Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Animals As Leaders: The Joy Of Motion

Vielleicht jetzt schon das Album des Jahres?
Wertung: 9.5/10
Genre: Progressive Metal
Spielzeit: 54:20
Release: 18.04.2014
Label: Sumerian Records/Soulfood Music

Wer an technisch anspruchsvollen, progressiven Metal denkt, dem fallen Animals As Leaders ziemlich schnell ein. Wer hätte vor fünf Jahren schon ahnen können, dass ein einziger Mann, nämlich Gitarrist und Kopf des Bandprojektes Tosin Abasi, die Metalszene mit seinen musikalischen Geniestreichen beglücken würde? Wer hätte damals gedacht, dass es ein Instrumental-Album mit Prog-, Jazz- und Electro-Elementen  in die Charts schaffen würde und junge Leute dazu animieren könnte, Musik zu machen, fleißig zu üben, um mindestens genauso gut zu spielen wie ihr Gitarrenvorzeige-Guru Abasi? Es scheint, als hätte dieser die Begriffe Talent, Innovation und Leidenschaft für jedes bereits veröffentlichte Album für sich gepachtet. Nach dem Debüt „Animals As Leaders“ und dem zweiten, hochgelobten „Weightless“ hätte es eigentlich nicht noch höher, besser und technischer werden können. Nach dem Hören des dritten Albums versteht man aber schnell: Animals As Leaders sind ihr eigener Superlativ.

Bevor es ans Eingemachte geht, muss jedoch erst einmal das CD-Artwork begutachtet werden. Selbstverständlich verzichtet man auf klischeehafte Bandfotos – stattdessen zieren warme Farben und  organische Formen das Cover, welche an die Wassergläser erinnern, die man (als Kind) beim Malen mit Wasserfarbe und Pinsel benutzte. Die feinen Strukturen schaffen Bewegung und Tiefe in das Bild und man versteht den Bezug zum Albumtitel „The Joy Of Motion“. Der Albumtitel ist sowohl optisch als auch akustisch Programm.

Bereits der erste Song „Ka$cade“ bewegt sich technisch auf höchstem Niveau und ist gespickt mit detailverliebten und harmonischen Gitarrenparts. Neu dazugekommen ist Matthew Garstka, welcher die Band fortan mit seinen hervorragenden Drumeinlagen unterstützen wird. „Air Chrysalis“, der dritte Song, klingt vom Namen her nicht nur schön, sondern hört sich genauso lieblich und verspielt an. Ganz unaufdringlich und mit einer erfrischenden Leichtigkeit führt die Band uns mit ihrer Musik durch eine Traumwelt.

Anschließend folgt „Another Year“, ein Song, den man irgendwie auch als Hintergrundmusik für einen Guten-Start-in-den-Morgen-TV-Spot nehmen könnte. Der Song beginnt mit einem angenehmen Gitarrenriff und wird von leichten Elektro-Elementen begleitet, ohne überladen zu wirken. Mindestens genauso zu erwähnen wie Tosin Abasi ist selbstverständlich auch Javier Reyes, welcher ganze Arbeit an der Rhythmusgitarre leistet.

„Physical Education“ – der Song endet genauso wie er auch beginnt, nämlich verdammt cool. Eine wirklich schöne Melodie zieht sich durch den Track, welche immer mal wieder durch die ruppigen, aber stets stimmigen Gitarrenriffs unterbrochen werden. Das Zusammenspiel der Instrumente ist wie gewohnt stimmig und äußerst präzise. Je öfter man die Songs hört, desto mehr Kleinigkeiten fallen einem auf. „Tooth And Claw“ verhält sich da wenig anders, was den Überraschungseffekt angeht. Ein Song, der nur vor Power strotzt und mit Breaks und dissonanten Rhythmen spielt und zu den härteren Songs des sonst sehr harmonischen Albums gehört.

Das ruhige „The Future That Awaited Me“ rundet die Scheibe noch mal etwas ab und sticht durch den fast schon experimentellen, post-rockigen Sound heraus. Der Wechsel zwischen einprägsamen und einfach wirkenden Melodien sowie den frickeligen Parts fällt der Band nicht schwer, sodass es einem auch nicht seltsam vorkommt, dass der Song relativ abrupt endet. Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommen von irgendwo Animals As Leaders her und verführen uns mit heißen spanischen Gitarrenklängen das Tanzbein zu schwingen, so geschehen bei „Para Mexer“: Der neunte Track des Albums hat einen loungigen-Sound und könnte auch im Fortgeschrittenen- und Profi-Salsa Kurs der Volkshochschule nebenan laufen.

Ein weiterer Höhepunkt der Platte trägt den Titel „Mind-Spun“. Dieser Song wirkt irgendwie total abgedreht und vereint einen bedrohlich wirkenden, immer wiederkehrenden Gitarrensound mit dissonanten, ruckartigen und schnellen Parts, die einen entweder verrückt machen werden oder einen beruhigen. Besonders bei diesem Stück fällt einem die absolute Präzision und Perfektion auf, hört vor allem aber die Leidenschaft der Musiker heraus.

Animals As Leaders haben sich mit ihrem dritten Album selbst übertroffen, keine Frage. Sie schaffen es, den Hörer durch das gesamte Album an sich zu binden. Wie gebannt folgt man jedem Takt, jedem Riff und jedem Tempowechsel ohne mit der Wimper zu zucken. Bei keinem der zwölf Tracks entsteht Langeweile, je öfter man sich den Songs hingibt, desto eher fallen einem neue Details auf, welche einem bei den ersten zehnmal Hören noch nicht aufgefallen sind. Alles in allem eine grandiose Scheibe, in welche man unbedingt einmal reinhören muss, auch wenn man nicht der größte Prog-, Jazz- oder Sonstwas-Kenner ist. Dieses Album ist einfach ein Erlebnis für sich und weckt Emotionen.

comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen