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Anti-Flag: The General Strike

Ein Rundumschlag, wie er im Buche steht.
Wertung: 8.5/10
Genre: Politpunk, Melodic Hardcore
Spielzeit: 27:24
Release: 17.03.2012
Label: Side One Dummy (Cargo Records)

Anti-Flag ist eine der Bands, die man nicht mehr vorstellen muss, es sich aber trotzdem nicht verkneifen kann, schließlich gehören die Amis zur Politpunkprominenz. Kaum ein Punkfan kam bisher an dem Vierer vorbei und mit dem mittlerweile achten Studioalbum "The General Strike" dürften die Herren auch die Ohren derer erreichen, die ihnen bisher verschlossen blieben.

Ich schäme mich ja fast, aber: Auch mir waren Anti-Flag bisher nur namentlich ein Begriff. Welche Schande, dass eine solche Band bisher für die Schreiberin dieser Zeilen unbemerkt ihr Dasein gefristet hat! Demensprechend sind allein die ersten Takte vom gerade mal knapp halbminütigen Opener "Controlled 
Opposition" sowas wie eine Offenbarung: Lärmig und wütend keift sich Sänger Justin Sane durch die kurze Achterbahnfahrt, schon direkt danach folgt mit "The Neoliberal Anthem" der erste längere Kracher des Albums: rasante Gitarren paaren sich mit melodiösem Gesang, und auch wer politisch nicht unbedingt zu 
den Aktivsten gehört, kann sich hier mit Begeisterungsschaum vorm Mund zurücklehnen.

Verglichen mit den älteren Stücken gibt es auf "The General Strike" ein bisschen mehr Melodie als bisher auf die Ohren, aber keine Sorge: Anti-Flag verkommen nicht zum Mitsing-Karaoke-Poppunk, stattdessen stechen die aggressiveren Parts durch den Kontrast natürlich noch mehr heraus. Auf nicht mal einer halben Stunde Laufzeit verbraten die Anti-Flags alles, was die Gitarren hergeben, man hat kaum Zeit, um zu Atem zu kommen, aber das muss man hier auch gar nicht. Anti-Flag wirken am besten, wenn sie einem direkt auf die Fresse hauen. Der "Oh oh"-Gesang bei "This Is The New Sound" mag nach einigen Durchläufen stören, dafür schafft "Bullshit Opportunities" den perfekten Spagat zwischen Hardcore-Ausraster und einem ohrwurmtauglichen Refrain, der sich aber in keinster Weise anbiedert.  

Dass Anti-Flag - mit Unterstützung einiger Kumpels, versteht sich - die Platte gänzlich alleine aufgenommen haben, hört man dem Sound zum Glück nicht an. Alles ist dort transparent, wo es transparent zu sein hat, an anderer Stelle wummert die Bassdrum genau richtig durch die Boxen; so möchte man Punk hören. Ein perfektes Beispiel hierfür wie auch für das immerwährende Songwritinghändchen der Truppe ist "The Ranks Of The Masses Rising", das nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Beine geht - direkt hat man den eigenen Minipogo im Schlafzimmer gestartet und reißt das gute Geschirr vom Tisch. Wo gehobelt wird, fallen halt auch mal Späne. "Broken Bones" ist dann ein typischer Mitsingtrack geworden, unterlegt mit rasanten Gitarren und einem Gruppenrefrain, der einem fast schon die Haare zu Berge stehen lässt, wenn man sich vorstellt, wie die Fans das live mitgrölen. 

Kinder, Kinder, was für eine Darbietung. Nach zwölf Liedern und nicht ganz 28 Minuten Laufzeit fühlt man sich ein bisschen erschlagen und hat das dumpfe Gefühl, dass die einzige Möglichkeit, wieder zur Ruhe zu kommen die ist, in den nächsten CD-Laden zu rennen und sich die komplette Diskografie zu kaufen, um sich damit in seinem Kämmerlein zu verschanzen. Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, dass Politpunk nicht tot ist, dann ist es dieses Album. Ein Rundumschlag, wie er im Buche steht. Wo war noch mal die Skiptaste?

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