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Anathema: Weather Systems

Logische Weiterentwicklung
Wertung: 9/10
Genre: Alternative/Progressive Rock
Spielzeit: 55:46
Release: 20.04.2012
Label: KScope

Die unaffektierte Art, wie Anathema sich von einer Doom-Death-Band zu einer melancholischen Alternativ-Rockgruppe gewandelt haben, ist nach wie vor bemerkenswert. Mit Metal haben sie schon lange nichts mehr am Hut, aber von „Verrat“ zu sprechen (dieses Wort haben manche Leute in der Szene ja schnell auf den Lippen), verbietet sich strengstens. Zu sehr geht die emotionale Musik der Liverpooler unter die Haut, und von etwaigem Schielen in Richtung Mainstream konnte auch nie die Rede sein, denn diese Kapelle besteht aus Visionären, die stets einzigartige Klangcollagen gezaubert haben und denen es wichtiger ist, ihre musikalischen Ideen genauso wie sie es sich vorgestellt haben, in die Tat umzusetzen als kommerzielle Erfolge einzufahren.
 
Beim neuen Album „Weather Systems“ liegt deutlicher als je zuvor eine große musikalische Vision zugrunde; nach dem im letzten Jahr veröffentlichten „Falling Deeper“, auf dem alte Stücke im Orchestergewand dargeboten worden, hat man konsequenterweise nun auch bei den neuen Songs klassische Elemente integriert – die Briten agieren so symphonisch und bombastisch wie nie zuvor. Dass sich fast alle Songs vom Aufbau ähneln, indem sie ruhig beginnen und sich mittels gewaltiger, teilweise dramatischer Crescendi steigern (eine Tatsache, die bereits nach einem Durchlauf auffällt), überrascht gar nicht mal so sehr; angesichts des hohen Bombastlevels ist das irgendwie schon ein nachvollziehbares Kompositionsmuster.

An den songschreiberisch ähnlichen Strukturen mag sich der ein oder andere stören und benötigt daher möglicherweise etwas mehr Anlaufzeit – an der Makellosigkeit der Kompositionen als solche ändert dies aber nichts. Denn obwohl das Album wie ein großes Ganzes wirkt, da alle Songs mehr oder weniger ineinander übergehen, ist es der Band gelungen, sich einmal mehr einige tolle Melodien mit hohem Wiedererkennungswert und vor allem von unglaublicher Schönheit aus dem Ärmel zu schütteln. Gänsehaut-Wundertüten à la „Untouchable Part 2“, „Lightning Song“ oder „Sunlight“ sind dermaßen ergreifend (überragende Gesangsleistungen von Vincent Cavanagh und Lee Douglas) und zum Heulen traumhaft, dass man schon ein Herz aus Stein haben muss, um da nicht emotional berührt zu werden.

Auch der mitreißende Opener „Untouchable Part 1“, eingeleitet von einer für Danny Cavanagh typischen, luftigen Tonfolge auf der Akustikgitarre, bietet einen großartigen, pompösen Refrain und das fabelhafte, die Scheibe beschließende „Internal Landscapes“, bei dem man wegen des Sprechers am Anfang und am Ende an Porcupine Trees „Voyage 34“ denken muss, ist sowohl spacig-gechillt als auch episch geraten. Ein absolutes Highlight bildet auch „The Storm Before The Calm“, mit über neun Minuten längster Track der Platte: Dank der deutlich düstereren Stimmung im ersten Abschnitt fällt der Song etwas aus dem Rahmen, um nach einem ruhigeren Mittelteil mit einem geradezu majestätisch klingenden Finale aufzuwarten.

Glücklicherweise ist das Konzept mit den aufwendigen Arrangements voll aufgegangen und beeindruckt, auch wenn man, bedenkt man das musikalische Können dieser Band, kaum befürchten musste, dass sich Anathema in überladenen, übers Ziel hinausschießenden Kompositionen verzetteln würden. Jede Gesangsharmonie, jeder Streicher, jede Klavierstimme sitzt genau an der richtigen Stelle, Produktion und Mix sind exzellent – aber wie erwähnt, wir reden hier von Visionären, die genau wissen, was sie tun. Die 2010er Scheibe „We’re Here Because We’re Here“ war, nachdem die Fans sieben Jahre auf ein neues reguläres Studioalbum hatten warten müssen, ein großartiges Comeback (trotz vereinzelter Querulanten, die über eine angeblich zu esoterische und zu seichte Schlagseite murrten), doch „Weather Systems“ bewegt sich problemlos auf demselben Niveau – und ist noch dazu die logische musikalische Weiterentwicklung. Sowohl für sonnige als auch regnerische Tage empfehlenswert.

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