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Armagedon: Death Then Nothing

Gelungenes Comeback nach 16 Jahren
Wertung: 7.5/10
Genre: Death Metal
Spielzeit: 32:31
Release: 17.05.2010
Label: Mystic Production

Death Metal aus Polen – wer denkt da nicht sofort an Vader und Behemoth? Nach langer Zeit melden sich aber nun auch Armagedon zurück, an die sich vielleicht noch einige erinnern können. 1993 brachten sie nämlich mit „Invisible Circle“ eine Platte heraus, die nicht nur perfekt in den Death Metal der frühen 90er passte, sondern auch ein Paradebeispiel für eben diesen darstellte. Mir fiel dieses Album übrigens Jahre später über mehrere Umwege in die Hände und konnte mich vollends überzeugen. Es ist kein Alltime-Klassiker, verdient aber auch nicht das Dasein als Geheimtipp, das es fristen muss. Armagedon (das zweite „d“ fehlt übrigens wirklich im Bandnamen) selbst lösten sich bereits 1994 auf und versuchen sich geschlagene 16 Jahre später an einem Comeback. Im Jahr 2006 fand sich die alte Besetzung wieder zusammen und das Ergebnis liegt uns nun vor.

„Death Then Nothing“ klingt, als wären sie nie weg gewesen. Schnörkelloser Death Metal mit ganz leichten Thrash Metal-Einflüssen und vereinzelt eingesetzten Keyboards, die dem Album mehr Substanz verleihen. Der Kern von „Death Then Nothing“ ist aber ein Bastard aus Vader (logisch möchte man sagen), Benediction, Bolt Thrower und (aufgrund der atmosphärischen Keyboards) Nocturnus. Hinzu gesellt sich eine ordentlich ballernde, aber nicht zu modern klingende Produktion, die sich in puncto Klang selbstverständlich ebenfalls an den frühen 90ern orientiert.

Der Titeltrack führt zunächst mit seinen Pianoklängen in die Irre, mausert sich aber schnell zu einer alles niederwalzenden Planierraupe. Gleiches gilt auch für „Dead Code“, wo auch zum ersten Mal die Keyboards zum Einsatz kommen. Falls jemand die ersten beiden Nocturnus-Platten nicht kennt, soll es sich nicht so vorstellen, dass durch das Tasteninstrument der Song verwässert wird. Nur an ausgewählten Stellen ertönt mal ein Keyboard und dann auch nur unterstützend und niemals zu dominant. Kombiniert mit den knallharten Riffs, dem präzisen Drumming und der Stimme, die für diesen Sound prädestiniert ist, ergibt das eine reizvolle Mischung.

Als weiteres Beispiel sei „Seeing Is Believing“ genannt, das durch seinen ähnlich gearteten Schluss auch auf den Alben der „Großen“ eine gute Figur abgeben würde. Teilweise verbraten Armagedon in ihren Songs, von denen keiner die Vier-Minuten-Marke überschreitet, mehr Ideen, als andere Death Metals Bands auf ganzen Platten. „Enemy“ ist ein echter Schädelspalter mit einem fies groovenden Mittelteil, „Father Of Oblivion“ wildert ungeniert in Bolt Thrower-Gefilden und zerlegt so jedes Genick, und „F...End“ ist mit seiner langsamen, brutalen Art intensiver als vieles, was uns in letzter Zeit so als Death Metal verkauft werden sollte.

Natürlich ist nicht alles so stark ausgefallen, sonst hätte uns ja quasi aus dem Nichts ein Genreklassiker eiskalt erwischt. Dagegen hätte sicherlich niemand etwas, aber „Death Then Nothing“ ist zwar ein gutes Album, aber kein perfektes. Neben den genannten Highlights verbergen sich nämlich auch viele Filler auf dem gerade Mal zweiten Album der im Jahr 1986 (!) gegründeten Band. Diese stehen zum Glück nicht alle hintereinander auf der Tracklist, dennoch merkt man es, wenn sich die Routine im Aufnahmestudio eingeschlichen hat. „Bed Of Thorns“ macht beispielsweise theoretisch nichts falsch, kann aber nicht begeistern. Zu austauschbar ist das, was uns die Polen mit diesem Lied anbieten. Glücklicherweise stellt sich niemals Langeweile ein und wenn auf dieses durchschnittliche Lied eine Abrissbirne wie „Father Of Oblivion“ folgt, kann man den Jungs gar nicht mehr böse sein.

Wo wart ihr all die Jahre? Ich will nicht behaupten, dass Armagedon bei längerem Durchhaltewillen nun wie Vader an jeder Steckdose spielen würden, aber „Death Then Nothing“ wirft schon die Frage auf, warum man damals die Brocken hinwarf. Aber vielleicht brauchte man einfach diese Pause und ist einfach froh noch einmal mit hörbarem Enthusiasmus ein wirklich lohnenswertes Death Metal-Album eingespielt zu haben. Wer einfach mal wieder richtig amtlich einen vor die Kauleiste braucht, macht mit Armagedons neuem Release nichts verkehrt.

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