde und Pig Squeals, die aber sehr gekonnt präsentiert werden – das muss man auch erst einmal schaffen. Eine etwas andere Art der Gangshouts kommt zum Zuge, wenn Growls und tierisch tiefe, an Film-Monster erinnernde Vocals übereinander gelegt werden – beängstigend! Drummer Patrick rotiert an seinem Schlagwerk regelrecht und auch die Gitarrenfraktion gibt ihr Bestes, um den Song zu einer verfrickelten Abrissbirne zu machen. Wie gerufen kommt da das eingang erwähnte Instrumental „Silent Moments“, bei dem man zumindest für knapp zwei Minuten die wunden Füße hochlegen und sich wundern kann, dass der Song zeitweise so verblüffend nach Seethers „Broken“ klingt.

Natürlich verlieren die Fünf nach dieser kurzen Verschnaufpause keine Zeit, um dem Hörer wieder die geballte Arranged Chaos-Ladung um die Ohren zu pfeffern – „Unexpressed Truth“ geht dynamisch mehr in Richtung Deathcore, wobei die Breaks und der klare Gesang aber eher dem Metalcore zuzurechnen sind – wie dem auch sei, der Song prescht ordentlich nach vorne und lässt sicherlich kein Auge trocken. Wunderbar rasant geht es auch bei „Own Decision“ zu, bevor „The Final Cut“ mit ruhigen Gitarrenklängen die letzte Runde einleitet. Ganz so besinnlich geht es natürlich nicht weiter – im Laufe von knapp vier Minuten reift der Song zum epischsten Stück der Platte, was vor allem am hervorragenden Gitarrenspiel der beiden Saitenzupfer Claudius und Philipp liegen dürfte. Natürlich darf auch Felix ordentlich herumschreien, aber der Schluss der Scheibe erinnert doch episch an Bands wie die bereits erwähnten Alesana.

Fazit: „As Time Goes By…“ ist auf alle Fälle ein schwieriger Brocken; mit einem oder zwei Durchläufen ist es hier nicht getan, aber das wäre auch nicht das, was die Band will – mit jedem Hören entdeckt man neue Kleinigkeiten, die die Songs teils auf ein neues Level heben, sie andererseits aber auch verständlicher machen. Ein bisschen weniger Schweinegeschrei wäre gut, weil es die Fragilität mancher Songs einfach ein wenig stört, ansonsten ist die Scheibe allerdings eine super Empfehlung für Hardcore- und Death-Metal-Fans gleichermaßen. Wo hier als Einfluss die Deftones versteckt sein sollen, muss die Band aber erst noch einmal erklären.

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