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apRon: apRon

Noch sind die Vorbilder zu deutlich erkennbar
Wertung: 7/10
Genre: Crossover
Spielzeit: 43:06
Release: 23.01.2009
Label: Cargo Records/Modern Noise

Das englische Wort "apron" bedeutet übersetzt soviel wie "Schürze", was es – sieht man einmal von Spielarten wie Herdrock oder Bügelcore ab - als Bandname relativ untauglich erscheinen lässt. Was eine Band aus Passau dazu bewegt hat, sich trotzdem nach einem Haushaltsutensil zu benennen, erklärt das Quintett auf seiner Myspace-Seite: "Jeder versucht im täglichen Leben ein äußeres Erscheinungsbild aufrecht zu halten, das seinen Zweck erfüllt. Eine Schürze hilft uns, unsere weißen Westen sauber zu halten."

Eine sehr sozialkritisch erscheinende Begründung also, die sich in die auch ansonsten sehr aufwändige Inszenierung einreiht, die apRon geradezu zelebrieren: Künstlernamen für die Bandmitglieder, Auftritte und Promofotos mit geschminkten Gesichtern und Körpern und – selbstverständlich – ein eigenes, neu kreiertes Genre namens Crosscore. Viel Drumherum also, das im selbstbetitelten Debütalbum erst einmal seine Berechtigung finden muss.

Schon nach den ersten zwei Songs ist klar, dass sich apRon viel Mühe geben, verrückt, wahnsinnig, brutal und unberechenbar zu klingen. Leider hat das zur Folge, dass das meiste auch tatsächlich bemüht klingt, nicht zuletzt, weil sich die Band sehr deutlich an der Crossover-Legende System Of A Down orientiert; ein Vorbild, an das sie definitiv nicht heranreichen kann. Zu gewöhnlich klingen die im Hardcore beheimateten Riffs, zu penetrant der deutliche deutsche Akzent von Sänger Thomy. Was nicht bedeuten soll, dass "apRon" eine miese Platte wäre. Sie kann nur die Erwartungen, die ihr von ihren Erzeugern auferlegt wurden, nicht halten, denn so viele großartige, neue Sounds, wie die Band gerne hätte, finden sich darauf einfach nicht.

Songs wie "Shadow Clown" oder "Pure And Real" sind keine schlechten Stücke Musik im eigentlichen Sinne, sie erinnern aber immer ein wenig an eine Plastikkopie des oben genannten armenisch-amerikanischen Quartetts oder sind schlicht unspektakulär. Auf Albumlänge geraten somit gerade die Songs, die den – zugegebenermaßen teils immer noch aufgesetzt wirkenden, aber stellenweise wirklich gut inszenierten – Wahnsinn am gründlichsten ausleben, zu den Besten. "Broken Child" und der gegen Ende einen Kinderabzählreim zitierende Song "Chop Chop" fallen in diese Kategorie und auch der dynamische und zweisprachig auf englisch und spanisch gesungene Track "El Rio" gerät abwechslungsreich und gefällt. Auch "Game Called Rejection" kann - trotz des viel zu offensichtlich an Jim Morrison angelehnten Gesangsintros – in seinem weiteren Verlauf mit seiner hymnischen Prägung überzeugen.

Schwach geraten dagegen "Cornflake" und "Hyde", hauptsächlich wegen der – im ersten Fall - wirklich nervigen Brecheisenreime sowie im zweiten Fall der zweifelhaften Gesangsleistung kombiniert mit unspirierten Gitarrenlines. Der Rest der Scheibe geht generell in Ordnung, es mangelt stellenweise lediglich – wie schon erwähnt – an Originalität und der Power, die das Fass Wut, das die Band eigentlich aufmachen will, so richtig zum Überkochen bringen könnte. Empfehlenswerte Faktoren, die einerseits für mehr Eingängigkeit und Wiedererkennungswert sorgen könnten, andererseits aber auch zu weiterer Annäherung an bereits bestehende Bands und Songs führen könnten, wären mehr Struktur und prägnantere Melodien. Thomy beweist über die gesamte Platte, dass er seine Stimme facettenreich und vielseitig einsetzen kann; das Können ist also vorhanden und der Detailteufel steckt lediglich in den Kompositionen. Für das zweite Album ist also noch einiges an Verbesserung möglich. Für sich stehend ist "apRon" ein durchschnittliches Album, das, wie man bei der Internetrecherche schnell feststellt, live offenbar sehr gut zu funktionieren scheint, fürs Hören zu Hause aber noch zu wenig Eigenständigkeit aufweist und damit auch den Einbau einer neuen Schublade im Genreschrank nicht rechtfertigen kann.

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