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Amorphis: Under The Red Cloud (Tour Edition)

Alle, die sich das Album schon damals gekauft haben, gucken in die Röhre
keine Wertung
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 53:03 (nur Live-CD)
Release: 24.02.2017
Label: Nuclear Blast

Mal Butter bei die Fische: Das letzte Amorphis-Album „Under The Red Cloud“ war verdammt stark – so stark, dass ich mir inzwischen nicht mehr sicher bin, ob die von meiner Seite damals vergebenen neun Punkte ausreichend waren, die Platte läuft auf jeden Fall immer noch regelmäßig und zeigt keinerlei Abnutzungserscheinungen. Natürlich haben Musiker ein anderes Verhältnis zu ihren eigenen Outputs als ihre Fangemeinschaft und neigen verständlicherweise häufig dazu, sofort in Superlative zu verfallen. Doch die Worte von Amorphis-Leadgitarrist Esa Holpainen, der „Under The Red Cloud“ als eines seiner „persönlichen Top 3-Alben“ adelte, waren wirklich nicht übertrieben und es lässt sich auch nur schwer vorstellen, dass es tatsächlich Amorphis-Anhänger geben sollte, die die Scheibe nicht gut finden. Weitere Details im damaligen Review.

Logisch, dass die Finnen auch mit diesem Werk wieder ausgiebig auf Tour waren (als nächstes steht übrigens nach längerer Zeit mal wieder eine Rundreise durch die USA an), kulminierend in einem Auftritt im Huvila Zelt beim Helsinki Festival im Spätsommer letzten Jahres. Laut Rhythmusgitarrist Tomi Koivusaari freute man sich auf dieses Konzert ganz besonders, da das Festival auf eine lange Geschichte zurückblicken und man es somit als Ehre betrachten kann, dort auftreten zu dürfen. Gemeinsam mit einigen Freunden bestritt die Band jene Aufführung, die dementsprechend unter dem Titel „An Evening With Friends“ als Teil der Tour-Edition von „Under The Red Cloud“ firmiert und ab dem 24. Februar erhältlich sein wird.

Tour-Editionen sind inzwischen nichts Neues mehr, des Öfteren wurden in der letzten Zeit erfolgreiche Platten zwei Jahre später mit Bonus-Live-CD neu aufgelegt – eine Tendenz, die viele Fans ziemlich zähneknirschend verfolgen dürften, denn alle, die sich das jeweilige Album bereits zum Erscheinungstermin gekauft haben, gucken in die Röhre oder müssten sich die Scheibe noch mal kaufen, da das Live-Material (natürlich) nicht als einzelne (und somit günstigere) CD/LP verfügbar ist. Es wäre daher eine nette Geste und wünschenswert, dass Nuclear Blast eben genau dies in naher Zukunft realisieren würde, denn Abzocker-Vorwürfe werden bei dieser Veröffentlichungspolitik garantiert automatisch aufkommen – in der kommerzkritischen Metalszene allemal.

Rein qualitativ betrachtet kann die Bonus-CD selbstverständlich was. Die ersten vier Songs sind eher im akustischen Gewand gehalten und dass die Jungs das ebenfalls sehr gut beherrschen, haben sie in der Vergangenheit schon öfters bewiesen, wie beispielsweise beim Wacken Open Air 2013, als man ein gutes Drittel des Gigs unplugged vollzog und dabei eine sehr gute Figur abgab. Ab „Silver Bride“ werden schließlich auch E-Gitarren verwendet, dennoch unterscheiden sich die Versionen der Songs auch in der zweiten Hälfte des Sets teilweise deutlich von „konventionellen“ Live-Darbietungen. Vor allem der Saxophonspieler Sakari Kukko sowie Pekko Käppi, zuständig für traditionelle finnische Instrumente, tragen dazu bei. Das mag nicht jedermanns Sache sein, macht aber natürlich das Besondere an der Angelegenheit aus.

Als Gastsängerin tritt bei „Her Alone“ außerdem Anneke van Giersbergen auf, die zwar gefühlt bei jedem dritten Projekt oder jeder zweiten Special-Show von irgendjemandem dabei ist, aber ihre Stimme ist nun einmal auch unbestreitbar magisch und unverkennbar. Ursprünglich sollte auch die wundervolle Aleah Stanbridge mit dabei sein, doch leider starb die ehemalige Lebensgefährtin von Swallow The Sun-Gitarrist Juha Raivio im letzten April im Alter von nur 39 Jahren an Krebs.

Insgesamt dauert das Ganze knapp eine Stunde, die Setlist-technisch vielleicht gar nicht mal so wahnsinnig originell ausgefallen ist („Silver Bride“, „Sampo“ und „My Kantele“ beispielsweise sind schlichtweg Live-Standard-Pflichtnummern), aber aufgrund der besonderen Arrangements der Songs kurzweilig anmutet und Spaß macht. Wer die Platte noch nicht im Original besitzt, schlägt natürlich bei der Tour-Edition zu, alle anderen müssen abwägen. Immerhin haben Amorphis auf ihrem YouTube-Kanal ein mit 360°-Kamera aufgenommenes Video der Show parat. Wer also nicht noch einmal gleich das ganze Album kaufen will, kann sich hiermit trösten.

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“