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Angra: Aqua

Vier Jahre Pause sorgten für das bisher beste Album der Band
Wertung: 8.5/10
Genre: Progressive Power Metal
Spielzeit: 49:39
Release: 27.09.2010
Label: Steamhammer / SPV

Angra melden sich nach gut vier Jahren zurück. Streitigkeiten mit dem Business haben wohl für eine deutliche Verzögerung gesorgt. Nun ist wieder alles im Reinen und das neue Werk erscheint als CD und als Doppel-Gatefold-Vinyl-Version mit drei zusätzlichen Bonustracks. Natürlich ist die Spannung da, wie sich die Band in der Zwischenzeit entwickelt hat, also hören wir mal rein.

„Viderunt Te Aquae“ ist lediglich ein symphonisches Intro mit Regen, Glocken und großem Chor, der dann unweigerlich in die erste Metal-Attacke namens „Arising Thunder“ endet. Es ist erst einmal wirklich erschreckend, denn das klingt wie Helloween in der Endphase mit Michael Kiske. Das will nur bedingt munden. Man zockt zwar kräftig und auf höchstem spielerischen Niveau, aber der Song klingt ein wenig zu abgehackt. Stakkato-Attacken donnern fast ständig durch die Lautsprechermembranen, wie die Tempowechsel klingt alles zwar für sich allein genommen wirklich gut, aber insgesamt wird der Song dadurch doch ein wenig zu sperrig.

„Awake From Darkness“ gefällt da deutlich besser. Das Schlagzeug treibt ordentlich und die Gitarren zeigen, was hohe Spielkunst ist. Trotz allem Rambazamba, das dort abgefeuert wird, entwickelt der Song doch eine sehr schöne Melodie, die hauptsächlich von Sänger Edu Falaschi getragen wird. Dann folgt das Break im Mittelteil: Das Klavier wird melancholisch von Streichern umwoben und man spürt eine gewisse Trauer, bis dann im Gitarrensolopart wieder kräftig die Spielkunst dargeboten wird - sehr starkes Arrangement.

„Lease Of Life“ zeigt anschließend auch wieder einmal die Vielfältigkeit der Band. Hier klingt man wie Dream Theater mit einem recht soften Song. James LaBrie sollte hier einmal hineinhören. Edu singt in diesem Song besser, viel wärmer und authentischer. Aber das ist natürlich Geschmacksache. Einfach wundervoll ist, wie der Song Wärme ins Herz transferiert. So darf das gerne weitergehen.

„The Rage Of The Waters“ lebt wieder deutlich stärker vom progressiven Power-Metal-Touch. Felipe Andreoli liefert ein wirklich tolles Bassspiel ab, welches aber ein wenig zu sehr im Hintergrund versteckt wird. Dafür darf Edu am Mikro wieder einmal brillieren. Ohne zu sehr in den hohen Tonlagen zu verweilen, singt er gefühlvoll und einfach nur wunderschön. Der Mittelteil bringt dann mehr Bass und ein wenig brasilianischen Einfluss zutage. Das ist sehr, sehr stark gemacht. Auch nach über zehn Durchläufen hört man immer noch Nuancen, die bisher nicht so in den Vordergrund getreten sind - ganz großes Ohrenkino.

„Spirit Of The Air“ ist ein ruhiger akustisch eingeleiteter Song mit Streicheruntermalung. Eine tolle melodische Nummer entwickelt sich mehr und mehr zu einem Ohrwurm. Die stromlosen Gitarren verzaubern die Gehörschnecke im Ohr des Hörers. Das Schlagzeug von Ricardo Confessori bildet den sehr gelungenen Grundtakt und darf trotzdem gerade zum Ende hin noch ein wenig dominanter wirken.

Jetzt wird es aber wieder Zeit für deutlich mehr Progressivität, denkt man und bekommt das mit dem leicht spacig angehauchten „Hollow“ wie gewünscht auch direkt präsentiert. Trotzdem lässt es sich die Band nicht nehmen, auch noch einen Chor, wie er fast schon in der Bandtradition verankert ist, zu integrieren. Zu hören ist ein Meisterwerk, welches aber auch fast alle Facetten von Angra aufzeigt, da es auch ruhigere Momente gibt. Der Refrain ist mehr als nur gefällig und stünde auch jeder Melodic-Metal-Band bestens zu Gesichte.

„Monster In Her Eyes“ ist der nächste Übersong. Man wird gefühlsmäßig hin- und hergeworfen in den einzelnen Passagen. Edu singt stellenweise fast schon wie ein vollständig relaxter Bruce Dickinson. Von Gefühlen getragen entwickelt sich der Song immer mehr. Angra haben schon viel hochwertiges Material veröffentlicht, aber hier übertreffen sie sich selbst. Unglaublich ist, mit welcher Selbstsicherheit die Band hier zugange ist.

„Weakness Of A Man“ klingt etwas brasilianischer. Das gesamte Konzept passt wie die Faust aufs Auge. Alle Musiker zeigen sich von ihrer besten Seite, ohne dass man den Eindruck hat, es würde weniger songdienlich gearbeitet und dem eigenen Egotrip gefrönt. Hier wirkt immer das Gesamtkunstwerk.

„Ashes“ darf das große Finale bestreiten: Klavier und unruhige Streicher begleiten Edu Falaschi zu Beginn, bis man zum Refrain mit der ganzen Band musiziert. Lediglich der danach folgende Part mit der weiblich klingenden Stimme will irgendwie nicht so recht passen. Über den Solopart verliert die Redaktion keine Worte mehr, denn Angra werden sich da wohl zu Lebzeiten keine Blöße mehr geben.

Fazit: „Aqua“ ist das bisher stärkste Album der Band. Deutlich vielseitiger als bisher zockt die Band auf höchstem spielerischen Niveau. Der Sinn für starke Arrangements und das Gespür für Melodien ist beachtlich. Auch wenn oben einige Vergleichsbands oder Musiker benannt wurden, so klingen die Stücke nie wie geklaut oder wie ein Ripp-Off. Angra zocken absolut eigenständig und die Vergleiche dienen lediglich zur Erklärung. Ein weiteres Plus ist, dass sich dieses Album durch seine spielerische Komplexität nicht oder nur sehr wenig abnutzt. Das sorgt für langen, wiederholten Hörgenuss - Daumen hoch für die fünf Brasilianer.

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