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Andi Deris And The Bad Bankers: Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads

Guter dritter Deris'scher Soloausflug
Wertung: 8/10
Genre: Hard Rock
Spielzeit: 43:53
Release: 22.11.2013
Label: earMUSIC/ Edel

2013 scheint ein gutes Jahr für alle Helloween-Fans zu sein, denn Anfang des Jahres warfen die Kürbisköpfe mit "Straight Out Of Hell" bereits eine neue Full-Length-Scheibe auf den Markt, und nun legt eines der Bandmitglieder solo noch nach: Schon 1997 und 1999 hatte Frontmann Andi Deris mit "Come In From The Rain" bzw. "Done By Mirrors" zwei Soloalben abseits seiner Hauptband veröffentlicht, nun - nach bescheidenen 14 Jahren Pause in dieser Hinsicht - kommt der gebürtige Karlsruher endlich mit seinem dritten Alleingang um die Ecke. Wobei "Million Dollar Haircuts On Ten Cent Heads" laut dem Sänger eigentlich gar nicht wirklich als reines Soloalbum betrachtet werden soll, auch wenn Deris für das gesamte Songwriting verantwortlich zeichnet, sondern eher als Bandalbum, wie auch der quasi Doppelname des Projekts Andi Deris And The Bad Bankers impliziert.

Dass es in der Welt genügend Dinge gibt, über die man sich aufregen kann und die einen sprachlos, traurig oder entsetzt zurück lassen, erkennt jeder, der auch nur die Nachrichten einschaltet. Unter anderem kocht ja immer wieder die Debatte um Managergehälter hoch und die sagenhafte Dreistigkeit, mit der Banken zum Teil Steuern hinterziehen und Geld unterschlagen. Dem Thema Banken und Manager widmen sich Andi Deris und seine Sidekicks auf vorliegendem Album, wie der Bandname und auch der clevere, durchaus zum Schmunzeln anregende Albumtitel suggerieren.

Entsprechend angepisst, wie man von diesen selbstherrlichen Nimmersatten sein muss, hört sich teilweise auch die Musik auf der CD an. Die Produktion wird im Promoschreiben als "rotzig, dreckig und brutal ehrlich" beschrieben, und das kann man natürlich so sehen, andere werden den Sound als eher unausgegoren kritisieren. Sei es wie es will, die Kompositionen selbst sind eher im Hard-Rock- als im Metalbereich angesiedelt, und auch wenn es sicherlich die eine oder andere Gesangslinie gibt, die auch auf einer Helloween-Scheibe stehen könnte, hat die Platte bis auf die Tatsache, dass man auch hier dezente, wohl dosierte Keyboards als Mittel für mehr Abwechslung oder Atmosphäre nutzt, wenig mit Helloween gemein - die Songs kommen wesentlich schneller auf den Punkt und Doppelgitarrensoli oder ähnliche Kürbiskopf-Trademarks sind nicht zu finden.

Aber es wäre ja eh relativ sinnlos, ein Soloalbum aufzunehmen, bei dem man genau dasselbe macht wie bei seiner Hauptband; wie auch dort beweist Deris allerdings einmal mehr sein Talent als ausgezeichneter und vielseitiger Songschreiber mit Händchen für eingängige Melodien und Riffs: "Cock" ist ein Opener nach Maß, der gleich zeigt, wo musikalisch der Hammer hängt und wie angepisst man von jenem oben erwähnten selbstherrlichen Schlag Mensch ist. In diese Kategorie fällt auch "Banker's Delight (DOA)", das mit einem harschen  Bending-Riff aufwartet und somit ein wenig an Ozzy Osbournes "Gets Me Through" erinnert.

Sehr stark ausgefallen sind auch das mit luftigen Akustikgitarren in der Strophe und härterem, Mitsing-kompatiblem Refrain versehene "Blind", das bedächtig aufgebaute "Who Am I", bei dem in der Mitte sehr cool das Tempo angezogen wird, oder auch das in der Strophe schleppende, mit tollem Breitwand-Chorus ausgestattete "Must Be Dreaming". Erstaunlicherweise kommt jedoch das gesamte Album ohne wirklichen Ausfall daher: Selbst die etwas poppigeren, mainstreamigeren Nummern mit etwas fröhlicheren Melodien wie "Don't Listen To The Radio (TWOTW 1938)" und "Enamoria 1.8" sind zumindest nicht unbrauchbar. Und der ruhige Ausklang in Form des zweieinhalb Minuten kurzen "I Sing Myself Away" darf ebenfalls gelungen genannt werden.

Da das songschreiberische Niveau gegenüber dem letzten Helloween-Album qualitativ klar ausgewogener ist, sollte man dort vielleicht die Überlegung anstellen, nur noch Deris schreiben zu lassen, da er sowieso meist die stärksten Songs in petto hatte. Seine Stimme steht in den Stücken auf "Ten Million Dollar Haircuts..." deutlicher im Vordergrund als bei Weikath und Co., was beim Soloalbum eines Sängers natürlich Sinn macht und in den simpleren Strukturen der Songs begründet liegt. So oder so: "Straight Out Of Hell" steckt vorliegender Silberling locker in die Tasche, Fans können problemlos zugreifen.

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