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Amorphis: Under The Red Cloud

Deutlich stärker als der Vorgänger
Wertung: 9/10
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 49:58
Release: 04.09.2015
Label: Nuclear Blast

Mit ihrem letzten Studioalbum „Circle“ versuchten Amorphis, sich ein wenig von ihrem inzwischen etwas vorhersehbaren Stil zu lösen, nachdem sie zuvor vier zwar songschreiberisch starke, aber eben wenig innovative Platten veröffentlichten. Ein hehres Vorhaben, das allerdings nur bedingt glückte – das Material konnte nicht zu hundert Prozent überzeugen. Mit dem neuesten Werk „Under The Red Cloud“ fährt man die Schiene des Vorgängers fort, produktionstechnisch jedenfalls ist die Scheibe näher am Sound von „Circle“ als an jenem der vier vorigen Alben. Zwar wird in Sachen Härte wieder ein klein wenig zurückgerudert, doch sind die Gitarren immer noch äußerst präsent, wenngleich dank Produzent Jens Bogren nicht so steril tönend wie auf dem 2013-Album unter Peter Tägtgren.

Wer die Band gut kennt, wird beim Opener und gleichzeitigem Titeltrack keine 20 Sekunden brauchen, um zu erkennen, wer da aus den Boxen tönt – die Mainmelodie und das Arrangement sind schlicht unverkennbar. Daher mag es sein, dass der Song keinen Originalitätspreis gewinnen wird und vom Aufbau her ähnelt er sicherlich früheren Eröffnungsnummern wie „Battle Of Light“ oder „Sampo“, doch lässt sich nicht verhehlen, dass die Komposition einfach Spaß macht. Es scheint fast, als seien die Finnen wohl tatsächlich dann am besten, wenn sie ihren gewohnten Weg gehen. In jedem Fall liegt hier ein starker Auftakt vor, eine absolut typische Amorphis-Nummer, die mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit umgehend zum Livestandard avancieren dürfte. Altgewohntes kann eben auch sehr schön sein, wenn es gut gemacht ist, so wunderbar fließt und zum Mitsingen animiert wie dieser Track.

Ähnlich verhält es sich mit „Sacrifice“, das ebenfalls mit einer mörderisch eingängigen Gitarrenmelodie gesegnet ist, sowie „Tree Of Ages“, das wiederum auf einer hübschen, von einer Flöte vorgetragenen Folk-Tune basiert (gespielt von keinem Geringeren als Eluveitie-Fronter Chrigel Glanzmann). Alles in dem Sinne nicht sonderlich innovativ, aber songschreiberisch eben sehr stark, und somit letztlich gelungen. Bei der ersten Single „Death Of A King“ tendiert man ebenso in Richtung Folk und mischt mit den kompetent eingesetzten Sitar-Passagen noch einen netten zusätzlichen Farbtupfer ins Bild.

„Enemy At The Gates“ hingegen weist orientalische Züge auf und besitzt einen düstereren Charakter, was – logischerweise, möchte man bei dem Titel sagen – ebenso für „Dark Path“ gilt, welches allerdings mit deutlich mehr Härte durch die Botanik brettert. Insbesondere die Strophen kommen sehr schmissig daher, sodass das Stück am deutlichsten an die harten Tracks des Vorgängers erinnert. Auch „The Four Wise Ones“ hat ordentlich Schmackes, wurde aber clever mit gemäßigteren, folkigen Sequenzen angereichert, was den Song zu einem der besten des Albums macht.

Interessant und ein definitives Highlight der Platte ist außerdem vor allem das Finale in Gestalt des locker im Midtempo groovenden „White Night“ (sieht man von den beiden, der Redaktion nicht vorliegenden Bonustracks „Come The Spring“ und „Winter’s Sleep“ ab), bei dem zunächst nur weiblicher Gesang, vorgetragen von Aleah Stanbridge (Trees Of Eternity), erklingt, bevor sich die Nummer nach und nach steigert und schließlich auch Growls zu hören sind.

Was überhaupt die Wechsel zwischen harschen und cleanen Vocals anbelangt, so haben die Finnen diese natürlich wieder so effektiv wie möglich zu gestalten versucht, was so überzeugend wie lange nicht mehr gelingt. Wenn Gitarrist und Hauptsongschreiber Esa Holopainen im Vorfeld deklariert, dass „Under The Red Cloud“ „zu den Top-3-Amorphis-Alben“ gezählt werden müsse, ist man tatsächlich geneigt, ihm zuzustimmen. Kompositorisch mindestens genauso vielfältig wie „Circle“, zünden die Hooklines einfach besser, das Ganze wirkt lockerer und leichter und sämtliche Songs können quasi durch die Bank als Hits bezeichnet werden. Lediglich „Bad Blood“ und „The Skull“ sind nicht ganz so stark wie der Rest, ansonsten kommt kein Fan des Sextetts und Anhänger melodischen Metals um „Under The Red Cloud“ herum.

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