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Antichrist: Forbidden World

So Old School, dass die Schweden direkt aus der Mitte der Achtziger ins Heute katapultiert wurden
Wertung: 7.5/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 43:47
Release: 14.10.2011
Label: High Roller Records

Antichristen gibt es wie Sand am Meer, und auch die Schweden rund um Sven Nilsson (drums), Anton Sunesson (vocals), Gebrial Forslund (guitars), Filip Runesson (guitars) und Bassist Gobbe Henningsson kamen 2005 auf die glorreiche Idee, ihre Band den Namen Antichrist zu verpassen – dabei ist hier in Deutschland eine Band unter diesem Namen schon seid 1983 unter diesem Banner mehr oder weniger aktiv, und auch ein Blick über das Weltmetaltableau offenbart, dass sich schon woanders auch des Antichristen bedient wurde.

So ganz unbekannt sind einige der Jungs den absoluten Szeneinsidern nicht, denn sie können Vorerfahrungen in Truppen wie Witchgrave oder auch Eviscerated aufweisen, mit „Forbidden World“ allerdings legen sie nach den beiden Demos „Crushing Metal Tape“ und Put To Death“ ihr Longplay-Debut vor. Bis auf die beiden Tracks „Torment In Hell“ und „Sign Of The Beast“ sind alle weiteren Songs komplett neu.

Antichrist spielen speedigen Thrash Metal, so Old School, dass die Schweden direkt aus der Mitte der Achtziger ins Heute katapultiert wurden. Erinnert das Intro zu „Dark Sorcery“ noch an alte Slayer, so drängt sich aufgrund des Riffings eher Whiplash zur „Ticket To Mayhem“-Phase auf, währenddessen der Sound ein dreckiger Bastard aus eben Whiplash und einer fetten Prise „Join The Army“ von den Suicidal Tendencies ist – auch Fronter Anton shoutet mir einer leichten Schwarzwurzelfärbung und leicht hysterischer Stimme arschgeil wie in oben genannten Beispielen – hoher Widererkennungswert ist da schon einmal stimmlich gegeben.

Wie bei Trilliarden anderer Bands erfinden Antichrist ebenfalls das Rad nicht neu, aber zumindest haben sie dermaßen viel Feuer im Allerwertesten, dass sie auch mit dem schon auf dem Demo vertretenen „Torment In Hell“ mit Vollgas durch die Partituren hecheln, die Drums einfach nur straight scheppern, ohne sich mit irgendwelchen Fills aufzuhalten. Auch auf „Sign Of The Beast“ frönen sie ihrer Vorliebe, einfach wild nach vorn zu preschen – nicht viel Abwechslung bei Drums und Gitarrenarbeit, aber die konsequent brutale Rifffolge verfehlt ihren Zweck nicht und dürfte einfach live ein gefundenes Fressen für die HeadbangerInnenscharen sowie StagediverInnen sein – ein Song mitten in die Fresse, roh, erdig, mit ganz viel Destructions Frühphase verfeinert. Wie sehr sie von Destruction beeinflusst sein müssen, belegen sie auch bestens mit „Terror Dimension“, denn nicht nur die Screams erinnern gelegentlich an Schmier, sondern auch das Riffing hört sich verteufelt noch mal nach der „Mad Butcher“-Phase an – warum auch nicht.

Doch Antichrist können nicht nur voll auf die Zwölf, sondern sie streuen auch ein paar ruhigere Elemente ein. So überraschen sie dann mit der akustischen Gitarre in „Forbidden World“, und auch das anschließende „Necropolis“ ballert nicht wild drauf los, sondern stampft erst eher gemächlich daher, bis dann das Tempo dann doch wieder angezogen wird, die Gitarren wie irre flitzen, die Soli wie Dauerblitze durch die verkommene Thrashwelt zucken – und das auch geschlagene acht Minuten. Bei „Minotaur“ verzichten leider Antichrist auf eines der wichtigsten Stilmittel in ihrem Sound: Die Stimme von Anton. So können acht Minuten Instrumentalmusik schon arg lang werden.

Moderne Soundpuristen sollten eh die Finger von „Forbidden World“ lassen, ebenso alle, die Mucke wie aus den Achtzigern glatt als Teufelswerk ansehen. Antichrist sind ein Bastard aus ganz alten Destruction, Whiplash, Suicidal Tendencies und Slayer, zocken gerne rasend schnell, streuen gerne irrwitzig flirrende Soli ein, leben zum großen Teil von der sehr gewöhnungsbedürftigen Stimme Antons, haben nicht einen Hauch an Kommerz im Blut und Sound – wenn auch nicht alles immer wirklich als Eigenkreation erscheint, gilt hier trotz allem: Wer mit den Reminiszenzen etwas anfangen kann, der sollte unbedingt zuschlagen – eine edle Perle, die auch roh genug ausstrahlt, ohne geschliffen zu werden. Ehrlich, erdig, roh und räudig und für kleine Thrashkonzerte wie geschaffen.

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