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Amorphis: Queen Of Time

Souveräne Platte, die allerdings nicht an ihren Vorgänger heranreicht
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 57:30
Release: 18.05.2018
Label: Nuclear Blast

Wenn eine Band ein überragendes Album herausgebracht hat, das Jahre später noch regelmäßig im CD-Schacht bzw. auf dem Plattenteller landet, so geht man an den Nachfolger instinktiv skeptisch heran, da es kaum möglich erscheint, den Vorgänger zu überbieten – in diesem Falle „Under The Red Cloud“, das ich – wie bereits im Review zur Tour-Edition jenes Meisterwerks erwähnt – im Nachhinein wohl sogar mit der vollen Punktzahl bedenken würde. Allerdings sind Amorphis schon lange im Geschäft und haben bei der stolzen Anzahl von nunmehr zwölf Studioalben noch nie einen Totalausfall abgeliefert.

Leichter wird es mit stetig wachsender Discographie natürlich nicht, aber die Finnen (inzwischen wieder mit Rückkehrer Olli-Pekka Laine am Tieftöner) haben sich trotzdem erneut etwas einfallen lassen, um sich nicht einfach plump zu wiederholen. Zunächst fällt auf, dass dem Ganzen wieder ein recht konzeptueller Gedanke zugrunde liegt: Die Biene auf dem Albumcover, gekoppelt mit dem Titel des Openers „The Bee“ lässt beinahe vermuten, dass die Jungs sich des heiklen und brandaktuellen Themas Insektensterben angenommen haben, allerdings erklärt Gitarrist Esa Holopainen laut Promoschreiben diese Merkmale eher damit, dass die Biene für einen „Mikrokosmos, der dennoch kataklysmische Veränderungen verursachen kann“ steht, so wie „der Schmetterling, der einen Hurrikan auslöst“.

Und musikalisch? Nun, der angesprochene Erstlingstrack ist von Anfang an recht typisch für die Band: Die flirrenden Gitarren und wabernden Synthies gleich zu Beginn lassen wenig Zweifel aufkommen, wer da durch die Boxen geistert und praktischerweise gleichzeitig auch durchaus die Vorstellung eines Bienenschwarms aufkommen. Der stampfenden, gegrowlten Strophe steht ein luftiger, cleaner Refrain gegenüber, der nicht wirklich zu den stärkeren in der Geschichte von Amorphis gehört – ein sicherlich alles andere als innovativer, doch immerhin solider Start.

Interessanter wird es schon mit den nächsten paar Nummern: „Message In The Amber“ besitzt eine jener ebenfalls zwar typischen, aber mörderisch eingängigen und so leichtfüßigen Melodien, die das Stück tragen und sich schon nach zwei Durchläufen fest im Hirn verankert haben. Obendrein spielt der Song mit toller Dynamik – hier ist die Strophe eher ruhig gehalten, zudem äußerst melancholisch, während der Refrain einem Ausbruch gleicht; des Weiteren wurde das Ganze mit einem Chor, zum Teil durch Vocoder verzerrt, zusätzlich und sehr effektiv aufgepeppt.

Auch das wendungsreiche „Daughter Of Hate“ hat mit seinem treibenden Chorus, Saxophon-Einsatz und dem Erzählpart von Dauer-Textschreiber Pekka Kainulainen (so etwas wie ein permanentes weiteres Mitglied, das jedoch nie selbst auf der Bildfläche erscheint) eine Menge zu bieten. Wegen der hypnotischen Atmosphäre dieses Tracks macht sich dieser gesprochene Teil wirklich gut – in seiner Gesamtheit definitv einer der spannendsten Songs des Albums. Dem folgenden „The Golden Elk“ muss ebenfalls hohe Qualität attestiert werden – wieder so ein Amorphis-typisches, dennoch genial-eingängiges Mainriff, das man immer wieder vor sich hinsingt; wie diese Herrschaften das nur immer wieder schaffen? Der stark orientalische Part in der Mitte ist überraschend, fügt sich aber doch gut ein – so was ist derzeit ja total in, alle scheinen sie in letzter Zeit Orphaned Land gehört zu haben.

Eingängige Melodien sind die vielleicht größte Stärke von Amorphis, manchmal besteht dann aber doch Gefahr, dass es manchmal zu standardmäßig wird – „Wrong Direction“ mit erneut typisch wabernden Gitarren gehört wohl eher zu den weniger aufregenden Kompositionen und „We Accursed“ erinnert mit seiner folkigen Flötenmelodie etwas an „Tree Of Ages“ vom Vorgänger, ohne diesem das Wasser reichen zu können. „Amongst Stars“ wiederum ist zwar ein Ohrwurm vor dem Herren und macht Spaß, irgendwie fehlt aber das gewisse Etwas; Anneke van Giersbergen, die hier als Gastsängerin auftritt, klingt seltsam uninspiriert, und man denkt wehleidig daran, wie sich das wohl mit der seligen Aleah Starbridge (R.I.P.) angehört hätte, obwohl Anneke ja eigentlich ebenfalls eine der besten Sängerinnen der Szene darstellt.

Episch wird es mit dem erneut sehr orientalisch geprägten „Heart Of The Giant“, „Grain Of Sand“ fusioniert in bester Manier Melancholie mit einem kraftvollen Midtempo-Riffing und mit dem finalen „Pyres On The Coast“ zaubert die Band noch mal ein Ass aus dem Ärmel: Den stärksten Song zum Schluss – erst stürmisch, dann feierlich, dann wieder stürmisch, insgesamt sehr düster und was für ein erhabener Chorus; dazu erneuter Saxophon-Einsatz und eine dezente Orchestrierung gegen Ende zur Anhebung der Dramatik – ganz großes Tennis!

Insgesamt legen Amorphis also auch mit ihrem schon 13. Studioalbum wieder ein mehr als ordentliches Scheibchen vor, von Jens Bogren souverän produziert. Das Überwerk „Under The Red Cloud“ wird nicht erreicht, aber das wäre auch zu viel verlangt. Der Sechser agiert trotzdem abwechslungsreich und hat sich bei allen typischen Trademarks auch wieder ein paar neue Dinge einfallen lassen. Ein paar Songs sind diesmal etwas schwächer, aber alles in allem wird kein Fan enttäuscht sein.

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