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Animations: Reset Your Soul

Frickel-Prog à la Dream Theater und Konsorten
Wertung: 7.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 65:18
Release: 07.12.2009
Label: Sonic Maze Records

Die Progressive-Szene in Polen ist in den letzten Jahren erheblich gewachsen; wie Pilze schießen neue Bands aus dem Boden, nicht zuletzt dank Riverside, der mit Abstand bekanntesten Combo der Szene. Animations aus Jaworzno sind ein weiterer hoffnungsvoller Act, der noch nicht so lange dabei ist; mit „Reset Your Soul“ legt das Quintett nach dem selbstbetitelten (und noch komplett instrumentalen, mir leider nicht bekannten) Debüt aus dem Jahre 2007 nun sein zweites Album vor.

Zwar zählt man sie laut Info zur „New Wave Of Progressive Metal“, insgesamt sind die Jungs aber doch eindeutig im traditionellen Prog à la Dream Theater, Symphony X und Fates Warning verwurzelt, und es ist durchaus zutreffend, dass genau diese Bands als Parallelen zum Sound von Animations hinzugezogen werden. Die stilistische Nähe zu jenen Bands wird schon allein durch die Überlänge fast aller Stücke deutlich – lediglich ein Song ist unter sieben Minuten lang („Request For Redemption“), zwei überschreiten gar die Zehn-Minuten-Grenze („The Manhattan Project“ und „The Last Man“).

Dies bedeutet wiederum, dass wir es hier naturgemäß mit nicht gerade immer leicht verdaulichem Stoff zu tun haben, der Geduld und mehrere Hördurchläufe benötigt, um sich den Lauschorganen in voller Gänze zu entfalten. Der Opener und gleichzeitige Titeltrack wandelt gleich unzweideutig auf den Spuren des Traumtheaters (auch Redemption kommen einem in den Sinn); typische Gitarren- und Keyboardsoli (teilweise auch unisono vorgetragen), die man bestens von Petrucci und Rudess kennt, wechseln sich mit Midtemposequenzen, die mit fett produzierten Filigran-Riffs aufwarten, ab, und über alldem schwebt die angenehme Stimme von Frontmann Darek Bartosiewicz, der kein überragender Techniker wie James LaBrie sein mag, aber durch natürliche Wärme zu punkten imstande ist. In den Höhen klingt der Sänger mitunter etwas schwachbrüstig, aber einige sehr hübsche, hervorragend arrangierte gedoppelte Vocal-Passagen lassen über diese Tatsache hinwegsehen.

Der Auftakt ist mehr als gelungen, die genannten verschiedenen Elemente des Prog wurden nachvollziehbar zusammengebündelt und bilden einen starken Eröffnungstrack, der zudem mit sehr schönen Melodiebögen in Bridge und Refrain überzeugt. Mit „Demons Of War“, einer spektakulären Achterbahnfahrt, bei der man Siebziger-mäßig die Hammondorgel wummern lässt, und dem etwas düstereren „Inscrutable“ geht es stark weiter. Angesichts zahlreicher Breaks und wechselnder Stimmungen zwischen sanft und heftig wird man als Hörer vor einige Herausforderungen gestellt, doch entpuppt sich das Ganze letztlich als sehr flüssig, wenn man der Mucke eine Chance gibt. Auffällig ist außerdem, dass die Band gerne mal ein paar völlig überraschende, aber um so coolere jazzig angehauchte Parts einbaut, die Animations von anderen Acts des Genres wenigstens ein bisschen abheben können. Ist zwar auch nicht mehr das Allerneueste, lockert die Songs, die trotz aller Klasse eben nicht so wirklich viel Neues bieten, aber zumindest ein bisschen auf.

Bei „The Manhattan Project“ geht es nicht minder ausgelassen zur Sache; in diesem zehnminütigen Instrumental können Schlagzeuger, Saiten- und Tastenfraktion sich kräftig austoben: Mit pfeilschnellen Soli und treibenden Riffkaskaden wird ebenso munter um sich geworfen wie mit besinnlichen Pianoklängen und epischen Gitarrenmelodien, während die etwas Gimmick-haft anmutenden Keyboardsounds und die „Dance Of Eternity“-mäßigen Breaks am Ende die Sache abrunden und zu einem wahren Prog-Feuerwerk werden lassen.

Mit dem dreizehnminütigen „The Last Man“ wird alsbald der nächste Prog-Hammer ausgepackt – die zwischenzeitliche Ballade „Request For Redemption“ ist dagegen nur eine Randnotiz, eine kleine Verschnaufpause. Komisch, dass ausgerechnet der kürzeste Song die wohl schwächste Nummer der Platte darstellt. Schlecht ist das Stück nicht, wirkt aber irgendwie ein wenig konstruiert und nicht so emotional, wie eine Ballade sein sollte – dennoch definitiv besser als die beiden Dream Theater-Lahmarsch-Titel der jüngeren Vergangenheit, „Forsaken“ und „Wither“. „The Last Man“ allerdings ist eine erneute Entdeckungsreise, bei der diesmal auch gesungen wird und erneut alle Register gezogen werden: Hier gibt es neben den üblichen, technisch überragenden instrumentalen Fähigkeiten und schönen Gesangslinien auch eine kurze Sitar-Passage zu hören, und bei aller Break-Freudigkeit ist es gut zu hören, dass Mainriff und Mainmelodie ziemlich gut reinlaufen – so hat anspruchsvoller und dennoch einigermaßen zugänglicher Prog zu klingen.

„1989“ ist dann ein weiteres Instrumental, bei dem vor allem das Keyboard im Vordergrund steht und dem Stück mit verschiedenen Sounds viel Farbe verleiht. Animations präsentieren sich sehr spielfreudig und spritzig, und ohne etwas gegen Darek Bartosiewicz sagen zu wollen, vermisst man den Gesang zu keiner Sekunde, da man genug zu tun hat, dem atemberaubenden technischen Können zu lauschen. Das behutsam aufgebaute, im Gegensatz zu den Vorgängern wesentlich futuristischere und spacigere „Toxicyber“ beendet schlussendlich eine CD, die jeder Prog-Fan auf jeden Fall einmal antesten sollte. Es mag sein, dass die Polen etwas zu sehr im „konventionellen“ Prog Metal wildern und daher nicht allzu viel Neues zu bieten haben, doch Spielfreude, gutes Songwriting und eine angenehm organische Produktion gleichen diesen Mangel an Eigeninitiative beinahe aus. Mit Darek Bartosiewicz haben die großartigen Instrumentalisten außerdem einen guten Sänger in ihren Reihen, bei dem allerdings in Sachen Durchschlagskraft noch Luft nach oben ist.

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