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Another Moon & Sick Sad World: Ruins Of A Forgotten World

Neues aus dem französischen Underground
Wertung: 7.5/10
Genre: Post-Metal, Sludge, Post-Rock
Spielzeit: 44:45
Release: 24.09.2010
Label: Eigenproduktion

Schon ein Blick auf das tolle Artwork des Albums „Ruins Of A Forgotten World“ der beiden Bands Another Moon und Sick Sad World lässt es erahnen: Dieser Split widmet sich ganz und gar atmosphärischer Musik. Zerfallene Wolkenkratzer kauern sich einsam und verlassen unter einen rostroten Himmel, die Szenerie strahlt Stille und Hoffnungslosigkeit aus. Noch mit dem postapokalyptischen Bild vor seinem inneren Auge legt der Hörer die CD ein und kann sich auf sechs Songs aus der Feder der zwei französischen Truppen freuen, die die Stimmung dieser toten Welt in Klänge gefasst haben.

Obwohl beide Bands ein ähnliches Konzept verfolgen, unterscheiden sie sich doch merklich in ihrer Herangehensweise an die Musik. Another Moon ist das Ein-Mann-Projekt des Multi-Instrumentalisten Seb, der sich einer Mischung aus Post-Rock und -Metal bedient und dem Ganzen Sludge- und Doom-Einflüsse hinzufügt. Klassische Build-Ups aus dem Post-Rock treffen auf aggressive Eruptionen und malmende Riffs, die dem düsteren Ambiente des Covers mehr als gerecht werden. Sick Sad World hingegen lassen sich nur schwer einordnen – mal hat man das Gefühl, alte Katatonia herauszuhören, zu anderen Zeiten geht die Musik mehr in Richtung Sludge Metal. Für einen noch deutlicheren Unterschied zu Sebs Projekt sorgt die Tatsache, dass Sick Sad World einen Sänger an Bord haben, der den Stücken nochmal einen ganz anderen Charakter verleiht.

Den Anfang machen aber Another Moon: Das eröffnende „There Will Be No Sunshine Anymore“ macht seinem Namen alle Ehre und wird mit schwermütigen, cleanen Gitarren eingeleitet, die ein wenig an Swallow The Sun erinnern. Nach und nach werden die Melodien ausgebaut und durch dezente Keyboard-Sounds ergänzt, bevor harte Gitarren und wuchtiges Schlagzeug dem Song eine Menge Kraft verleihen – ein wahrlich gelungener Auftakt, doch schon nach einer Weile wird auf abgehackte Riffs ersetzt, die sich nicht optimal in das Gesamtbild einfügen. Nach dieser etwas durchwachsenen Passage fängt sich das Stück jedoch wieder und bietet geisterhafte Gitarrenharmonien, bevor später sludgige Riffs einsetzen.

Im Titeltrack ist Sick Sad World-Sänger Juda zu Gast und bereichert die Mischung aus Doom und Sludge mit seinem zwar noch etwas unausgereiften, aber emotionalem Gesang. Auch hier wird auf eine ähnliche Struktur wie im ersten Stück zurückgegriffen, durch die verschiedenen Facetten der Stimmleistung fällt dies allerdings noch nicht allzu stark auf. „The End Of All Things“ lehnt sich zum Ende der ersten Hälfte des Splits noch einmal etwas mehr in Richtung Post-Rock: Flirrende Gitarren entfalten sich langsam und entladen sich in ihren härteren Varianten. Obwohl der Song bis auf das etwas zu abrupte Ende recht gelungen ist, fällt auf, dass das Songwriting stets nach einem sehr ähnlichen Schema ausgerichtet ist – ein wenig mehr Abwechslung würde hier noch wesentlich mehr Dramatik ins Spiel bringen.

Die zweite Hälfte der CD gehört natürlich Sick Sad World, die sich in Sachen Songwriting schon etwas ausgereifter zeigen. „White Room“ beginnt ruhig und clean, begleitet von Judas emotionalem Gesang, der später in hohe Screams übergeht. Obwohl der Mann durchaus Potential zeigt und immerhin ein recht breites Spektrum an Stilen abdeckt, ist er wohl noch die offensichtlichste Schwachstelle der Truppe, denn technisch besteht hier noch viel Nachholbedarf. Auch „Heads“ setzt sich ähnlich wie der erste Song aus ruhigen Passagen und wütenden Eruptionen zusammen, wird jedoch dank einer Menge Dramatik in der Songstruktur nicht langweilig. Den Abschluss macht „Just Break“, dass so auch den älteren Katatonia gut zu Gesicht gestanden hätte. Nach einem unheimlichen Intro macht ein Scream den Weg für donnernde Riffs frei, die von groovenden Basslines unterstützt werden. Im Laufe des Stückes wagen sich auch Sick Sad World an einen Build-Up, der ihnen erstaunlich gut gelingt und zu einem emotionalen Finale führt.

Beide Bands liefern auf „Ruins Of A Forgotten World“ eine mehr als solide Leistung ab und präsentieren sich als hoffnungsvolle Newcomer, die das Potential haben, aus ihrer Musik jeweils etwas wirklich Eigenes zu erschaffen. Während bei Another Moon in Zukunft das Augenmerk vor allem auf die Weiterentwicklung der Songstrukturen gelegt werden sollte, ist bei Sick Sad World der Gesang zugleich eine Stärke als auch eine Schwäche. Zwar hat Juda keine unangenehme Stimme und besitzt in gewissen Momenten durchaus Charisma in dieser, klingt teilweise aber noch zu unkontrolliert und stellenweise sogar schief. Insgesamt haben Sick Sad World die Nase auf diesem Split jedoch ein klein wenig vorn, über dem Durchschnitt befinden sich aber auch Another Moon noch deutlich – wer schon an der Stimmung des Covers Gefallen findet und mit den erwähnten Genres etwas anfangen kann, sollte diesen beiden Bands ruhig eine Chance geben.

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