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Anathema: Distant Satellites

Kann nicht so ganz überzeugen
Wertung: 7/10
Genre: Alternative/ Progressive Rock
Spielzeit: 56:50
Release: 06.06.2014
Label: KScope

Noch bevor die meisten Leute es gehört haben, hat das neue Anathema-Album bereits kräftig Vorschusslorbeeren eingeheimst: Überschwänglich ist von Promoseite die Rede von einer Scheibe, die „mit Sicherheit als ihr bis dato bestes Album angesehen wird“ und auch die Band selbst bezeichnet das Werk als „die Krönung von all dem, was wir auf unserem musikalischen Weg bisher kreiert haben“. Klar, dass die Erwartungshaltung gerade für einen glühenden Fan wie den Verfasser dieser Zeilen da ins Unermessliche steigt und man sich schon fast sicher ist, dass hier dann wohl tatsächlich mal wieder ein Zehner fällig ist.

Umso bedauerlicher, wenn man die Begeisterung anschließend nicht so ganz teilen kann. Die beiden letzten Platten „We’re Here Because We’re Here“ (2010) und „Weather Systems“ (2012), die ersten Studio-Outputs nach längerer Pause, waren definitiv sehr stark, wobei bei letzterem recht auffällig fast alle Songs ruhig begannen, um sich nach und nach immer mehr zu steigern. Exakt dieser Kurs wird auf „Distant Satellites“ fortgeführt, was schon die Struktur des Tracklistings andeutet: Wie beim Vorgänger mit den beiden „Untouchable“-Parts zu Beginn, startet auch die neue Scheibe mit einem geteilten Stück, wobei hier später sogar noch ein dritter Teil hinzukommt.

„The Lost Song“ greift dabei all jene Elemente auf, die Anathema in der letzten Zeit ausgemacht haben: Emotionaler Wechselgesang von Vincent Cavanagh und Lee Douglas, orchestrale, schwelgerische Breitwand-Sounds, viel Pathos und eine esoterisch angehauchte Atmosphäre. Natürlich ist das hervorragend gemacht, absolut professionell in Szene gesetzt und exzellent produziert – die Band besteht schließlich aus erfahrenen und sehr guten Musikern –, und wer noch nie zuvor ein Album der Engländer gehört hat, muss davon beeindruckt sein, dennoch bleibt für einen langjährigen Fan ein leicht schaler Beigeschmack.

Denn obwohl sich (da kann es keinen Zweifel geben) einige wahrhaft große Melodien im Laufe der CD herauskristallisieren („The Lost Song Part 1“, „Anathema“ und vor allem das fabelhafte „Ariel“), wirkt der ewig gleiche Aufbau irgendwann etwas ermüdend. Die Frage muss erlaubt sein, ob das wirklich jedes Mal sein muss, auch wenn die Band diese Frage sicherlich damit abtun würde, dass man einen Song eben nur so gestalten kann, wie er gerade kommt und nichts erzwingen könne.

Gegen Ende des Albums erfolgt dann ein leichter Cut, der ebenfalls etwas gewöhnungsbedürftig erscheint. Schon mit „The Storm Before The Calm“ auf „Weather Systems“ hatten einige wegen der plötzlich einsetzenden Electro-Einflüsse ihre Schwierigkeiten und dieser Fraktion wird es mit „You’re Not Alone“ nicht unbedingt leichter gemacht. Dies ist neben dem finalen „Take Shelter“ einer von zwei Tracks, die Prog-Genius Steven Wilson gemixt hat (und gesanglich tritt er eindeutig hörbar ebenfalls in Erscheinung) und wenn auch für sich qualitativ gut, will er irgendwie nicht wirklich in den Gesamtkontext passen.

Auch der achtminütige Titeltrack tendiert in diese Richtung, wabernde Synthesizer und eine Drum-Machine lassen das Ganze sehr sphärisch erscheinen, allerdings sind die von Vinny dargebotenen Gesangsmelodien schlichtweg traumhaft. Das ist es eben auch, was bei dieser Formation nach wie vor Bewunderung hervorruft und „Distant Satellites“ davor bewahrt, eine totale Enttäuschung zu werden: Dieses Gespür für warme, zu Herzen gehende, melancholische und gleichzeitig zuckersüße Gesangsmelodien. Trotzdem sollten die Liverpooler zusehen, sich nicht zu sehr festzufahren und beim Songwriting auch mal neue Wege zu gehen. Außerdem sind Textzeilen à la „staring at the sun, love’s so strong it hurts“ schon sehr nahe daran, die Grenze zum Kitsch zu überschreiten (wenn nicht schon geschehen).

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann