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Amplifier: Mystoria

Reduziertere Songlängen, aber weiterhin zum Teil hohe Komplexität
Wertung: 8/10
Genre: Alternative/Progressive Rock
Spielzeit: 45:25
Release: 05.09.2014
Label: Superball Music

„Überraschungen“ sei ein passendes Wort, wenn es um das neue Album „Mystoria“ geht, so Amplifier-Chef Sel Balamir kürzlich – und das möchte man irgendwie blind unterschreiben, selbst wenn man die Scheibe noch gar nicht gehört hat. Der Titel als solcher lässt ja schon eine derartige Annahme vermuten und außerdem: Wer die Band kennt, weiß, dass es einem als Hörer nicht immer ganz leicht gemacht wird. Die letzte, erst anderthalb Jahre zurückliegende Platte „Echo Street“ war vergleichsweise einfach zugänglich, jedenfalls wenn man allein den unmittelbaren Vorgänger „The Octupus“ als Maßstab nimmt, bei dem wohl auch eine zweistellige Anzahl an Durchläufen nicht reichte, um wirklich alles in seiner Gänze zu verstehen.

Im Prinzip war „Echo Street“ das bisher reifste Werk der Engländer, ließ es doch starkes Songwriting mit etlichen erstaunlich eingängigen Passagen erkennen, wobei die Strukturen weiterhin Band-typisch recht komplex ausgefallen und einige Kompositionen auch von der Länge her wieder sehr ausladend waren. Auf „Mystoria“ geht das Quartett nun noch ein Stückchen weiter, indem es die Songs noch kürzer und straffer hält („OMG“ ist mit sechseinhalb Minuten der längste Track und das will bei dieser Combo schon was heißen), die Komplexität aber dennoch weitestgehend beibehält.

Was die Überraschungen anbelangt, so legen Amplifier gleich im ersten Song damit los, wenn man so will: Bei „Magic Carpet“ nämlich handelt es sich um ein reines Instrumental und keines von der Sorte „kurzes Intro“; das Stück steht eindeutig für sich und lässt durchaus Assoziationen mit einem fliegenden Teppich zu. Sehr verspielt und mit schnörkeligen Riffs und Melodien sowie einigen spritzigen Keyboardläufen ausgestattet kommt die Nummer daher und tatsächlich vermisst man den Gesang überhaupt nicht. Erst beim folgenden „Black Rainbow“, das mit einem ziemlich eingängigen, aber doch einigermaßen brachialen Hauptriff punktet, kommen Sel Balamirs Vocals erstmals zum Tragen.

„Named After Rocky“ macht dann ja schon vom Titel her auf sich aufmerksam – Kultpotential ist da definitiv jede Menge vorhanden. Musikalisch so richtig interessant und zum Teil hochklassig wird es jedoch ab der Mitte der Platte: „Cat’s Cradle“ besitzt eine starke Ska (!)-Schlagseite, die sich sehr gut macht und keineswegs penetrant wirkt, vielmehr haben Amplifier dieses Element clever in ihrem Sound verwurstet, und auch das treibende „Bride“ gehört mit seinen tollen Gesangsarrangements und den schwebenden Gitarrenleads zweifellos zu den Höhepunkten auf „Mystoria“. Zwei sehr originelle Kompositionen, bei welchen die Jungs äußerst gekonnt Eingängigkeit und Anspruch bzw. Komplexität miteinander verwoben haben. Unbedingt erwähnt werden soll hierbei übrigens auch das vertrackte Drumming, das ebenso durchdacht wie gekonnt in Szene gesetzt wurde.

„Open Up“ und „OMG“ wiederum nennen eine stark psychedelische Komponente ihr Eigen, wobei erstgenannter mit den verzerrten Synthiesounds und den verloren anmutenden Gitarren zumindest in der Strophe ziemlich spacig wirkt, wohingegen letzterer insgesamt rockiger ausgefallen ist, zum Teil allerdings mit ausladendem Gitarrenbombast aufwartet. Faktisch zeigt sich jedenfalls bei beiden Kompositionen erneut, dass die Briten es mittlerweile sehr gut verstehen, ihren Hall-lastigen, progressiven und vielschichtigen Sound darzubieten, ohne das Songwriting aus dem Auge zu verlieren; schon beeindruckend, wie sie einen Song spannend und trotzdem flüssig und logisch aufzubauen in der Lage sind – echte Klangkünstler eben!

Einen ziemlich coolen Titel bietet auch „The Meaning Of If“, das mit knapp drei Minuten wenigstens von der Länge her radiokompatibel ist und abermals vor allem durch komplexes Drumming besticht, in Relation zum Rest jedoch fast unspektakulär erscheint. Beschlossen wird das Album mit dem Doppelpack „Crystal Mountain“ und „Crystal Anthem“, wobei der erste Teil lediglich so etwas wie ein überlanges Intro bildet, während der zweite wieder noch und nöcher von Gitarren, die von überall herkommen, dominiert ist und sicher unter die Rubrik „für Fans alter Porcupine Tree sehr ansprechend“ eingeordnet werden muss.

Alles in allem zeigen Amplifier auf „Mystoria“, dass sie stets gewillt sind, Sounds auszuloten und sich weiterzuentwickeln. Der gestandene Supporter braucht trotz der reduzierten Songlängen wohl die standardmäßigen vier bis fünf Durchläufe, um das Material komplett zu erfassen, aber das ist bei dieser Formation ja keine, ähem, Überraschung. Ein absoluter Übersong wie „The Wheel“ ist diesmal zwar nicht zu verzeichnen, aber das kann man natürlich auch so auslegen, dass das Ganze qualitativ ausgeglichener ist. Interessant ist die Scheibe in jedem Fall und es gibt wieder eine ganze Menge zu entdecken.

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