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Amorphis: The Beginning Of Times

Wenig Veränderungen, doch diese sind bei dem starken Songwriting auch kaum nötig
Wertung: 8.5/10
Genre: Melodic/Heavy/Folk Metal
Spielzeit: 54:37
Release: 27.05.2011
Label: Nuclear Blast

Das neue Amorphis-Album dürfte einer der Releases sein, die in diesem Jahr mit besonders viel Spannung erwartet wurden/werden; immerhin handelt es sich bei der „The Beginning Of Times“ betitelten Scheibe bereits um das zehnte Studioalbum der Finnen und außerdem ist die Band mit jedem Album kontinuierlich gewachsen. Und seit dem Einstieg von Dreadlocks-Träger Tomi Joutsen im Jahr 2005 geht es sowieso nur noch nach oben, was sicherlich unter anderem daran liegt, dass das Sextett gleichzeitig endlich seinen eigenen Stil gefunden hatte, nachdem man zuvor häufigen Richtungswechseln unterlegen war.

Dass genau dies in den letzten Jahren nicht mehr passiert, werfen nun allerdings einige Leute der Band vor – die Reaktionen auf den 2009er Output „Skyforger“ waren doch eher gespalten. Nun, diesen Querulanten wird mit „The Beginning Of Times“ Frischfleisch vorgesetzt, denn auch auf der vierten Platte mit Tomi Joutsen sind die Veränderungen zum Vorgänger allenfalls marginal, so viel sei an dieser Stelle bereits verraten. So haben Amorphis deutlich mehr Growlpassagen als auf den vorigen Alben eingebaut, diese jedoch noch überlegter und nachvollziehbarer integriert. Joutsens oft beinahe fließenden Wechsel zwischen Growls und Klargesang werden immer besser, aber umsonst wird man Nightwish-Bassist und Tarot-Frontmann Marco Hietala, der schon seit Jahren als Vocal-Coach für Joutsen fungiert, schließlich nicht engagiert haben. Insbesondere auf „Crack In A Stone“, bei dem die gesanglichen Unterschiede besonders krass hervorstechen, sei in diesem Zusammenhang hingewiesen – am Ende dieses Stückes geht es dermaßen zur Sache, dass der ein oder andere sich an jüngere Opeth erinnert fühlen dürfte.

Dies ist an sich schon das Auffälligste an Neuerungen. Ansonsten muss man ganz ehrlich sagen, gibt es auch gar nicht allzu viele Gründe, großartig Dinge zu verändern, zumindest nicht, wenn sich das Songwriting und die Arrangements auf einem derart hohen Niveau bewegen, wie es bei „The Beginning Of Times“ der Fall ist. Der Fan bekommt das vorgesetzt, was er erwartet und was ihm gefällt, ohne dass Amorphis deswegen langweilen oder gar nerven würden. Zu schön sind einfach die Melodien, die sich die Combo erneut aus dem Ärmel geschüttelt hat, und die zeigen, dass man aus dem seit „Eclipse“ gefundenen Stil noch viel herauskitzeln kann. Das Positive daran ist ja, dass man die Band immer heraushören kann und es Songs gibt, von denen man weiß, dass sie nur Amorphis so schreiben können.

Der Opener „Battle For Light“ ist gleich so ein Stück: Eine simple, aber sehr hübsche Melodie, unschuldig auf dem Piano wiedergegeben, leitet die Nummer ein, die sich alsbald in puncto Tempo und Instrumentierung steigert (ein Markenzeichen von Amorphis), die klassischen Wechsel um einen Ganzton höher oder tiefer, um eine Melodie zu variieren (im Prinzip ein standardmäßiges Mittel, doch wenn gut eingesetzt, durchaus legitim) sind vorhanden und jene typische, schwebende Atmosphäre, die diese Band so besonders macht. Hier aber zeigt sich erstmals auch, wie effektiv Amorphis daran gearbeitet haben, Growlsequenzen und Klargesang noch schlüssiger unter einen Hut zu bringen, denn bei diesem ersten Track funktioniert das sofort prächtig. Im weiteren Verlauf soll sich aber zeigen, dass „Battle For Light“ selbstredend keine Ausnahme bildet – siehe oben.

Ähnlich funktionieren auch „Mermaid“ (mit herrlich perlenden Gitarren und Keyboards und einer verträumten Gesangslinie in der Strophe), „My Enemy“ (wiederum eine simple, aber unheimlich catchy Main-Melodie), „Three Words“ (rockt geil mit saftiger Hammondorgel) und „On A Stranded Shore“. Allesamt weitere starke Songs, die live bestimmt prächtig zünden werden. Absolutes Highlight bildet jedoch zweifelsohne das fantastische „Reformation“, das mit epischen Chören, schmachtenden Gesangslinien, wabernden Gitarren und dramatischem Pianospiel daherkommt – das Ganze selbstverständlich nicht ohne Pathos, aber diesen göttlichen Harmonien kann man einfach nicht widerstehen.

Und für etwas Abwechslung haben die Finnen schon gesorgt: „Soothsayer“ und der Quasi-Titeltrack tönen deutlich düsterer als das restliche Material; die orientalisch klingenden Parts und die weibliche Stimme in erstgenanntem machen sich ausgezeichnet, während letzteres einen stark progressiven Touch besitzt, genau wie „Song Of The Sage“, das mit seinen folkig-verspielten Flöten ein wenig an Jethro Tull denken lässt. Auch wenn es eher Nuancen sind, die verändert wurden, genau diese sind es, die dazu beitragen, dass „The Beginning Of Times“ mindestens so stark einzuschätzen ist wie das ebenfalls sehr gute „Skyforger“.

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