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An Early Cascade: Versus

Verliebt ins Chaos
Wertung: 7.5/10
Genre: Post-Hardcore, Alternative Rock
Spielzeit: 51:09
Release: 30.09.2011
Label: Midsummer Records

An An Early Cascade scheiden sich offensichtlich die Geister. Das war mir so gar nicht klar, als die neue Scheibe auf dem Schreibtisch landete, aber ein kurzer Blick in den Review-Speicher des weltweiten Web zeigt: Die Stuttgarter mag beileibe nicht jeder. Selbst das The-Pit.de-Archiv hat hier Groteskes zu bieten: Die damalige Kollegin kloppte dem Vorgängeralbum „Your Hammer To My Enemy“ doch glatt die Drei-Punkte-Plakette auf die Stirn, nannte den Post-Hardcore-Sound der Truppe „zerfahren“ – die Schreiberin dieser Zeilen, die die CD erbte, ließ sie schlussendlich auf Dauerrotation - ein perfekter Beweis dafür, wie sehr sich Meinungen doch unterscheiden können.

Und gleichzeitig ist es eine Blaupause für die Ambiguität der Truppe. Chaotisch, zerfahren, schwer fassbar, das sind AEC definitiv, insofern hat die damalige grottige Bewertung also natürlich durchaus ihre Daseinsberechtigung. Andererseits strotzt der Fünfer scheinbar nur so vor Kreativität, Spielspaß und dem Ansinnen, sämtliche Metallerohren von Anfang bis Ende zu verwirren. Zumindest macht der Nachfolger, das vorliegende „Versus“, ganz den Anschein, als wollte man hier die Genregrenzen mal wieder sprengen. Dass mit Maik Czymara ein äußerst fähiger Sänger in vorderster Reihe steht, muss nicht extra erwähnt werden – dass die Band sich im Gegensatz zum vorherigen Schaffen laut Label aber stark gewandelt haben soll, ist einen Nebensatz wert.

Nach einer solchen Vorwarnung lauscht man „Versus“ natürlich mit einer gewissen Skepsis. Bereits nach der Hälfte der Scheibe kann man den Sound der Truppe in etwa einordnen: ein Fundament aus Post-Hardcore, dazu Alternative Rock im Stil von beispielsweise den Deftones (vor allem die Gitarrenarbeit erinnert streckenweise stark an die Amis), aber auch Parallelen zu älteren Emil Bulls-Werken blitzen mehr als offensichtlich durch den recht noisig gehaltenen Soundteppich. Bestes Beispiel für besagten Teppich ist das Instrumental „In Between Mountains“, das zwar nicht übermäßig aggressiv daherkommt, aber eine derart unruhige Stimmung verbreitet, dass man nicht so recht weiß, ob man weiterskippen oder den Track noch mal von vorne anhören soll.

Im Voraus konnte man sich den Song „Moth Eaten“ schon mal zu Gemüte führen – alleine und für sich war man zugegebenermaßen etwas geplättet und/oder irritiert von der kruden Mischung aus klarem, etwas quäkigen Gesang und Shouts. Im Kontext der Platte passt „Moth Eaten“ aber erstaunlicherweise ins Gesamtbild. Gewöhnungsbedürftig ist der Sound aber allemal, selbst wenn man die Vorgängerplatte kennt und mag – „Digital Me“ beispielsweise verlangt dem Vocal-orientierten Hörer mit seinem doch sehr speziellen Gesang so einiges ab, insgesamt ist das Stück aber komischerweise in sich stimmig.

„Dancing Upon The Moon“ ist eines der wenigen Lieder auf „Versus“, in die man sich nicht großartig reinhören muss. Der Song überzeugt direkt zu Beginn durch seine recht auffällige Gitarrenspur, klaren Gesang, ein etwas bizarres, aber durchaus passendes Drumming im Hintergrund und mit Sicherheit durch seine epischen Läufe im Refrain. Das ist ein Song, den man in Endlosschleife laufen lassen kann – sollte er einem wirklich irgendwann langweilig werden, wird man ihn trotzdem nicht wegskippen; nur damit man diesen großartigen Refrain noch mal hören kann.

Mit „Dead In The Water“ (etwas über sieben Minuten) und dem Titeltrack (acht Minuten) haben An Early Cascade noch einmal zwei schwer verdauliche Brocken ans Ende der Scheibe gestellt. Ersterer der Songs setzt eher auf die rockigere Schiene – die Strophen werden von klarem, recht ruhigem Gesang dominiert, wobei man hier natürlich Maiks recht einzigartige Stimmfarbe beachten muss, die immer eine gewisse Unruhe in die Tracks bringt. Im Verlauf erinnert vor allem die Instrumentierung ein wenig an The Ocean: Episch hangeln sich die Gitarren nach oben, nur um auf einmal über dem Kopf des Hörers zusammenzufallen und wieder den glasklaren Vocals Platz zu machen. Auch das Final der Scheibe tendiert in eine ähnliche Richtung: episch, episch und noch mal episch.

Fazit: Beim ersten, zugegebenermaßen halbherzigen Durchlauf möchte man der Platte kaum mehr als fünf Punkte geben. Zu unstrukturiert kommen die Tracks im übermüdeten Köpfchen an, doch schon beim zweiten Hören ertappt man sich dabei, dass man auf bestimme Stellen im Song geradezu hinfiebert. Mit dem Doppelpack am Ende der Platte haben An Early Cascade dann endgültig einen dicken Stein im Brett und knacken die acht Punkte. Gewöhnungsbedürftig mit einem Hang zum Chaos sind die Stuttgarter aber zweifelsohne – wer klare Strukturen in der Musik wünscht, sollte sich die Band vielleicht lieber nur in kleinen Dosen genehmigen, alle Freunde des progressiv angehauchten Post-Hardcore könnten sich hier aber neu verlieben.

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