Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Angels And Enemies: GTTKMPLX

Ein starkes und innovatives Debüt
Wertung: 9/10
Genre: Metalcore
Spielzeit: 47:51
Release: 11.06.2010
Label: Apollon Records

Seit 2007 machen sie in diesem Lineup Musik, die Fünf von Angels And Enemies. Bereits zwei Kurzspieler hat die Band rausgehauen und nun machen sie ordentlich Alarm mit ihrem ersten Langspieler „GTTKMPLX“.

Die Bandbiographie kennt nur nüchterne Fakten: Vier Jungs, ein Mädel die einfach Musik machen wollen. „Wählt eure eigene Schublade, in die ihr uns packen wollt, das tut ihr sowieso.“ Dieses Denken ist besonders in den Core-Bereichen weitverbreitet und wie die Band bereits richtig schreibt, kommt man nur schwer daran vorbei, Musik in Stilen zu gruppieren. Doch Metalcore zusammen mit Parts, die dem symphonischen Black Metal zu entspringen scheinen und einer Prise Death Metal ist tatsächlich neu. Eine klasse Kombination!

Die Platte ist komplett in Deutsch gesungen und beginnt mit dem Titel „Harlekin“.Zunächst überraschen die angesprochenen Black-Metal-Klänge, dann findet man sich mit den Shouts und den melodischen Riffs schnell im Metalcore wieder. Gut gelungen sind die schnellen und sauber eingespielten Gitarrenläufe, die keinesfalls stören, sondern den Song im Gegenteil sogar auffrischen. Auch der Breakdown überzeugt durch Kreativität. So wird untypischerweise der Bass durchgespielt, während Gitarren rhythmisch schweigen. Der Solopart der Gitarre wirkt auf keinen Fall aufgesetzt, er gliedert sich perfekt in den Song ein. Das Zusammenspiel der Melodie-Fraktion, des Gesangs und die immer wiederkehrenden Blasts lassen das Stück zu einem echten Genickbrecher werden.

Überhaupt scheint die ganze Scheibe voll mit solchen halsbrecherichen Songs zu sein. Direkt der zweite Track „Herbst“ schließt nahtlos an das treibende Gefühl von „Harlekin“ an. Im Prinzip der typische Metalcore-Song mit den bereits angesprochenen Black-Metal-Einflüssen, die hier aber nicht so stark heraus kommen. Sehr innovativ ist hier ein Part, in der das Tempo mehrmals hintereinander drastisch gesenkt wird, um wenige Sekunden danach hart-fröhlich weiterzumachen. Der folgende Chorus veranlasst nicht nur zum Pogen. Dieser Song wird dem Publikum live nicht nur im Genick Schmerzen bereiten.

Die vierte Nummer, „Augenblicke“, geht langsamer los. Melodische Klänge, die zum Schwelgen anregen, dringen in den Gehörgang. Wunderschöne Riffs gepaart mit harten Shouts. Dann ein härterer und schnellerer Part, der kurz deplatziert scheint, bis hin zum Anfangsriff. Genau das Richtige für Leute, die gerade nicht so gut drauf sind und das einfach mal rauslassen wollen. Krass allerdings klingt die Bridge: Die disharmonischen Sweeps passen überhaupt nicht zu dem Vorhergehörten. Es ist schwer, sich daran zu gewöhnen. Eine technische Raffinesse, die man hätte besser platzieren können. Der darauffolgende Breakdown führt den Hörer zurück in das bekannte Songschema. Als dann wieder der Chorus erklingt, ist es wie ein Befreiungsschlag, den man am liebsten wortwörtlich selbst ausführen möchte. Auch das Ende ist sehr gelungen, zunächst noch langsam, wird es dann schneller und endet mit sechs abgestoppten Akkorden und letzten Worten von Sänger Marc.

Die Kombo hat sich ganz offensichtlich beim Zusammenstellen der Songs etwas gedacht. Zunächst die harten und - wenn man es so nennen will - fröhlicheren Sachen, dann wird es etwas nachdenklicher und trauriger. Im Anschluss finden wir uns bei „Im Herzen Den Bringer Des Lichts“ wieder. Zunächst tottraurig mit Effektgitarre beginnend, passend zum vorherigen „Augenblicke“, gibt es dann gleich auf die Fresse, als ein typisches Headbangriff auf uns wartet. Danach wiederholt sich das bekannte Riff vom Beginn, dieses Mal aber mit Blasts unterlegt und ein wenig abgeändert. Dies ist auch das erste Lied bei dem kurz ein paar clean gesprochene Worte fallen - eine Ausnahme, denn hier versteht man wirklich, dass die Songs auf Deutsch sind. Bassist Joschka konnte nun auch zeigen was er kann. Ein zwischengespielter schneller Basslauf fräst sich in die Gehörgänge. Absolut unerwartet aber absolut cool. Ein schmerzlich wirkender Song, der jedem Menschen mit Gefühlen in jedem Fall Futter für die Seele gibt.

Beim achten Titel, „Ad Fontes“, gibt es eine kurze Verschnaufpause. Ein Song ohne Stimme. Die Gitarren mit Effekten und wunderbar klingendem Hall versehen. Wie ein Blick aufs Schlachtfeld, nachdem der Kampf beendet wurde. Nachdenklich, traurig und doch Hoffnung gebend. Mutig, so etwas unter zu bringen. Meiner Meinung nach Mut, der belohnt werden sollte.

Und dann kommt er doch, der Song in dem tatsächlich, entgegen der bisherigen Erwartungen, Clean-Gesang auftaucht. In „Vollendet“, dem neunten Song auf dem Album. Zunächst beginnt er schön disharmonisch und dann geht er eindrucksvoll melodisch-hart weiter. Der Chorus ist unglaublich gut gelungen. Bis zu diesem Punkt hätte man dem Jungen nicht zugetraut, dass er ordentlich sauber singen kann, aber er kann es. Dieser Track hat einfach alles, was einen guten Song ausmacht. Härte, Vorwärtstreiben, Zeit zum Schwelgen, Zeit um alles rauszulassen und Parts zum Bangen. Unglaublich – und auf jeden Fall ein Anspieltipp.

Der Gesang beschränkt sich fast ausschließlich auf Shouts. Das passt aber optimal zum Gesamtkonzept. Schade ist, dass die deutsche Sprache aufgrund der Shouts kaum zu verstehen ist. Wenn man allerdings die Texte dazu doch liest, wird man noch mehr das Gefühl spüren, das Angels And Enemies sehr gut untergebracht haben. Wer hier einen Abklatsch von Narziss oder Callejon erwartet, wird absolut enttäuscht. Wer aber Bock auf abwechslungsreichen und etwas anderen Metalcore hat, mit ordentlich Gefühl in einer harten Verpackung, der kommt hier voll auf seine Kosten. Man muss sich erst darauf einlassen, aber letztendlich ist „GTTKMPLX“ ein geniales Album, auf das Malong (Schlagzeug), Stephie (Gitarre), Joschka (Bass), Marc (Gesang) und Dirk (Gitarre) stolz sein können. Ich freue mich jetzt schon auf die kommenden Scheiben!

comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna