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Apocalyptica: Shadowmaker

Für Apocalyptica-Verhältnisse eine enttäuschende Platte
Wertung: 6/10
Genre: Cello Metal/ Crossover
Spielzeit: 65:18
Release: 17.04.2015
Label: Harmageddon Records/OMN Label Services

Wer hätte gedacht, dass aus Apocalyptica mal so eine große Nummer werden würde? Am allerwenigsten wohl die Protagonisten selbst. Doch über 20 Jahre nach der Gründung besteht die ungewöhnliche Combo noch immer, wenn auch inzwischen in etwas veränderter Besetzung. Schlagzeuger Mikko Sirén ist ja nun schon länger mit von der Partie, und nachdem man einst als rein instrumental agierende Coverband begann, haben außerdem die Gesangsanteile nach und nach immer mehr zugenommen. Noch auf der letzten Studio-Full-Length „7th Symphony“ (die Wagner-Platte klammern wir hier mal aus, denn es handelte sich dabei schließlich um ein Livealbum, auch wenn das Material so auf keiner anderen Scheibe der Finnen zu finden ist) waren es verschiedene Gastsänger wie Bush-Fronter Gavin Rossdale oder Gojira-Brüllwürfel Joe Duplantier. Der Schritt, als nächstes einen Sänger zu verpflichten, der alleine für sämtliche Kompositionen mit Text verantwortlich ist, erscheint nur konsequent und logisch.

Für jenen Posten holte man den Amerikaner Franky Perez ans Mikro, der bereits in verschiedenen Rockbands als Sänger oder Gitarrist tätig war, und an dessen Stimme sich die Geister sicherlich scheiden werden. Ich persönlich fand es noch nie wirklich notwendig, dass Apocalyptica überhaupt Stücke mit Gesang haben, doch dass diese Weiterentwicklung irgendwann kommen musste, war im Prinzip relativ klar. Warum die Wahl dann aber ausgerechnet auf Perez fallen musste, bleibt rätselhaft: Mir jedenfalls gibt seine Stimme rein gar nichts, sie ist irgendwie 08/15, wenig kraftvoll und die Performance besitzt keinerlei Tiefgang oder transportiert tatsächliche Emotionen.

Was das Songwriting selbst anbelangt, so war schon bei „7th Symphony“ teilweise überdeutlich ein Schielen auf den US-Markt zu erkennen, wie Nummern à la „Not Strong Enough“ oder „Broken Pieces“ demonstrierten. Dass man dies auf „Shadowmaker“ noch weiter ausbauen würde, lag zumindest nahe, und der Opener „Cold Blood“, der nach dem kurzen Intro „I-III-V Seed Of Chaos“ durch die Boxen schallt, bestätigt diese Befürchtung leider aufs Schlimmste. Sorry, aber das ist für meine Begriffe einfach nur eine standardmäßige, gesichtslose und völlig vorhersehbare Radionummer ohne Biss, geschweige denn Potenzial, den Hörer (und schon gar keinen alten Fan) in irgendeiner Weise mitzureißen.

Bedauerlicherweise gilt ähnliches für das ziemlich lahme „Slow Burn“, während wenigstens „House Of Chains“ ein bisschen mehr Eier besitzt, da Franky Perez hier auch seine beste Gesangsleistung bringt, indem er in der Strophe mehr schreit als singt, was ihm ziemlich gut zu Gesicht steht. Auch der als Bonustrack aufgeführte Song „Come Back Down“ (uns lag erfreulicherweise diesmal sogar die limitierte Edition mit zwei Bonusstücken als Promo vor) geht noch als halbwegs originell durch, jedenfalls spielt die Band hier sehr clever mit verschiedenen Dynamiken. Mehr Material in dieser Machart wäre wünschenswert gewesen, schade um diese vertane Chance. Immerhin der Titeltrack kann mit seinem progressiv-vertrackten Mittelteil einigermaßen überzeugen.

Blöd allerdings auch, dass die Balladen überhaupt nicht zünden wollen: Hatte die Truppe in der Vergangenheit noch so wundervolle Nummern wie „Romance“, „Faraway“, „Farewell“ oder „Beautiful“ am Start, die Herz und Seele zu berühren wussten, kommen „Hole In My Soul“ (noch dazu mit einfallslosen Lyrics versehen) und „Sea-Song (You Waded Out)“ einfach nur schmalzig bzw. mit Egal-Gefühl daher, auch deswegen, weil Perez wie erwähnt überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, was gerade bei Balladen nun mal ziemlich wichtig ist. Eine Ausnahme bildet das gefühlvolle Finale „Dead Man’s Eyes“, das allerdings mehr von den warmen, schmeichelnden Celliklängen denn von Franky Perez lebt.

Somit ist es natürlich bezeichnend, dass es sich bei den Instrumentalnummern um die besten Stücke handelt, die das Album dann auch vor dem totalen Reinfall retten: „Reign Of Fear“ ist so eine typische Apocalyptica-Nummer mit mächtigen, schneidenden Riffs, wie man sie in ähnlicher Manier zwar schon aus der Vergangenheit kennt, die aber einfach nur Spaß macht. Umso komischer, dass diese starke Komposition lediglich als Bonustrack auf der limitierten Auflage vorliegt. Ziemlich cool dann die Idee bei „Riot Lights“, einen Trance-artigen Beat unter das Ganze zu legen, der sich im Zusammenspiel mit den elektrisch verstärkten Celli und den Drums erstaunlich gut macht. Mit dem an vorletzter Stelle stehenden „Till Death Do Us Part“ dürfte schließlich sogar die beste Nummer der Platte vorliegen: eine sehnsüchtige, melancholische Melodie trifft auf einen entspannten Beat, bevor der Track deutlich an Härte gewinnt – klasse Stück, das sich toll aufbaut und aufzeigt, zu was für spannenden Songwriting-Ideen diese Band fähig ist.

Bedauerlich, dass sich eben bei weitem nicht alle Songs auf diesem Niveau befinden, leider ist „Shadowmaker“ – obwohl nicht in dem Sinne schlecht – insgesamt das wohl schwächste Album in der Apocalyptica-Historie geworden. Sicherlich hängt dies auch mit Franky Perez’ Stimme zusammen, mit der andere vielleicht weniger Probleme haben, doch auch das Songwriting ist alles in allem einfach zu einfallslos respektive standardmäßig. Ein weiterer Kritikpunkt wäre vielleicht noch die Produktion vom doch recht namhaften Nick Raskulinecz, die für mein Verständnis zu trocken ausgefallen ist und das ganze Album irgendwie distanziert erscheinen lässt. Wirklich schade, für Apocalyptica-Verhältnisse eine enttäuschende Platte.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann