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Angelus Apatrida: Clockwork

Eine Abrissbirne mit Tradition in den Genen
Wertung: 9/10
Genre: Heavy Thrash Metal
Spielzeit: 51:47
Release: 21.06.2010
Label: Century Media

In Spanien macht man nicht nur Urlaub, sondern auch feinen Metal. Glaubt ihr nicht, dann hört doch beispielsweise in das neue Album von Angelus Apatrida rein. Nach zwei Alben, die auf einheimischen Labels veröffentlicht wurden, hat sich nun Century Media die Band geholt. Allein dies sollte schon ein Fingerzeig sein, dass es sich bei den vier Spaniern nicht um die Schlechtesten handelt, aber hören wir uns das Album doch mal genauer an.

„The Manhatten Project“ ist ein kleines Intro mit nervendem Uhrticken und starkem Gitarrengeplänkel, welches geschickt die Spannung anhebt, bevor es dann mit der Uptempo-Nummer „Blast Off“ richtig in die Vollen geht. Das hohe Tempo wird mit den teilweise an Dave Mustaine (Megadeth) erinnernden Vocals garniert. Der Schädel fliegt vor und zurück und das coole Riffing sorgt immer wieder mal für eine kleine Verschnaufpause, bei der auch der Bass von José L. Izquierdo für viel Freude sorgt, auch wenn er nicht extrem in den Vordergrund gemischt wurde.

„Of Men And Tyrants“ hält das Tempo ebenso hoch. Die Gitarrensalven schießen nur so aus den Lautsprechern. Hier werden keine Gefangenen genommen und man denkt in den schnelleren Teilstücken unwillkürlich an guten alten Speed Metal im modernen Gewand. Dazu der teilweise geschriene Gesang, der sich mit den oben erwähnten Parallelen abwechselt. Stark, wie Gittarist Guillermo Izqierdo seine Arbeit am Mikro verrichtet.

Der Titeltrack „Clockwork“ kann da nicht ganz mithalten, fällt aber auch nicht ins Mittelmaß ab. Nein, dafür sind Angelus Apartida viel zu heiß aufs Zocken. Die Spielfreude kann man gar nicht überhören, das ist aber bei dem hochwertigen Material, das die Band anzubieten vermag, auch nicht verwunderlich. Trotz allem eine wirklich starke Nummer, die durchaus für Nackenschmerzen sorgen kann.

„Devil Take The Hindmost” beginnt eher zögerlich, aber dennoch kräftig. Ein Break, Gitarre rechts und los geht`s für die komplette Gruppe. Mit ein wenig Groove gewürzt, hämmert sich die Band ins Gedächtniszentrum. Irgendwie könnte man meinen, einen Eintopf aus Destruction, Megadeth, uralten Anthrax, Annihilator und eventuell noch ein wenig Metal Church  zu kosten, das Ganze aber ohne dass man das Gefühl hat, dass hier allzu stark abgekupfert wurde.

„The Misanthropist“ sorgt dann wieder für reichlich Riffs im Gehörgang. Víctor Valera prügelt auf seine Felle ein und Gitarrist David G. Álvarez sorgt für genug Antrieb. „Legally Brainwashed“ drückt dann auch den letzten Metal-Fan in den Circle Pit. Das könnte live ein richtiger Kracher werden. Ohne Unterbrechung treibt die Band vor sich her und hinterlässt einen auf Höchsttemperatur arbeitenden Nacken.

Gerade bei „Get Out Of My Way“ kommt dann auch mal die gute alte Anthrax-Schule stärker zum Vorschein, gewürzt mit harten Megadeth-Vibes lässt es die Band mächtig krachen. Wären die einzelnen Instrumente noch ein wenig transparenter und differenzierter im Sound eingebettet, käme der hohe technische Standard der Band deutlich besser zur Geltung und würde für noch einen Tick mehr Freude sorgen. Aber davon hat der Hörer eh schon einige.

„My Insanity“ nimmt dann das Tempo etwas raus und sorgt für ein wenig Erholung für den schon arg geforderten Körper. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb kann der Track nicht hundertprozentig punkten. Das Schleppende will man nicht unbedingt hören, wenn man weiß, wie die Band abgehen kann. Aber eigentlich ist es allein schon das hervorragende Solo wert, als Anspieltipp durchzugehen. Aber bei dem hohen Standard, den die Band hier vorlegt, muss auch dieser Song knapp an der Hürde auf hohem Niveau scheitern.

„One Side One War“ explodiert zu Beginn förmlich, bevor es dann im Riffgewitter mit einigem Groove vor sich hin galoppiert. Das macht richtig Spaß. Dazu dann ein paar Pantera- oder auch Slayer-artige Teilstücke und ein weiterer Hammersong ist vollendet. Einfach nur stark, was da unter der Sonne Spaniens kreiert wurde. Im September kommt die Band auf Deutschlandtournee, das wird wohl ein Freudenfest für die Headbangerfraktion.

Und anstatt sich nach zehn Songs und gut 40 Minuten zu verabschieden, prügelt die Band dann noch „Into The Storm“ durch die Lautsprechermembranen. Uptempo bis zum Abwinkeln. Jawohl, und weil es so schön ist, zoomt sich danach noch der letzte eigenen Song „National Disgrace“ langsam in den Vordergrund. Ein weiteres, vom Groove dominiertes kleines Juwel.

Wer mal hören möchte, wie Iron Maiden im Thrash-Gewand klingen, der sollte sich unbedingt mal diese Version von „Be Quick Or Be Dead“ anhören. Schade, dass hier der Gesang nicht ebenso prägend wirkt wie beim Original. Starke Nummer, die gerade live bei einem schwierigen Publikum kräftig für Stimmung sorgen sollte.

Fazit: Hier kommt eine richtige Hoffnung aus dem Urlaubsland Spanien. Viel Tradition wird hier vereint und zu einer eigenen Abrissbirne umgeformt. Das tritt kräftig in den Popo und sorgt für Schmerzen in der Nackenmuskulatur. Daumen kräftig hoch für Angelus Apatrida.

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