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Arena: Double Vision

Starkes Album mit überragendem Longtrack als Highlight
Wertung: 8,5/10
Genre: Progressive Rock
Spielzeit: 56:00
Release: 25.05.2018
Label: Verglas Music

2015 hatten Arena ihr 20jähriges Bestehen gefeiert und mit „The Unquiet Sky“ dann auch ein diesem Anlass würdiges Album veröffentlicht. Drei Jahre später sind die Briten mit ihrem inzwischen neunten Studioalbum „Double Vision“ erneut am Start und sorgen damit zumindest bei ihrer treuen Fangemeinde für einen kleinen Paukenschlag – schließlich existiert auf der dritten Scheibe „The Visitor“ bereits ein Stück mit diesem Titel. Da die ’98er Platte als Klassiker und Höhepunkt im Schaffen Arenas gilt, war davon auszugehen, dass das entsprechend betitelte Album eine Brücke dahin schlagen würde, was naturgemäß aufhorchen lässt.

Optisch umgesetzt wurde der Titel auf jeden Fall schon mal im Coverartwork, das von der Machart leider – ähnlich wie beim Vorgänger – unheimlich billig und dilettantisch aussieht, mal abgesehen davon, dass es einen ganz wuschig macht, was aber ja sicherlich auch das Ziel war. Und auch wenn es im Laden zweifellos auffällt und somit den unbedarften Käufer auffordert, sich näher damit zu befassen, ist das ein ziemlicher Griff ins Klo und man kann nur hoffen, dass der Rundling musikalisch mehr zu bieten hat.   

Glücklicherweise darf man diese Hoffnung bestätigen; und bereits die Albumstruktur mit lediglich sieben Titeln legt nahe, dass die Band ganz im Sinne von old-schooligem Prog mit ausführlichen Kompositionen aufwartet – und tatsächlich handelt es sich bei dem finalen „The Legend Of Elijah Shade“ mit über 22 Minuten sogar um den längsten Song, den Arena überhaupt bisher verfasst haben – ein Fest für jeden Prog-Aficionado. Ob der Mammuttrack an „The Moviedrome“ (die mit rund 20 Minuten bis dato längste Nummer, welche sich auf „Immortal?“ wiederfindet) heranreicht, sei dahingestellt, doch folgt das in sieben Parts aufgeteilte Epos einer klaren Gliederung und bietet mit die besten Momente der Platte.

Eingeläutet mit einem beinahe verschmitzt und leicht geheimnisvoll wirkenden Keyboardriff, das alsbald durch elegante Gitarrenläufe und tolle Gesangslinien Paul Manzis ergänzt wird, startet der Song schon äußerst stark – und soll auch im weiteren Verlauf nicht nachlassen. Der darauffolgende, balladeske Part ist wundervoll schwelgerisch, wohingegen im dritten Teil danach amtlich gegroovt wird – wieder getragen von großartigen Vocals, bei denen Manzi auch mal an seine Grenzen geht; die hohen Schreie am Ende jedes Verses machen sich sehr gut und unterstreichen die Dramatik.

Anschließend sorgen Nolans Keyboard mit einer markanten Tonfolge und Mitchells Gitarre in flirrender Manier für eine leicht psychedelische Atmosphäre, später ist außerdem sogar Zeit für ein ausgiebiges Kirchenorgelsolo, bevor ähnlich wie beim Titeltrack von „The Visitor“ damals die Gitarre die Hauptrolle übernimmt und mit einem getragenen, fantastischen Solo das Ganze ausklingen lässt. Es wird also sehr viel Abwechslung geboten, gleichzeitig aber nicht einfach Part an Part geklatscht, sondern sinnvolle Übergänge kredenzt und es sind sowohl Ohrwurm-Melodien als auch für jeden Frickel-Fan instrumentale Leckerbissen zu finden.

Was das Herzstück angeht, haben Arena also definitiv alles richtig gemacht, weswegen dieses beeindruckende Stück Musik allein den Kauf von „Double Vision“ rechtfertigen würde. Erfreulicherweise ist aber auch der Weg dahin nicht etwa steinig und anstrengend, denn auch der Rest hat etwas zu bieten: Der Opener „Zhivago Wolf“ ähnelt teilweise ein bisschen zu frappierend an „The Great Escape“ – dennoch eine hübsche Nummer, als Ersttrack vielleicht etwas zu unspektakulär, doch „The Mirror Lies“ mit traumhafter Bridge und traumhaftem Refrain bietet da schon mehr und wie man bei „Scars“ den bekannten Live-Standard „Crying For Help“ zitiert, löst auf jeden Fall ein breites Grinsen aus.

„Paradise Of Thieves“ hingegen ist mit seinen Breitband-Gitarren im Refrain recht trippy ausgefallen – die Gesangsmelodien hier mögen eher simpel gehalten sein, doch mit der Floydschen Atmosphäre können die Engländer trotzdem viel rausholen. „Red Eyes“ wiederum tönt kälter, maschineller und wirkt zunächst etwas sperrig; die Nummer wächst mit der Zeit zwar, dennoch wird der „I am virtually invisible“-Part ein bisschen zu häufig wiederholt. Bleibt noch die Ballade „Poisoned“, die etwas kitschig geraten ist, bei der Manzi aber immerhin mit viel Leidenschaft bei der Sache ist – an „Friday’s Dream“ jedoch kann sie nicht vorbeiziehen.

Als Gesamtfazit darf man den Herrschaften erneut ein starkes Album attestieren, besonders „The Legend Of Elijah Shade“ sticht hervor, hier hat die Band hervorragende Arbeit abgeliefert. Schön, wenn das Beste so bis zum Schluss aufbewahrt wird, man sich gleichzeitig aber nicht dorthin quälen muss, weil das restliche Material total dagegen abfallen würde. Die Produktion stellt sich klarer als auf dem Vorgänger dar, während die Formation selbst sich spielfreudig präsentiert und trotz typischer Trademarks, die natürlich allerorts zu herauszuhören sind, immer noch mit zündenden Einfällen glänzen kann.

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