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Armagenda: Des Chronisten Abgesang

Es fehlen die Höhen und Tiefen
Wertung: 6/10
Genre: Death Thrash Metal
Spielzeit: 33:42
Release: 12.09.2014
Label: Independent

Wismar dürfte zumindest für den Metaller eher eine Randnotiz für Bandleben gewesen sein, was nun Armagenda ändern wollen. Dabei greifen sie mit ihren tödlichen Thrashgeschossen auf ein nicht ganz so populäres Konzept zurück, bevorzugen sie doch komplett die deutsche Sprache, was ja in der eher wertekonservativen Metalszene noch immer mit reichlich Argwohn betrachtet wird – da scheint ein „lieber schlechte englische als gute deutsche Texte“ noch immer alles den Rang abzulaufen. Dabei sollte doch in 2015 – oder hier für die CD im Herbst 2014 – die Zeit schon längst reif für mehr Offenheit sein, was sich dann zum Glück ja auch an Möglichkeiten für Liveauftritte der Ostdeutschen aufzeigt.

Ohne vorherige Demo-Einleitung zünden also Armagenda mit „Des Chronisten Abgesang“ ihre erste zerstörerische Stufe und blasen uns Themen wie „Verfall, Hinterlist, Betrug und Tod“ in „düsterer Poesie“ um die Ohren – stimmt, das tun sie, wenn auch leider nicht mit dem tödlichen Punch, denn sie sich selbst ausgemalt haben. Nun, ist ja auch das Debüt, da will man sicherlich die Erwartungen nicht ganz so hoch schrauben, wobei man kritischerweise auch anmerken könnte, dass die Flut an sehr guten Debüts einfach nicht abreißt und somit ein Release schon zwanghaft „on the top“ sein muss. Von der Aufmachung her haben sich die Wismarer auch ganz sicher nicht lumpen lassen, denn das düstere Endzeitartwork aus der Zeichenfeder von Frank Silkeit überzeugt ebenfalls wie das achtseitige Booklet, worin dann auch alle Texte in lesbarer Form hinterlegt sind.

Das größte Problem dürfte für die Band dann werden, dass die meisten mit einem „zu wenig Abwechslung“ dem Album nicht ganz zu Unrecht gerecht werden. Klar, zehn Songs in fast 34 Minuten sprechen an ich erst mal nicht für ausschweifende Arrangements, da muss man nun wahrlich kein Prophet sein. Gut also, dass Armagenda auch keinerlei Zeit mit einem Intro verplempern und mit „Klamme Ohnmacht“ direkt aus vollen Rohren feuern und neben kurzen groovigen Passagen im Up-Tempo und mit praller Double-Bass-Macht jedweder Verzweiflung den Gar auszumachen versuchen. Leider offenbart sich schon beim zweiten Track „Utopie eines Tiefs“ das Problem der CD: Wer nicht aufgepasst hat, denkt, wir wären noch immer beim Albumopener.

So sind es dann nur ein paar wenige und kleine Ausreißer, die eben auf dem Abwechslungstableau für Farbe im tödlichen Abgesang sorgen: „Erzfeind“ scheppert einfach noch ein Stück weit geschwinder und knattert direkt zu Beginn mit ein paar schönen Blastbeat-artigen Drumbeats, um dann in einen kurzen groovigen und dadurch umso massiver wirkenden Part abzubiegen, bevor dann im Dauerfeuer jeder Gegner im Höchsttempo auch in der finalen Serie niedergestreckt ist. Frontbrüllwürfel Roland, der einen ansonsten sehr eindimensional derbe anschreit, variiert in „Verderbnis“ und setzt sogar zu vermehrten Growls an, die Leadgitarre sorgt hier auch mal für ein kurzen epischen Ausflug, ansonsten wird wieder recht eintönig weitergeballert. Schlussendlich weiß dann am ehesten noch „Selbstbetrug“ mit seinem eher galoppierenden Rhythmus zu überzeugen, ragt die Nummer doch aus der ganzen Knatterei heraus.

Gute Laune wollen Armagenda ganz sicher nicht verbreiten, dafür spricht ja schon die musikalische Ausrichtung in Verbindung mit den düsteren Texten. Sechs Punkte hören sich nun nicht gerade ausreichend verfassungsfeindlich an, dafür ist das sauber gespielte und druckvoll produzierte „Des Chronisten Abgesang“ handwerklich durchweg im grünen Bereich, nur allein: Wer nur ballert und keine Alternativen anbietet, läuft Gefahr, dass man Feinheiten nicht mehr herausfiltern kann. So auch hier bei dem Wismarer Debüt, denn ein Album lebt von Ecken und Kanten, und genau jene fehlen halt.

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