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An Autumn For Crippled Children: Everything

Zerbrechlich und verstörend
Wertung: 8.5/10
Genre: Shoegaze, Black Metal
Spielzeit: 43:47
Release: 01.09.2011
Label: A Sad Sadness Song

Als ein Genre, das im Endeffekt lediglich ein Kunstwort für eine bestimmte Stimmung in einer bestimmten Art von Musik darstellt, ist Depressive Black Metal nicht nur kaum mehr als ein Randphänomen, sondern spaltet die Meinungen auch gewaltig. Damit wurden auch die Niederländer An Autumn For Crippled Children, die bei The-Pit.de mit ihrem Album „Lost“ von der vorigen Rezensentin mit lediglich 2,5 Punkten bedacht wurden, konfrontiert, während ihr Debüt andernorts als Geniestreich gefeiert wurde. Mit „Everything“ steht nun das zweite Album bereit, das trotz kleinerer Veränderungen dem Kurs der Truppe treu bleibt und erneut eine sehr spezielle Angelegenheit ist.

Tatsächlich unterscheiden sich An Autumn For Crippled Children mit ihrem Sound auf „Everything“ noch deutlicher von ähnlich gelagerten Bands – die unüberhörbaren Shoegaze-Einflüsse treten dieses Mal noch stärker zu Tage und lassen die Musik nicht selten der Depression entfliehen und tragen sie stattdessen in tiefe, sehnsüchtige Melancholie. Wer nun ob der schwer überschaubaren Menge an neuen Post-Black-Metal-Bands vermutet, es handele sich bei der Formation lediglich um einen der zahlreichen zweitklassigen Trittbrettfahrer, täuscht sich gewaltig. Bei den Niederländern wirkt nichts konstruiert, angefangen bei den wabernden Melodien über den verwaschenen Sound bis hin zu den ätherischen Keyboards strahlt „Everything“ in allem, was es tut, eine raue Natürlichkeit aus, in der sämtliche Teile zu einem widerhallenden Ganzen verschwimmen.

Die Black-Metal-Anteile wurden dabei im Vergleich zum Vorgänger deutlich heruntergefahren und sind stellenweise nur noch zu erahnen – einzig der stets verzerrte Kreischgesang ist geblieben, obwohl auch dieser weiter in den Hintergrund gerückt ist und lediglich als eine Art unterstützendes Instrument dient. Selbst schwarzmetallische Harmonien werden zumeist nur angedeutet und nur selten wie in „Her Dress As A Poem, Her Death As The Night“ in härtere Muster übergeleitet, wobei zumindest Doublebass und allgemein drängendes Schlagzeugspiel weiterhin exzessiv genutzt werden. Prägend für die Musik sind jedoch die mit Effekten gespickten Gitarren, die in vielfältiger Form auftreten: Häufig wiederholtes Riffing innerhalb der Songs macht aus Stücken wie „We All Fall“ oder „Nothing/Everything“ regelrechte Ohrwürmer, ohne dass man diese mitsingen könnte, wohingegen die hellen Leadmelodien oft längere instrumentale Parts wie in „Formlessness“ bestimmen, die in ihrer schwermütigen Träumerei stellvertretend für die Stimmung des ganzen Albums stehen.

Auch der dezente Keyboardeinsatz untermalt die dichte Atmosphäre der Songs hervorragend, wenn beispielsweise in „Forever Never Fails“ weiche Klänge verbunden mit den schwebenden Gitarren einen Eindruck von Weite und Leere erschaffen oder kristallene Klaviermelodien in „Absence Of Contrast“ Hoffnung in der Wehmut aufblitzen lassen. Einen Kontrast zu diesem regelrecht schwerelosen Sound bietet dabei der stets sehr präsente Bass, der den Songs neben den Drums ihren Drive verleiht und häufig recht einfallsreich verwendet wird – interessant ist so zum Beispiel die gänzlich unaufgesetzte Leichtigkeit zu Beginn von „I Am The Veil“, bei dem sich eine beinahe fröhliche Pianomelodie mit dem schwingenden Tieftöner verwebt. Generell ist der genannte Song wohl einer der auffälligsten auf dem Album und demonstriert mit seinen Wechseln zwischen weltentrücktem Shoegazing mit klarem, sanft gehauchtem Gesang und kurzen Black-Metal-Intermezzi mit treibenden Drums und Gekreische am deutlichsten, wie perfekt die Band ihr persönliches Handwerk beherrscht.

Im Vergleich zum Vorgänger „Lost“ haben sich An Autumn For Crippled Children mit „Everything“ noch einmal deutlich gesteigert und klingen nicht nur ausgereifter als zuletzt, sondern liefern auch eines der stärksten diesjährigen Alben in ihrem musikalischen Umfeld ab. Trotz wesentlich einfacherer Songschemen als bei ähnlich gelagerten Bands fällt es wesentlich leichter, sich in der Musik zu verlieren – den Niederländern gelingt es schlichtweg zu berühren, und das gänzlich ungezwungen. Wer sich nicht daran stört, dass die Band den Black Metal zugunsten ihres versponneneren Sounds weiter zurückgefahren hat und sich davon überzeugen will, dass junge Bands wie An Autumn For Crippled Children dafür sorgen, dass der Post-Black-Metal seinen Zenith noch lange nicht überschreitet, kommt an diesem Album nicht vorbei.

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