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An Autumn For Crippled Children: Lost

Wenn das Wörtchen “wenn” nicht wäre...
Wertung: 2.5/10
Genre: Depressive Black Metal
Spielzeit: 50:23
Release: 07.05.2010
Label: ATMF

Die Niederländer namens An Autumn For Crippled Children haben nicht nur einen – sagen wir mal speziellen – Bandnamen, sondern auch ihre Musik ist nicht einfach nur das, was man sonst so gewohnt ist. Klingt ja eigentlich nicht verkehrt, vielleicht findet der ein oder andere diese erste Beschreibung mitunter spannend. Wenn allerdings – wie oben schon erwähnt, das Wörtchen „wenn“ nicht wäre…

Ob sich die niederländischen Bandmitglieder mit den geheimnisvollen Synonymen MXM (Gesang, Gitarre, Keyboard), TXT (Bass) und CXC (Schlagzeug) von den Australiern Austere und deren letzten Album „To Lay Like Old Ashes“ haben inspirieren lassen, bleibt im Rahmen möglicher Spekulationen. Fakt ist aber, dass wie Austere auch AAFCC auf ihrem Album „Lost“ alles daran setzen, eventuelle schön anzuhörende Soundlandschaften durch kreischende oder wie auch immer zu definierende Vocals abzutöten und somit dem Hörer kaum eine Chance offerieren, das Material als vollkommene Einheit gut zu finden.  

So geschieht es dann nämlich auch, dass man die Stücke kaum voneinander zu unterscheiden vermag. Genervt ist man von dem Gekreische und nur allzu selten erfreut man sich im Gegenzug an den schönen klanglichen Ergüssen. Man würde sich gern mitreißen lassen in den Strudel der Emotionen, was aber durch die vorherrschende Stimmungslage, nämlich das Genervtsein, so gar nicht möglich ist. 

Ein paar positive Momente gibt es dann aber doch: Welch eine Wohltat stellt “A Dire Faith“ zumindest in seinen ersten knapp zwei Minuten dar, denn hier beschränkt man sich schönerweise auf rein instrumentale Aspekte. Tja, und mit dem Einsetzen der Vocals wird das Ganze größtenteils wieder langweilig und an den Nerven zerrend – dieses krächzende Gefauche kleistert all die musikalischen Raffinessen einfach zu –, ganz so wie auch in den anderen Stücken des Albums.

Ich will an dieser Stelle auch nicht auf jeden einzelnen Song eingehen, da ich mich hoffnungslos wiederholen würde. Obwohl auch das gar keine so schlechte Idee wäre, denn so könnte der Leser auf textliche Weise einen Eindruck davon erlangen, was ihn beim Hören des Albums entnerven und einschlafen lassen würde. Doch nein, ich verkneife mir das jetzt.

Summa summarum ist festzustellen, dass die verträumten, an manchen Stellen gar an die genialen Melodien von Summoning erinnernden Soundlandschaften gar nicht richtig zur Geltung kommen durch die eingesetzten Vocals, die wiederum mitten in den Sound hinein gemischt zu sein scheinen. Man kann also versuchen, das heisere Gekeife in Gedanken auszublenden. Wenn man dieses Unterfangen dann allerdings betreibt, wird man mit der Zeit ärgerlich darüber, dass die Stimme die Instrumente – obwohl sie nicht in den Vordergrund gemischt wurde – so derart neutralisiert.

Wenn doch die Niederländer in Sachen Riffing wenigstens etwas an die oben schon erwähnten genialen Summoning oder auch Austere heranreichen würden. Denn anstatt hier von ausgeklügeltem Riffing zu sprechen, kann man das hier Gebotene allenfalls als solide durchgehen lassen. Einen netten Akzent setzen die Jungs dann schließlich noch im letzten Song „Never Shall Be Again“, wo man ein kurzes Piano-Zwischenstück vernehmen kann.

Mag sein, dass man sich Zeit nehmen muss, um in die Materie von „Lost“ vollends eintauchen zu können. Aber gerade dies ist durch die angeführten negativen Aspekte gar nicht mehr der Wunsch, den der Hörer zu verwirklichen mag, wenn er einerseits angenehme Arrangements vernimmt, die dann im gleichen Moment schon wieder niedergekrächzt, -geheult oder –geschrien werden. Das kann schon ziemlich mürbe machen und zum Abschalten verleiten.

Fazit: Der Genrebezeichnung wird dieser knapp einstündige Exkurs in depressive Gefilde ohne jeden Zweifel gerecht. Nur fragt man sich, ob des Hörers Stimmungslage nach „Genuss“ des Albums der ansprechenden Qualität der Musik zuzuschreiben ist oder ob die Düsterkeit in des Hörers Kopf eher von Trostlosigkeit, Langeweile und einer knappen unerfüllten Stunde herrührt.

Jetzt kommt mir noch ein Werbeslogan in den Kopf: „Qualität kommt von quälen!“ Jetzt werde auch ich depressiv, denn noch nicht einmal die Aussage dieses Spruches wurde zu 100 % erfüllt.

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