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... And You Will Know Us By The Trail Of Dead: Tao Of The Dead

Man kann nur noch staunen
Wertung: 9/10
Genre: Indie Rock, Progressive Rock, Experimental
Spielzeit: 52:21
Release: 04.02.2011
Label: Superball Music

… And You Will Know Us By The Trail Of Dead sind nicht nur eine Band, die Wert auf einen überlangen Namen legt, sondern die sich außerdem nicht jedem auf den ersten Blick erschließt. Manche verstehen die experimentelle Mischung aus Indie Rock, Psychedelic-Sounds, Stoner Rock, Garagenrock und Gott weiß, was noch alles, ihr ganzes Leben lang nicht. Allein deswegen ist es immer ein Ereignis, wenn die Amis, die seit 1994 ihre krude Rock-Mischung in der Weltgeschichte verteilen, eine neue Scheibe herausbringen.

Im Falle des siebten Albums „Tao Of The Dead“ handelt es sich eigentlich sogar um zwei Scheiben. Beziffert mit den Buchstaben A bis K (zusätzlich zum eigentlichen Titel) sind die Tracks der „richtigen“ Platte – danach folgt ein 16-minütiger Song mit dem schönen Namen „Tao Of The Dead Part Two: Strange News From Another Planet“, das aus fünf Songs besteht, die eigentlich vorneweg als EP-Appetizer hätten veröffentlicht werden sollen. … AYWKUBTTOD wären aber nicht … AYWKUBTTOD (allein das Ausschreiben des Kürzels verursacht schon leicht nervöse Zuckungen im Auge), wenn sie sich das Leben so einfach machen würden – kurzerhand wurde alles auf einer Platte zusammengepresst. Ökonomisch wenig effizient für das Label, aber dafür Fan-freundlich, weil man nur für eine statt zwei Platten blechen muss.


Die Tracks einzeln zu betrachten, grenzt fast schon an chirurgische Präzisionsarbeit – ständig taucht irgendwo wieder ein Gitarrenriff, eine hintergründig gehaltene Gesangsspur oder, wie im Falle von „Cover The Days Like A Tidal Wave“, ein Tambourin auf, so dass man nach kurzer Zeit kaum noch weiß, wo einem der Kopf steht. Besagtes Schelleninstrument wird begleitet von wahnsinnig wabernden Gitarrensounds, die psychedelischer kaum sein könnten. Auf die durchaus berechtigte Frage, wie das denn vier Musiker alles bewerkstelligen (denn der Track ist bei weitem nicht der komplexeste der Langrille), lautet die Antwort ganz einfach: Multitasking. Im Klartext heißt das: Jamie Miller teilt sich mit Jason Reece Drums und Gitarre, letzterer übernimmt dafür noch einen Teil der Vocals, ebenso wie Bassist Autry Fulbright III. Sänger Conrad Keely gibt sich natürlich nicht mit schnödem Singen allein zufrieden – auch er vergnügt sich neben Gitarre und Schlagwerk noch an einem Piano. Wahrscheinlich spielt der Mann gleichzeitig auch noch Tambourin, Triangel und Flöte und schreibt aus dem Handgelenk das nächste Album der Band.

Versuchen wir uns im Soundkosmos der Texaner zurechtzufinden: Allein im folgerichtig „Introduction: Let’s Experiment“ betitelten, gerade mal zweieinhalbminütigen Instrumental-Intro passiert schon mehr als bei manch anderer Band auf einem ganzen Album. Fast Disney-mäßige Orgeltöne wechseln sich ab mit Beckenschlägen und fließenden Gitarrenspuren, das Ganze geht nahtlos über in den ersten Anspieltipp „Pure Radio Cosplay“: Der Song orientiert sich zuerst am Siebziger-Jahre-Psychedelic-Rock, bis die sehr tanzbaren Gitarren von Garagen-Rock-Vocals abgelöst werden. Ein fast fröhlicher Song wie das träumerische „The Wasteland“ will da so gar nicht ins Bild passen, aber wo dieser Kontrast bei anderen Bands wirr wirkt, unterstreicht er hier einfach nur die Vielfältigkeit von … And You Will Know Us.

Völlig aus dem Rahmen fällt dann irgendwie „Ebb Away“ – zumindest, was die Stimmung angeht. Musikalisch wird hier etwas steiniger Indie Rock gezockt, die leicht bedrückende Atmosphäre und die grandiose Gesangsleistung lassen aber automatisch aufhorchen, obwohl der Song nicht so unheimlich außergewöhnlich daherkommt.

Nachdem wir uns über das völlig hysterische Instrumental „The Fairlight Pendant“ gewundert haben, das quasi als Rausschmeißer von „Tao Of The Dead Part One“ fungiert, geht’s an das über 16 Minuten lange angehängte EP-Stück. Die Stimmung schwingt direkt ein bisschen um, der Sound geht etwas mehr in die untere Magengegend, der Gesang ist etwas weiter in den Hintergrund gemischt.

Die EP gestaltet sich letztendlich ähnlich chaotisch – oder nennen wir es lieber komplex – wie das völlig überfüllte Cover: Von psychedelischen Gitarrenausbrüchen zu dramatischem Drumming rutschen die Herren immer wieder in einen dreckigen Sound ab, der so vor ein paar Jahren bestimmt in einigen Garagen enstanden ist. Gleichzeitig schafft es die Band, innerhalb einer Viertelstunde ein Potpourri an Gefühlen zu erzeugen, das man so schnell gar nicht erfassen kann – von taumelig-glückseligem Geschredder über fast hüpfende Gitarren bis hin zu melancholischen Soundteppichen beinhaltet „Tao Of The Dead Part Two“ alles, was man sich nur vorstellen kann. Ab der elften Minute wird’s noch mal regelrecht dramatisch, bis der Gesang schließlich einsetzt und man ganz stark an eine Mischung aus Led Zeppelin und The Doors erinnert wird. Normalerweise halte ich persönlich wenig von solchem Soundgefrickel, aber was die Texaner hier fabrizieren, macht einfach nur sprachlos.

Gewaltige Sounds waren ja schon immer eine Spezialität des Quartetts, und „Tao Of The Dead“ zeigt das wieder mal mehr als deutlich. Selten klang eine derartig vielseitige Mischung aus unterschiedlichen Rock-Genres so homogen, so mitreißend, so bunt und gleichzeitig deprimierend. Wahrscheinlich könnte man sich nach tagelangem Hören der Platte immer noch über den Sound wundern und sich vor lauter sabbernder Begeisterung zur Höchstpunktzahl hinreißen lassen – vorerst gibt’s neun Punkte für eine der besten experimentellen Rockbands unserer Zeit.

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