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Annihilator: Ballistic, Sadistic

Klare Steigerung zum letzten Album
Wertung: 8/10
Genre: Thrash Metal
Spielzeit: 51:02
Release: 24.01.2020
Label: Silver Lining Music

Im Spätsommer seines Lebens hat Annihilator-Boss Jeff Waters noch einmal einen großen Schritt gewagt: Der Liebe wegen zog er aus dem heimischen Kanada nach Europa ins Vereinigte Königreich, obwohl er sich in Ottawa gerade ein neues Haus und Studio gebaut hatte. Dementsprechend wurden seine Watersound Studios ins englische Durham verlegt, wo auch die neue Platte mit dem sehr schönen Titel „Ballistic, Sadistic“ entstand – trotz der ereignisreichen Umstände nur knapp über zwei Jahre nach dem Vorgänger „For The Demented“.

Und nicht nur das: Auf jener Scheibe arbeitete Waters zum Unmut vieler Fans mit einem Drum-Computer, nachdem Schlagwerker Mike Harshaw 2016 das Handtuch geworfen hatte (die Liste von ehemaligen Mitgliedern bei Annihilator ist bekanntlich ein Rattenschwanz ohne Ende); dieses Experiment hat glücklicherweise ein schnelles Ende gefunden, mit Fabio Alessandrini wurde mittlerweile ein neuer Mann für den Posten hinter der Schießbude gefunden. Positiv gilt somit schon einmal festzuhalten, dass der Sound im Vergleich zum Vorgänger ordentlich knallt und deutlich mehr Dynamik aufweist.

Jeff selbst sieht „Ballistic, Sadistic“ als das beste Album seit dem 2005er „Schizo Deluxe“ an, stellt Vergleiche mit den ersten drei Klassikerscheiben „Alice In Hell“, „Never, Neverland“ und „Set The World On Fire“ an und verspricht, dass einige die Platte gar unter den Top 3 der besten Alben der Band einordnen würden. Ob dies tatsächlich zutrifft, muss jeder für sich selbst entscheiden, dass wieder deutlich mehr Feuer, Energie und Spielfreude gerade im Vergleich mit dem zwiespältigen letzten Longplayer zu spüren sind, dürfte hingegen unstrittig sein.

Das eröffnende Triple fährt sofort in die Glieder und ist einfach nur bockstark ausgefallen: „Armed To The Teeth“ markiert einen sich in mittleren Temporegionen befindlichen Thrash-Banger und stellt ein klares Must für die nächsten Liveshows dar, „The Attitude“ ist ein flotter Arschtreter, dessen Refrain mit den immer wieder skandierten Worten „fuck your attitude“ ebenso eingängig wie angepisst ausfällt, und Track drei „Psycho Ward“ glänzt mit saftigem Groove und einem clever eingebauten, harmonischen Part in der Mitte.

Kleine Portionen an Melodie unaufdringlich in Dampfhammer-Stücke einzuweben, war sicherlich schon immer eine von Jeff Waters’ Stärken, die auch auf dem nunmehr 17. Studioalbum stets aufblitzt, so auch im breaklastigen und doch gut fließenden „Dressed Up For Evil“ oder dem melancholisch angehauchten, mit schönen gedoppelten Gitarren versehenen, finalen „That’s Life“.

Mit Fug und Recht darf man die genannten Kompositionen als die stärksten des Rundlings bezeichnen, doch macht „Ballistic, Sadistic“ insgesamt sehr viel Spaß – Songs wie die rasante Achterbahnfahrt „Out With The Garbage“ oder das gnadenlos peitschende „Riot“ sind alles andere als schlecht und könnten an der Livefront gut punkten. Auf Experimente wie die völlig misslungene Punk-Nummer „The Way“ auf dem Vorgänger wird dankenswerterweise verzichtet und auch eine Ballade à la „Pieces Of You“ sucht man vergeblich. Der ruhigste Part ist noch der überraschende, fast seltsam anmutende Mittelteil von „One Wrong Move“.

Alles trotz zeitgemäßer Produktion also sehr old-schoolig, straight forward und thrashig und auch wenn hier und da Parts ertönen, die man so oder in ähnlicher Form schon früher gehört hat („Lip Service“ – was der Titel bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen – ist in exakt derselben Machart wie „Knight Jumps Queen“ oder „The Demon You Know“ gehalten), ist das schon eine runde Angelegenheit. Nach 17 Studioalben sei die eine oder andere Ähnlichkeit großzügig verziehen. In jedem Fall ist es selbstverständlich wieder zum Zungeschnalzen, was Waters allein an Gitarrensoli und -licks sowie Präzisions-Schredderriffs aus der Hüfte schießt und dabei klingt alles sehr frisch und locker.

Auch gesanglich hat er eine gute Schippe draufgelegt und gibt sowohl bei aggressiven Thrash-Shouts als auch melodischen Vocals eine gute Figur ab. So schmerzlich der Verlust von Dave Padden, der 2014 nach elf Jahren ausstieg, immer noch sein mag, Jeff bringt hier die beste gesangliche Leistung seit dessen Abgang und kann darauf stolz sein. Wie auch auf das gesamte Album, das, wenngleich es wohl in diesem Leben keinen weiteren Überhit der Marke „King Of The Kill“ oder „Alison Hell“ mehr geben wird, definitiv zu den stärkeren in der Diskographie gehört.

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