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Architects: Daybreaker

Die Kunst der Angepisstheit
Wertung: 8/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 41:48
Release: 25.05.2012
Label: Century Media

Die britischen Metalcoreler Architects sind in der The-Pit.de-Redaktion mittlerweile so etwas wie alte Bekannte. Ex-Kollege und Core-Fan Oliver Held gab der 2009er Platte "Hollow Crown" 9,5 Punkte und damit fast die Bestnote und auch die zwei Jahre später folgende Scheibe "The Here And Now" bekam das Prädikat "episch", wenn auch diesmal von der Schreiberin dieser Zeilen. Bereits damals zeichnete sich aber ein Trend ab: mehr epische Arrangements, weniger geballte Hysterie wie noch bei den früheren Alben. Nun kann jeder für sich entscheiden, ob ihm das strukturierte Chaos der neuen Platten oder die wilde Raserei des Erstlings "Nightmares" und seines Nachfolgers "Ruin" besser gefällt - Tatsache ist aber, dass Architects größtenteils tatsächlich zu Recht gehyped werden, fabrizieren sie doch immer wieder wunderbar anspruchsvollen Metalcore, ohne allzu offensichtlich auf der Trendwelle mitzureiten.

Nun steht mit "Daybreaker" das fünfte Album an. Damit hat die junge Band schon einen ordentlichen Backkatalog auf der Haben-Seite, wenn man bedenkt, dass es die Truppe erst seit knapp acht Jahren gibt. Faul ist auf jeden Fall anders. Anders ist auch die Thematik der Scheibe: Während die ersten Alben noch die typischen Ängste eines Heranwachsenden (denn nichts anderes waren die Musiker bei ihrer Gründung) behandelten, befasst sich "The Here And Now" mit dem faszinierenden Umstand, dass man von seiner eigenen Musik plötzlich seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Mittlerweile haben die Briten festgestellt, dass es auch andere wichtige Themen auf der Welt gibt und steuern auf "Daybreaker" richtig globales und soziales Bewusstsein an; endlich (!) wieder ähnlich wütend wie auf den ersten Platten, nur eben diesmal mit Erwachsenenthemen.

Im Gegensatz zu vielen Truppen, die ihre Besetzung wechseln wie andere Menschen ihre Unterbuchsen, bleiben sich Architects weitestgehend treu. Wichtigster Dreh- und Angelpunkt ist hier natürlich Sänger Sam Carter, der bereits seit der zweiten Scheibe am Mikro steht und die Gitarrenfraktion um Tom Searle und Tim Hiller-Brook, die auch auf "Daybreaker" wieder eine wahre Herkulesarbeit verrichten. Übrigens ist die Platte bestens geeignet für Kopfhörersessions, wenn man mal wieder in tiefe Trance fallen will - im Gegensatz zur Vorgängerscheibe fügen sich die klaren Vocals hier wirklich gut ein, auch wenn sie nicht jedermanns Fall sein dürften. Nichts geht allerdings über Sams Ausraster - der Mann brüllt wütend bis verzweifelt, dass es eine wahre Freude ist.

Halten wir uns nicht lange mit Allgemeinplätzen auf und stürzen uns direkt ins Geschehen: "The Bitter End" bildet den Einstieg ins neue Album, beginnt mit Glöckchen und perlenden Samples und hangelt sich dann an ruhigem Gesang entlang, bis die Gitarren regelrecht explodieren. Ja, wir hatten das Wort "episch" bereits, aber alles andere wäre hier schlichtweg untertrieben -was für ein Einstieg. Man mag sich kaum ausmalen, was da noch alles kommen kann. "These Colours Don't Run" beispielsweise, das ähnlich ruhig anfängt, aber sehr viel schneller das Tempo anzieht und dann mit den typischen Architects-Gitarren losbrezelt. Dazu kommt Sam Carters zwischen Hysterie und purem Wahnsinn pendelnde Screams - so etwas Ähnliches hört man bestimmt in seinem eigenen Hirn, wenn man in der Gummizelle sitzt. Man kann gar nicht anders, als zu dem Track zu moshen; Aggression auf CD gebannt - meine Fresse.

"Truth, Be Told" fährt dann wieder ein bisschen mehr die Schiene des Vorgängeralbums - ein Refrain mit klarem Refrain, der recht schnell ins Ohr geht und auch sonst kommt der Song größtenteils ohne Screams aus; es klingt nicht übel und vor allem mal eine Abwechslung zum Geschrei, aber durchaus keiner der absoluten Glanzpunkte auf "Daybreaker". Ganz anderes bricht da "Even If You Win, You're Still A Rat" durch die Boxen: Sam hat Unterstützung von Bring Me The Horizon-Kollege und Kumpel Oli Sykes, der zwar auf der Bühne wie ein angeschossenes Wildschwein klingt, auf Platte aber durchaus seine Momente hat und speziell diese Kollaboration erstaunlich bereichert. Die zwei Briten spielen sich gegenseitig die Bälle zu, dass es nur so brutzelt, nur der sphärische Zwischenteil bremst die Stimmung ein klein wenig aus.

Bei "Behind The Throne" kann man erst einmal wieder ein bisschen runterkommen - klarer Gesang wird auf warme Samples gebettet, ein starker Kontrast zu den vorangegangenen, weitaus brachialeren Stücken. Der Track zeigt aber einmal mehr, dass die Jungs mehr können, als nur voll auf die Zwölf zu prügeln. Richtig aufmischen kann einen dann erst "Feather Of Lead", das zwar eher im Midtempobereich vor sich hinbollert, aber trotzdem reichlich Stoff zum Bangen und Moshen bietet. Richtig schöne Tempowechsel bieten die beiden Gitarristen hier, ganz zu schweigen natürlich von den Vocals - da überkommen einen fast schon romantische Gefühle. Der Song wäre der perfekte Rausschmeißer gewesen, stattdessen wird aber noch das recht melancholische "Unbeliever" nachgelegt, ein sehr schöner Track, der einen leicht traurigen Nachgeschmack hinterlässt.

Fazit: Im direkten Vergleich zum Vorgänger hat "Daybreaker" auf jeden Fall ein wenig Boden gutmachen können. Die meist aggressiven Songs überzeugen durchweg, kein einziger Ausfall muss hier betrauert werden und mit "Unbeliever" haben die Jungs sogar so etwas wie eine Ballade auf die Scheibe gepackt. Tatsächlich präsentieren sich die Metalcorejünger hier dynamischer als noch auf "The Here And Now" und vor allem auch endlich wieder eine Spur wütender - dem Himmel sei's gedankt, Architects haben ihre Angepisstheit wieder.

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