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Arena: The Seventh Degree Of Separation

An die kürzeren, einfacheren Songs muss man sich erst gewöhnen
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Rock, Progressive Rock
Spielzeit: 55:55
Release: 02.12.2011
Label: Verglas/SPV

Dass Arena tatsächlich in diesem Jahrhundert noch mal ihr neues Album herausbringen, grenzt fast an ein Wunder – schließlich liegt die Veröffentlichung der letzten Langrille „Pepper's Ghost“ bereits sechs Jahre zurück. Inzwischen hat sich im Bandcamp der Engländer so einiges getan. Bassist Ian Salmon ist gegangen und wurde durch John Jowitt ersetzt, der bei Arena schon früher einmal den Tieftöner bediente. Vor allem aber: Rob Sowden ist nicht länger Sänger der Gruppe. Dies dürfte nicht wenige Fans enttäuschen, denn auch wenn Arena bereits zuvor ein paar Wechsel am Mikrofon hatten, so sang Sowden doch immerhin zehn Jahre in der Band, womit er der langjährigste Frontmann in der Karriere der Proggies war. Außerdem ist er zwar kein technisch besonders herausragender Vokalist, doch besitzt seine Stimme definitiv Charisma, hat einen schönen, warmen Klang und passte bestens zum hochmelodischen Wohlfühl-Prog, den Clive Nolan und Co. stets boten.

Doch apropos Prog: Anhand der umfangreichen Tracklist mit immerhin 13 Songs kann man sich denken, dass die Stücke diesmal wohl etwas kürzer geraten sein dürften. Und tatsächlich: Das an vorletzter Stelle stehende „Catching The Bullet“ ist mit knapp acht Minuten bereits die längste Nummer, ansonsten bewegen sich die Stücke allesamt zwischen zweieinhalb und viereinhalb Minuten. Bedeutet dies die Verabschiedung von progressiv-verschachtelten Strukturen? Jein. Ein ähnliches Konzept verfolgten Arena bereits auf „Contagion“, nur war die 2003er Scheibe progressiver, wohingegen die Songs des neuen Albums simpler strukturiert sind. Garantiert wird es etliche Anhänger geben, die nach dem ersten Durchlauf enttäuscht sind und sich verdutzt fragen werden, was sie jetzt davon halten sollen.

Eins ist klar: Das Album braucht ein wenig Zeit. Hat man sich aber ein paar Durchläufe gegönnt und sich mit der neuen, moderneren und schnörkelloseren Ausrichtung Arenas angefreundet, wird bald klar, dass die typischen Trademarks der Band keineswegs unter den Tisch gefallen sind. Die Tonfolgen sind immer noch sehr charakteristisch, John Mitchell – der wohl unterschätzteste Gitarrist des gesamten Prog-Sektors – besticht weiterhin durch herrliche Melodiebögen, Clive Nolans aufwendig arrangierte Keyboardteppiche unterstreichen in ihrem klanglichen Facettenreichtum das große musikalische Verständnis der Truppe, und auch der neue Sänger Paul Manzi fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Seine Stimme ist deutlich dunkler gefärbt als die Rob Sowdens, weist aber auch eine gewisse Ähnlichkeit zu dessen Vorgänger Paul Wrightson auf – hier hat die Band einen guten Griff getan.

Auffällig ist außerdem, dass die Stücke sehr unterschiedlich geworden sind und dennoch eine Einheit bilden. Härteres und sanfteres Material stehen völlig problemlos nebeneinander, schlüssige Übergänge verbinden die unterschiedlichen Komponenten. Der semiharte Opener „The Great Escape“ rockt gut nach vorne, „Rapture“ überzeugt mit einem hypnotischen Mainriff, während „Echoes Of The Fall“ und das düstere „Burning Down“ beinahe metallisch geraten sind. Das finale „The Tinder Box“ wiederum ist mit seiner Steigerung am Ende regelrecht dramatisch ausgefallen. Auf der anderen Seite stehen ruhigere Stücke wie die sehr melancholische Nummer „Thief Of Souls“ (vielleicht der beste Track), das getragene „Close Your Eyes“ oder „One Last Au Revoir“, welches mit einem tollen Breitwand-Chorus punkten kann. „Bed Of Nails“ und „What If?“ hingegen sind zwar schon recht schmalzig, überschreiten die Grenze zum Kitsch aber glücklicherweise nicht und stellen somit letztlich hör- und brauchbare Balladen dar. Es ist eben ein absolutes Markenzeichen von Arena, diese elegische Stimmung zu erzeugen und opulente, fast Soundtrack-artige Klänge und große Melodien aufzufahren, ohne dass es affektiert und überladen wirken würde. Die leichtfüßige Eleganz dieser Combo zaubert einem immer wieder ein Lächeln auf die Lippen.  

Was Songwriting und Arrangements angeht, haben die Jungs im Großen und Ganzen also nichts verlernt, gewöhnungsbedürftig ist die straightere Art aber in jedem Fall, weswegen sich wie eingangs erwähnt einige Fans bestimmt abwenden und gerade nach so langer Wartezeit auf das neue Album mit Unverständnis reagieren werden. Das wäre zwar nachvollziehbar, doch auch wenn „The Seventh Degree Of Separation“ nicht an seine fantastischen Vorgänger „Pepper's Ghost“, „Contagion“, „Immortal?“ und „The Visitor“ heranreicht, meine ich, man sollte dem Teil eine Chance geben. Es handelt sich trotz allem um eine gelungene und gut (beinahe schon zu gut) produzierte Scheibe und damit den Beweis, dass die Band immer noch unter den Lebenden weilt und trotz hoher Erwartungshaltung vor Veränderungen nicht zurückschreckt. Wirklich kritisieren kann man allenfalls die Tatsache, dass man, wenn man ein so geiles Basisriff wie bei „Echoes Of The Fall“ hat, mehr daraus machen muss als einen Zweieinhalb-Minuten-Song. 

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