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Arcturus: Arcturian

Musikalisch ein voll überzeugendes Comeback – schade um die eher missratene Produktion
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 47:47
Release: 08.05.2015
Label: Prophecy Productions

Acht Jahre ist es her, dass sich Arcturus nach vier starken bis herausragenden Alben auflösten; das Konzert am 17. April 2007 in Melbourne leitete Frontmann Simen Hestnæs alias ICS Vortex mit den Worten „Welcome to the last show ever of Arcturus!“ ein. Ein gewagtes Statement, denn man sollte ja niemals nie sagen – schon gar nicht als Musiker, denn die Liste an Bands, die ihre Trennung erklärten, sich kurz darauf aber doch wieder zusammenfanden, ist ellenlang, wie man wohl kaum jemandem großartig erklären braucht.

Hier reihen sich nun also auch Arcturus ein und wirklich damit gerechnet hatten die Fans wohl nicht mehr, fällt die Formation doch unter die in Musikerkreisen so verpönte Rubrik „Supergroup“, was meist bedeutet, dass vor allem zeitliche Grenzen gesetzt sind, da schließlich alle Beteiligten noch in anderen Bands zocken. Bereits 2009, nach seinem unrühmlichen Rauswurf bei Dimmu Borgir und nur zwei Jahre nach dem Arcturus-Split, hatte Hestnæs nichtsdestoweniger angekündigt, mit den übrigen Arcturus-Mitgliedern über eine Reunion zu sprechen, die 2011 dann auch in die Tat umgesetzt wurde.

Bis zum vorliegenden Comeback-Album sollten zwar noch einmal ganze vier Jahre ins Land ziehen, Anfang Mai jedoch konnten sämtliche Supporter der Truppe das Objekt der Begierde, schlicht auf den Namen „Arcturian“ getauft, endlich abgreifen. Immerhin sind die Norweger schneller als Psychotic Waltz, die ebenfalls bereits seit einigen Jahren (sogar in Originalbesetzung) wieder zusammenspielen und deren Reunion noch sensationeller anmutet als die ihrer skandinavischen Kollegen, aber mit der angekündigten Rückkehrplatte weiterhin auf sich warten lassen – doch ist das Album auch brauchbar geworden? „Sideshow Symphonies“ war damals auf alle Fälle ein starker Schlussakkord, der Sound der Band stets sehr eigenständig und die Erwartungshaltung genau eine Dekade nach der Veröffentlichung der letzten Scheibe selbstverständlich enorm.

Dass man die „Sideshow Symphonies“-Richtung weiterführen würde, war im Prinzip klar, denn das Reunion-Ensemble entspricht dem kurz vor dem Split, bis auf den zweiten Gitarrenposten, der zuvor von Tore Moren besetzt war, nun allerdings (vorerst?) vakant geblieben ist. Wer also mehr auf die Phase mit Garm als Sänger steht, kann sich denken, dass sich die Scheibe wohl nicht unbedingt nach den ersten drei Alben anhören wird. Dennoch waren sich viele Fans nach Einfuhr des Vorab-Tracks und Openers „The Arcturian Sign“ irgendwie nicht recht sicher, was sie davon halten sollten. Sicher, das Ganze klang schon nach dem typisch spacigen, oft kauzigen, mitunter schwarzmetallisch gefärbten Avantgarde-Prog-Metal, wie ihn diese Kapelle zu zelebrieren pflegt, trotzdem zeigten sich etliche verunsichert, allein aufgrund des eher suboptimalen Sounds.

Nach ein paar Durchläufen gibt es an der Nummer an sich nicht viel zu meckern: Symphonische Keyboards, spacige Atmosphäre, ein treibender Refrain mit Blastbeats und darüber schwebend Hestnæs’ Götterstimme (ihn konnten Dimmu Borgir meiner Ansicht nach auch bisher nicht im Entferntesten adäquat ersetzen) in all ihren Facetten. Wegen des flotten Tempos des Stückes, das einen schwungvollen Auftakt für den Rundling bedeutet, im Prinzip ein Opener nach Maß. Der eher bescheidene Schlagzeugsound jedoch bot und bietet Anlass zur Kritik und ebenso die verwaschenen Gitarren – auf der anderen Seite waren die Produktionen von Arcturus noch nie in dem Sinne gut und das macht schon fast wieder einen gewissen Charme dieser Combo aus. Man bedenke, dass zum Beispiel auf „Sideshow Symphonies“ das zweite Stück „Shipwrecked Frontier Pioneer“ einfach mal leiser klingt als der Rest!

Ganz so schlimm ist es bei „Arcturian“ nicht, doch herrscht hier immer noch deutlich Luft nach oben. Auch wenn man sich reinhören und daran gewöhnen kann: bei einem besseren Sound wäre die unglaubliche Vielschichtigkeit der Kompositionen differenzierter zur Geltung gekommen. Glücklicherweise jedoch zeigt der Daumen beim wichtigsten Punkt klar nach oben: Das Songwriting bewegt sich quasi durch die Bank auf ziemlich hohem Niveau. Mit „Angst“ liegt ein weiterer, äußerst überzeugender und mitreißender Kracher in hohen Geschwindigkeitsregionen vor (plus verzerrter Hestnæs-Stimme, die den Track noch aggressiver gestaltet, dieses effiziente Mittel verwendet die Band auch noch weitere Male im Verlauf der Platte), alles in allem jedoch ist das Material trotz viel Doublebass sehr abwechslungsreich ausgefallen.

Keyboards und elektronische Elemente sind omnipräsent, doch stets im einzigartigen Arcturus-Rahmen gehalten und nie Gefahr laufend, in cheesige Gefilde abzudriften. „Pale“ sowie die beiden letzten Stücke „Archer“ und „Bane“ beispielsweise sind Songs, wie sie nur die Norweger schreiben können: Spannende Achterbahnfahrten mit vielen Tempo- und Stimmungswechseln, grandiosen Melodien und aufwendig gestalteten Arrangements, bei denen es viel zu entdecken gibt und die beweisen, was für fantastische und visionäre Musiker hier am Werke sind. Die stampfende Passage in „Bane“ erinnert ein wenig an „The Chaos Path“, womit man dann doch ein bisschen in der tieferen Vergangenheit wühlt.

Ein ähnliches gilt für „Game Over“, das absolute Highlight der Platte. Die Dramatik dieses Mini-Epos lässt an selige „The Masquerade Infernale“-Zeiten denken, zumal der hübsche, melancholische Beginn „Ad Astra“ ähnelt, bevor der Track gewaltig an Fahrt aufnimmt. „Demon“ hingegen besitzt mit den zahlreichen Electro-Spielereien einen recht experimentellen Charakter, während „The Journey“ von einer federleichten Akustikgitarre getragen wird und die im Hintergrund gehaltenen, mit Effekten verfremdeten Vocals der Atmosphäre dieses ätherischen Tracks exakt gerecht werden.

Es mag mit dem Comeback-Album letztlich doch länger gedauert haben als erwartet, doch zumindest rein musikalisch haben Arcturus zweifellos eine starke Platte abliefern können, die unverkennbar den Stempel der Band trägt und die Vergangenheit zitiert, ohne dass der Fünfer nur Altbekanntes aufgewärmt hätte. Einen leichten Punktabzug gibt es trotzdem für die missratene Produktion; aus oben erwähntem Grund kann man diesen Aspekt nicht einfach unter den Teppich kehren.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann