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An Early Cascade: Alteration

Hier herrscht mitnichten schwäbische Sparsamkeit
Wertung: 8/10
Genre: Progressive Rock, Alternative Rock
Spielzeit: 44:30
Release: 05.05.2017
Label: Midsummer Records/Kick The Flame

An Early Cascade haben sich einen Namen in der The-Pit.de-Redaktion gezimmert, der groß „Chaos“ verkündet. Die 2008er EP „Your Hammer To My Enemy“, von der Schreiberin dieser Zeilen für kleines Geld auf einem Flohmarkt erstanden und seitdem immer gerne gehört, wurde seinerzeit mit gerade mal drei mickrigen Zählern ziemlich in der Luft zerrissen, der Full-Length-Erstling „Versus“ drei Jahre später brachte es dann auf gute 7,5 Punkte und auch hier wurde vor allem die progressive, recht chaotische Soundwand hervorgehoben, die die Stuttgarter gerne mal vor ihren Hörern aufbauen.

Alles neu macht bekanntlich der Mai und so propagieren An Early Cascade einen neuen Sound für sich, der ein bisschen weniger unzugänglich werden soll, obwohl natürlich die recht hohe Stimme von Sänger Maik Czymara weiterhin gewöhnungsbedürftig bleibt und sicherlich den einen oder anderen vorschnell abschrecken dürfte. Gerade auch bei der vorab zu hörenden Single „Living In Exil“, bei der sich die Schwaben wie auch beispielsweise die Kollegen von  December Youth mit der aktuellen Flüchtlingsspolitik beziehungsweise der daraus resultierenden Heimatlosigkeit und Verzweiflung auseinandersetzen, hat da einen typischen, hohen An-Early-Cascade-Refrain, in den man sich erst mal reinhören muss.

Hat man sich dann aber nach langer Abstinenz erstmal wieder an den Sound der Truppe gewöhnt, gehen sogar Songs wie das etwas krude „Without You I Am Nothing“, wie ja auch Placebo schon vor fast zwanzig (!) Jahren titelten, mit seinem erst ungelenkt wirkenden Refrain gut in Ohr und Beine – überhaupt sind die Jungs auch textlich stark wie nie, Zeilen wie „I built a prison to lock up my heart/There’s not a chance of breaking in“ haben ja fast schon das obligatorische Zeug, sich irgendwann mal als Tattoo bei den Fans zu etablieren.

Auch „Blue-Eyed“ ist mittlerweile in Videoform verewigt worden und hier haben AEC ein wesentlich besseres Händchen zur Singleauskopplung bewiesen, der Song ist ein wenig geordneter ausgefallen als „Living In Exile“. Für Bandverhältnisse schon ungewöhnlich ohrwurmig kommt der Track daher und bietet gegen Ende richtig schöne, deftige Shouts, die aus dem Hintergrund ihr Werk tun.

Schwäbische Sparsamkeit kann man den Jungs nicht wirklich nicht vorwerfen, „Alteration“ ist im besten Sinne ein opulentes Werk geworden, bei dem sich AEC sogar im finalen „All I Need“ mit seinen verzerrten Vocals und abgehackten Gitarren noch recht tief vor den großartigen Muse zu verbeugen scheinen. Wie immer benötigt es ein bisschen Anlaufzeit, bis man die Tracks auf der guten Dreiviertelstunde Laufzeit richtig verinnerlicht hat und genießen kann, dafür gibt es aber auf der ganzen Länge keinen einzigen Negativausreißer.

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