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Amorphis: Halo

Wenig Neues, trotzdem gut
Wertung: 8/10
Genre: Melodic Metal
Spielzeit: 55:36
Release: 11.02.2022
Label: Atomic Fire Records

30 Songs haben Amorphis laut Promoschreiben ihrem Produzenten Jens Bogren im Rahmen der Arbeiten an ihrem neuen Album „Halo“ vorgelegt, aus denen dieser sich dann die besten herauspicken durfte und die dann letztlich auf dem Endprodukt landeten. Auch wenn Bogren längst eine lebende Legende in der Welt der Metal-Produzenten darstellt (hält der Kerl sich überhaupt noch irgendwo anders als im Studio auf?), ist dies dann doch ein Vertrauensbeweis allererster Güte, denn so viel Freiheit dürften nur wenige Bands einem Produzenten einräumen.

30 Songs sind für eine Session eine ganze Menge, aber hier kann man einmal mehr auf die Pandemie verweisen – ohne Touren ist eben einfach mehr Zeit vorhanden, die anscheinend auch Amorphis sinnvollerweise fürs Komponieren aufgewendet haben. Ob Bogren die besten Songs ausgewählt hat bzw. ob die nicht berücksichtigten Stücke irgendwann auch noch erscheinen werden, wissen wir zwar nicht, fest steht aber, dass die Finnen auch mit ihrem 14. Studioalbum weiterhin auf einem recht hohen Niveau agieren.

Ebenso ist man geneigt, der Band zuzustimmen, wenn sie erklärt, im Vergleich zu den Vorgängern etwas weniger bombastisch vorgegangen zu sein und das Material ein wenig entschlackt zu haben. „Härter, progressiver und organischer“, charakterisiert Gitarrist Esa Holopainen die Scheibe und so abgedroschen sich das auch anhören mag, tatsächlich knallen die Klampfen mit mehr Schmackes durch die Boxen, überhaupt ist der Gesamtsound gewaltig und die Produktion transparent und soundtechnisch nahezu perfekt ohne steril zu klingen. Das eröffnende „Northwards“ peitscht jedenfalls gleich mal mit schneidendem Riffing rasant durch die Botanik, das auch in den clean gesungenen Parts nicht an Tempo und Dynamik einbüßt, durch eine verspielte Passage mit Akustikgitarren und saftiger Hammondorgel sowie Chören, die völlig ungezwungen integriert wurde, wird jedoch gleichzeitig für Auflockerung gesorgt. Definitiv ein stärkerer Opener als „The Bee“ vom „Queen Of Time“-Album.

Mit kantiger Härte kommt auch „The Wolf“ daher, dessen prägnantes Mainriff ebenso simpel wie eingängig ist und zum Teil fast schon schwarzmetallische Charakteristika enthält. Schon kunstvoll, wie man auch hier beinahe unauffällig in melodische Sequenzen hinübergleitet. Die Wechselwirkung zwischen harten (gegrowlten) und melodischen (clean gesungenen) Abschnitten hat die Band allerdings seit der 2006er Platte „Eclipse“, in der man nach längerer Zeit zum ersten Mal wieder Growls eingesetzt hatte, immer mehr verfeinert und perfektioniert.

Dennoch wird der eine oder andere murren, dass die Truppe trotz dieser leichten Veränderungen grundsätzlich nichts Neues hervorbringen und die Songs hier und da wie aus dem Setzbaukasten komponiert tönen würden. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen – die Melodieläufe sind absolut typisch, die wabernden Gitarren unverkennbar und auch mit orientalischen Tonfolgen und Sitarklängen hat man in der jüngeren Vergangenheit häufig operiert, nichtsdestotrotz sollten Songs der Marke „On The Dark Waters“, „The Moon“, „When The Gods Came“ oder „Seven Roads Come Together“ nach spätestens ein paar Durchläufen jedem Fan Spaß bereiten.

Ganz stark auch der praktisch komplett ohne Growls auskommende Titeltrack – ein super Ohrwurm mit erstklassigem Refrain und spritzigem Orchestereinsatz. Ob man nun mangelnde Innovation beklagen will oder nicht, Hits schreiben hat die Band jedenfalls nicht verlernt. Unbedingt erwähnenswert ist auch das dann doch eher ungewöhnliche Finale „My Name Is Night“ – eine zarte, hübsche Ballade mit prominent gefeaturtem weiblichem Gesang, bei der man sich bestens eine nächtliche, in Mondlicht gegossene Landschaft vorstellen kann und die sich vollkommen frei von Kitschanflügen präsentiert.  

Unterm Strich reicht zwar auch „Halo“, in dem textlich erneut Themen des finnischen Nationalepos „Kalevala“ behandelt werden, nicht an die Klasse des famosen „Under The Red Cloud“ heran und bietet trotz allem tatsächlich (erwartungsgemäß) nicht viel Neues. Dennoch beinhaltet die Platte viele Details, die nach und nach entdeckt werden wollen und zeigt eine Band, die immer noch frisch und motiviert klingt und das ist etwas, das man definitiv nicht von jeder Formation behaupten kann, die bereits seit über 30 Jahren im Geschäft ist und mittlerweile bei 14 Studioalben steht.

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