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Arkona: Goi, Rode, Goi!

Ein wahres Kunstwerk
Wertung: 9.5/10
Genre: Folk Metal / Pagan Metal
Spielzeit: 79:51
Release: 28.10.2009
Label: Napalm Records

Langes blondes wallendes Haar, blasse Haut, ein geflochtenes Stirnband -  und eine Stimmgewalt, die so manchen erschrecken wird, der Masha „Scream“ Arhipova noch nie singen gehört hat. Genauso kontrovers wie das Aussehen dieser zierlichen Frau im Vergleich zu ihrer Stimme ist, so reizvoll kontrovers zeigt sich auch das neue Album „Goi, Rode, Goi!“, welches die Band Arkona uns vorlegt.

Die CD bietet mit dem Rauschen einer Meeresbrandung einen stimmungsvollen Einstieg, um kurz darauf abrupt in harte Gitarrenanschläge überzugehen. Schon in dieser ersten Minute weiß man, worauf die Band Arkona abzielt. Mit „Goi, Rode, Goi“ bietet sie ein sehr vielschichtiges Pagan-Folk-Metal Album, das an Abwechslungsreichtum und Stimmung kaum überboten werden wird. 

Das Herzstück des Albums bilden auch diesmal die Vocals von Frontfau Masha. Diese wechseln von klaren, aber energischen Einlagen bis hin zu derben Growls, die sich gewaschen haben. Oft arbeitet sie aber auch ursprüngliche Gesänge wie in „V Tsepiakh Drevney Tainy“ oder „Kupaets“ ein, die an rituelle indianische Klänge erinnern und das Album des Öfteren sehr in die Folk-Richtung schieben. Dabei wirkt dieses Lied in sich sehr stimmig und unglaublich episch. 

Manchmal kommt es vor, dass Arkona sich etwas zu sehr im Folk verlieren, dass man den Anteil an Heavy-Metal zu vermissen beginnt. Damit sind nicht die Balladen wie „Nebo Hmuroe, Tuchi Mrachniye“ gemeint, die auch ohne viel harte Gitarrenriffs sehr gut auskommen, sondern eher der Song „Yarilo“. Dieser klingt stellenweise etwas zu sehr nach  moderner russischer Volksmusik und entfernt sich damit ein bisschen zu weit von den Ursprüngen des Albums.

Ein gelungener Ausgleich schaffen da jedoch Nummern wie „Nevidal“ oder „Tropoiu Nevedannoi“, welche zu einem großen Teil in einer härteren Gangart verfasst wurden und den Pagan-Metaller mit Mashas heftigen Growls auf seine Kosten kommen lässt. 

Weitere Abwechslung findet man bei „Pritcha“, welches aus einem Gedicht besteht oder dem instrumentalen „Korochun“.

Die Vocals auf dem Album sind, außer wenige Ausnahmen (siehe unten), alle auf russisch verfasst, welches durch seinen rauen Klang besonders gut in diese Folk-Metal-Schiene passt und erheblich zur Stimmung beiträgt. Aber in welcher Sprache sollten auch sonst slawische Mythen und Legenden gebührend besungen werden?!

Auch der Rest der Band hält sich wie Masha „Scream“ geschickt zwischen Folk- und Pagan-Metal. „Rest der Band“ ist gut gesagt, da Arkona vor vier Jahren den Synthesizern abgeschworen hat und neben den vier ständigen Mitgliedern von Arkona noch rund 40 Gastmusiker an dem Album beteiligt waren. Nicht nur, dass Manegarm, Menhir und Heidevolk ihre Beiträge dazu liefern, so sind auch Folkinstrumente wie beipielsweise Ziehharmonika, Dudelsack, Trommel, Mundorgel, Flöte (natürlich) wie auch ein Streicherquintett und ein Chor echte Highlights.

Ein sehr auffälliges Stück ist „Na Moey Zemle“, das nicht nur wegen seinen rund 15 Minuten Spielzeit an Klassik erinnert, denn hier kommen besonders auch die Streicher zum Zug. Aber keine Angst, hier vergessen Arkona nicht, wer sie sind, sondern entdecken sich vielmehr neu. Unterstützt durch dunkle Trommeln, leitet Masha mit heidnischen Klängen und teilweise gerufenen Parts durch das Lied, um dann immer wieder in Growls zu verfallen. Ihre herausstechende weibliche Stimme findet zudem noch Abwechslung durch Gesangparts der bereits genannten Bands Manegarm, Menhir und Heidevolk, die jeweils in ihrer eigenen Muttersprache singen, was unglaublich zur Authentizität beiträgt. Ingesamt kann man dieses Lied als Vorreiter des Albums ansehen, da gerade hier sehr viel Atmosphäre mitschwingt und Arkona in all ihren Facetten zeigt. 

Den Abschluss bildet „Nebo Hmuroe, Tuchi Mrachniye“. Dies läuft in einer knapp vier minütigen und dadurch etwas langatmigen Bachrauschen-Vogelgezwitscher-Srecke scheinbar aus bis es noch einmal einen Höhepunkt in einem flotten Flötenspiel findet, bevor das Album mit diesem Lied dann völlig abschließt und den Hörer in einer mittelalterlichem Flaire zurücklässt.

Ganz besonders reizvoll an dem Album „Goi, Rode, Goi!“ ist die Verschmelzung von Streichern mit E-Gitarren, wie z.B. in „Na Moey Zemle“ oder in Kombination mit Blastbeats, wie bei „Tropoiu Nevedannoi“, die trotz ihrer Kontroversen so stimmig und mitreißend sind und ganz für Arkona stehen.

Fazit: Ein aufrüttelnd exotisch klingendes und zum Glück nicht enden wollendes Album, das gerade durch seine Vielschichtigkeit an Größe gewinnt - ein echtes Kunstwerk.

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