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Architects: The Here And Now

Weniger Hysterie, dafür etwas mehr Struktur
Wertung: 8/10
Genre: Metalcore, Post-Hardcore
Spielzeit: 39:13
Release: 21.01.2011
Label: Century Media

Architects aus England werden ja gerne in einem Atemzug mit Combos wie Bring Me The Horizon oder Comeback Kid genannt. Warum das so ist? Vielleicht weil die Bands – größtenteils unbeabsichtigt – auf der Welle eines Trends mitschwammen, die eigentlich viel zu hoch für so junge Musiker hätte sein müssen, alle drei genannten Bands aber an die Spitze des modernen Metal katapultierte. Das erste Architects-Album „Nightmares“ wurde bereits zwei Jahre nach der Gründung, also 2006, herausgehauen und beinhaltete eine derart hysterische Aggression, dass es einem nur die Schuhe ausziehen konnte. Die Nachfolger „Ruin“ und zuletzt das überschwänglich gelobte „Hollow Crown“ zogen beinahe im Jahresrhythmus nach.

„The Here And Now“ markiert nun Album Nummer 4. Das „Make it or break it“ der dritten Scheibe haben die Jungs um Sänger Sam Carter bereits ohne Blessuren hinter sich gebracht. „The Here And Now“ klingt nun nach gestandenen Musikern, was witzig ist, wenn man weiß, dass der Fronter gerade mal 21 ist, und vor allem nach Professionalität. Dabei kann man natürlich technisch gesehen nichts gegen die Jungs sagen, denn jeder einzelne von ihnen beherrscht sein Instrument wahrscheinlich besser als einige alte Hasen der Szene, aber hört man sich die neue Scheibe zum ersten Mal an, könnte man sich als Fan doch ein wenig vor den Kopf gestoßen fühlen. Vorbei ist es mit der allumfassenden Lärmigkeit des Debütalbums, Vergangenheit die pubertäre Aggression von Krachern wie „Buried At Sea“ und auch wer sich hysterische Attacken à la „Follow The Water“ wünscht, hat hier auf weite Sicht verloren.

Direkt der Opener zeigt eine – Achtung, Klischee – gereifte Band. Klar, bei solchen Jungspunden ist es fast lachhaft, von so etwas wie Reife zu sprechen, aber irgendwie kommt es einem ein bisschen vor, als würden die Typen allmählich alt werden. Nicht falsch verstehen, „Day In Day Out“ startet relativ Architects-typisch mit leicht dissonanten Gitarren und einem bestens aufgelegten Sänger, der sich durch die erste Strophe kreischt, als würde sein Leben davon abhängen – aber dann gibt’s auch schon cleane Vocals auf die Ohren. Hier verschiebt sich der musikalische Anteil der Band ganz klar in Richtung Metalcore, Post-Hardcore-Elemente finden sich nur geringfügig, zum Beispiel beim Gangshout in der zweiten Hälfte.

„Live To Learn“ ist da schon ein ganz anderes Brett: Auch hier gibt’s klaren Gesang, der sogar regelrecht amerikanisch anmutet (hört es euch an, dann wisst ihr, was gemeint ist), aber irgendwie steckt mehr Energie dahinter. Gänsehäutig wird es dann gegen Ende, wenn im Kollektiv der Refrain gesungen wird – ein schöner Song, der alle Zutaten beinhaltet, die ein guter Metalcore-Track haben muss. Richtig irritierend wird es allerdings mit der Ballade des Albums. Gab es das schon mal, eine Architects-Ballade?! Jedenfalls mutet „An Open Letter To Myself“ an, als hätten die Jungs ein Buch mit dem Titel „Wie bastle ich eine Metalcore-Ballade“ gelesen – einsame Gitarre, klarer Gesang mit leichtem Understatement, nicht zu vergessen ordentlich Snare-Einsatz. Natürlich wird einmal noch schön mitten rein geschrien, schließlich ist man ja Metalcore – ein technisch einwandfreier Song natürlich, der auch kurzzeitig ein bisschen Gänsehaut fabriziert, aber ob die Jungs sich da mal nicht selbst ins Knie geschossen haben, bleibt abzuwarten.

Dafür hat das Quintett sich aber beim Thema Gastauftritte einen wahren Bock geschossen: „Stay Young Forever“, übrigens der einzige Track ohne klaren Gesang, wird von Comeback Kid-Sänger Andrew Neufeld unterstützt. Großartig, wie die beiden Ausnahme-Sänger sich hier gegenseitig hochschaukeln! Schade, dass der Track mit knapp drei Minuten nicht unbedingt lang ausfällt, aber Überraschung Nummer 2 lässt nicht lange auf sich warten: Im Rausschmeißer „Year In Year Out/Up And Away“ gibt sich der wohl hysterischste Sänger des modernen Metal ein Stelldichein: The Dillinger Escape Plan-Schreikrampf Greg Puciato. Sobald der Mann mit völlig geisteskrankem Geschrei einsetzt, weiß man wieder, wieso seine Band sich inzwischen einen großen Namen in Sachen Liveshows gemacht hat. Da der Track die Sieben-Minuten-Grenze hinter sich lässt, wird zwischendurch auf sphärisch unterlegten gesprochenen Text umgesattelt, was natürlich nur die Oubertüre bietet zu weiteren Ausrastern. Genial!

Ein Fazit fällt hier einigermaßen zwiespältig aus – Fans des Genres wird die Platte sicherlich sehr gut gefallen, weil sie eigentlich alles beinhaltet, was man sich von einer Core-Veröffentlichung wünscht. Andererseits sollten Architects-Fans vielleicht nicht zuviel erwarten; die typischen Ausbrüche sind zwar allgegenwärtig und größtenteils auch sehr geil umgesetzt, zeitweise stört der klare Gesang aber den Fluss. Hier soll jeder für sich selbst entscheiden; die Platte pendelt sich bei sehr guten acht Punkten ein.

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