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Angelika Express: Alkohol

Ohne Alkohol wird's schwierig
Wertung: 4/10
Genre: Punkrock
Spielzeit: 33:50
Release: 11.11.2016
Label: Unter Schafen Records

Die aktuelle Platte von Angelika Express ist schwer gewöhnungsbedürftig. Damit wäre eigentlich schon alles gesagt, Ein-Zeilen-Reviews sind aber insgesamt eher ungern gesehen, also muss das hier noch ausgeführt werden:

Beim Titel „Alkohol“ kommt einem schon ein bisschen Banalität inklusive dem letzten Drink zu viel die Kehle hoch, herausgebracht wurde das Dingen noch dazu am 11. November letzten Jahres, jetzt kann man sich nach zweimaligem Hören auch bereits vorstellen, warum das gute Stück so lange auf der Festplatte vor sich hin gegammelt hat. Belanglose Bands wie Revolverheld will die Truppe in den Untergrund und zur Untätigkeit verbannen, gleichzeitig kann man sich aber gut vorstellen, wie dieselben Studenten, die besagte Truppe gut finden, zu Angelika Express abhotten, möglicherweise weil diese so herrlich „subversiv“ daherkommen. Dabei klingt Sänger Robert Drakogiannakis seltsamerweise so wie 90 Prozent aller Sänger, die sich deutscher Texte bedienen.

Zugute halten muss man der eigentlich recht sympathisch wirkenden Truppe, dass auf „Alkohol“ wenige bis gar keine Plattitütden verwurstet werden, die einem zum Thema des Albums ja zur Genüge einfallen würden. Stattdessen beglücken uns die Fünf mit Perlen wie „Menschen brauchen Alkohol, das macht lustig und frivol […]/Menschen sind durch Alkohol innen voll und außen hohl“ – wahrscheinlich die Liedzeile des letzten Jahres, mehr Wahrheit bekommt man auch mit Gewalt nicht in einen einzelnen Satz. Zudem kann hier das Gitarrenriff überzeugen – ein bisschen im Schunkelrhythmus gehalten, nur mit Punkgarnitur.

Das war’s dann aber auch schon beinah mit den Lichtblicken, wie nebenbei schütteln Angelika Express bodenplatte Titel wie „Hang Over Annelore“ oder „Flachmann im Büro“ aus dem Ärmel, da freut man sich noch über den recht sonnigen Ohrwurm „Kohle für Cocktails“. Und das ist das genau das Fatale an den Songs: Sie bleiben eine ganze Weile im Ohr. Da hilft nur bösester Grindcore als Antidote, sonst kriegt man Zeilen wie „Außerdem hätt‘ ich gerne mehr Kohle für Cocktails“ inklusive leicht nöligem Tonfall gar nicht mehr aus dem Hirn.

Überraschend kann „Weiche Bombe“ gegen Ende der Platte nochmal die letzten Kräfte mobilisieren und mit ordentlich noisigem Unterton überzeugen (und das Wort „weich“ ist einfach super), zu mehr reicht es dann zumindest im stocknüchternen Zustand aber wirklich nicht. „Alkohol“ hat auf ganzer Länge den Effekt, dass man sich mit der Hand ins Gesicht packt, sämtlichen Alkohol aufgrund möglicher Plattitüden-Ansteckungsgefahr schnell aus dem Haus verbannt und in den Rinnstein kippt und sich hektisch im heimischen Plattenregal nach etwas umsieht, das diese bekloppten Ohrwürmer wieder aus dem Hirn zieht. Es mag ja Menschen geben, die sich dem deutschprachigen Punkrock mit Herz und Seele hinzugeben vermögen, als Nicht-Kölner, Nicht-Karnevalsfreund und Nicht-Student (zusätzlich noch mit einer Hassliebe gegen deutsche Texte) hat man hier aber wenig Spaß.

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