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Amorphis: Eclipse

„Eclipse“ muss man länger hören und der Eindruck wird mit jedem Mal etwas besser
Wertung: 7.5/10
Genre: Folk Metal
Spielzeit: 32:42
Release: 17.02.2005
Label: Nuclear Blast

"Amorphis", das ist für mich in erster Linie melodiebetonter, vielschichtiger Rock, der sich von seinen Death Metal-Ursprüngen zwar distanziert hat, in sich jedoch eine konsequente Entwicklung aufwies und zu keinem Zeitpunkt unglaubwürdig erschien. Die letzten Veröffentlichungen, allen voran "Far From The Sun" von 2003, hatten vielmehr eine verträumt folkloristische Seite mit einigen fast Alternative-artig schwebenden Gitarrenklängen, die mir in dieser Form bisher noch nicht untergekommen waren und eine gute Nische innerhalb der Musikindustrie gefunden hat. Diese Entwicklung bekam jedoch durch den Weggang von Sänger Pasi Koskinens einen leichten Knick, da sich durch den Wegfall seiner Stimme offenbar ein soundmäßiger Neuansatz aufdrängte, wie sich nun herausstellen wird. Mit dem neuem Sänger Tomi Joutsen begaben sich die Mannen um Mastermind und Leadgitarrist Esa Holopainen jüngst ins Studio und das Ergebnis "Eclipse" liegt mir nun zum Test vor.

Bei meiner folgenden Rezension beziehe ich mich auf die Promo CD, bei der sämtliche Tracks, mit Ausnahme von "House Of Sleep", unkomplette Faded Versionen sind - aber soviel nur am Rande, um etwaige Verständnisfragen zu klären.

Ein Keyboardriff, wie es ohne Weiteres auch auf den neueren "Dream Theater"-Alben vorkommen könnte, eröffnet die Scheibe mit "Two Moons"; hier dominiert ein rasantes Unisonoriffing mit für die Band eher ungewöhnlich straighten Ansätzen. Der Gesang ist verhältnismäßig aggressiv im Vers, dagegen sehr melodiös getragen im Chorus, stimmlich durchaus annehmbar, bei weitem nicht das Schlimmste was man von Tomi auf der Platte noch hören wird; der Aufbau selbst ist tendenziell eher mainstreamig und standartisiert. Das nächste Stück ist "House Of Sleep", eine sehr eingängige, pianolastige Halbballade, aber mit einer derartig aalglatten Gesangsperformance bei der, besonders im Vers, selbst ein Ville Valo von "HIM" beleidigt wäre. Dennoch retten einige gute Gitarrenlicks und ein gelungenes Keyboardsolo viel vom eigentlich Beabsichtigten. "Leaves Scar" ist eine Rückbesinnung auf ältere Tage, wie mir scheint, und gleichzeitig der erste Track, der stärker nach den gewohnten Amorphis klingt, denn hier findet sich endlich wieder dieses melancholische Hintreiben, das für mich so typisch für die Band ist, trotz der ansonsten eher versprühten Härte. Hier treffen knochenharte Growls und Soundwände auf viel Melodie und Tempiwechsel, was letztlich ungeheuer dynamisch wirkt und schon fast Parallelen zu den Progressiven Opeth oder Disillusion weckt.

Bei den drei Folgetracks kann ich nicht rekapitulieren, was sie genau beinhalten, wenn ich sie nicht gerade höre, so unerschließbar und wiedererkennungslos sind sie. "Perkele" ist zumindest der gesangsmäßig härteste Track auf der Scheibe: Einerseits typischer, extremer Skandinavienmetal, andererseits ein zu durchschnittlicher Amorphis-Track ohne nennenswerte Komponierschwächen, aber auch ohne hervorhebenswerte Stärken.

Bergauf geht es jedoch wieder bei "The Smoke“, denn hier ist eine höchst unkonventionell wirkende Akkordzerlegung verarbeitet, die viel kreativen Raum zum Austoben lässt: Der Gesang offenbart hier seine Stärken, kann er doch fast schizophrene Passagen mit ständig abwechselnden Growls- und Melodieparts meistern. Auch ein sehr klug in das Hauptriff integriertes Gitarrensolo gibt Pluspunkte. "Same Flesh" verfährt ähnlich, was das Tonmaterial angeht, für meinen Geschmack schon zu ähnlich; man hätte auch aus den besten Passagen beider Tracks einen gemeinsamen Song basteln können.

Will die Band mit "Brother Moon" einen Tribut an Joseph Parsons göttlichem Folkwerk "Sister Moon" zollen? Jedenfalls ist es für mich der wohl beste und bewegendste Song auf dem Album, weswegen sich die Anschaffung der Platte schon fast wegen ihm alleine lohnt. Diese interessante Folk Metal Hybride ist unvermittelt eingängig und könnte live eines der Highlights auf der kommenden Tour werden, besonders bei einem Festival, wo feierlich zum kollektiven Abtanzen aufgerufen werden kann.

"Do yourself a favour and give 'Eclipse' the time it deserves"; well, partly right, vor allem gemischte Gefühle.

Aber ich wollte Amorpis erst deutlich weniger geben, insofern haben die PR-Leute von Nuclear Blast schon ziemlich Recht. Größtes Manko liegt für mich weniger in den Kompositionen, obwohl auch da einige Fehler gemacht wurden, sondern viel mehr beim Gesang: Tomis Stimme klingt beim näheren Hinhören wesentlich ungraziöser, fast schon plump, und nicht so sphärisch oder verträumt, wie man es bei seinem Vorgänger gewohnt war. Ob er die düsteren und gleichzeitig tierisch mitreißenden Gesangspassagen eines Pasi Koskinen glaubwürdig herüberbringen kann, halte ich noch für fraglich, bin aber gerne gewillt, mich vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Rifftechnisch sollten die Jungs aber auch im Angesicht des ein oder anderen Schnitzers an sich feilen, sonst drohen Amorphis möglicherweise gar eine Position zwischen unauffälligem Mittelmaß und belanglosem Blabla einzunehmen. Und es gibt nichts Einschläfernderes, als wenn Amorphis in Langeweile versumpfen.

„Eclipse“ muss man länger hören und der Eindruck wird mit jedem Mal etwas besser. Die fast psychedelischen 70er Rock-Anleihen wurden zugunsten eines metal-lastigeren Ansatzes zurückgedrosselt. Neben "Brother Moon" und vielleicht "Leaves Scar" fehlen mir aber die wirklich wegweisenden Tracks; zudem bringt eine Aneinanderreihung von härteren und softeren Songs noch lange kein facettenreiches Album, denn ein Überflieger wie "Black Winter Day" fehlt hier genauso wie ein "My Kantele".

Ob ihr ab dem 17.2. mit einer "Eclipse"-Pressung unter dem Arm an der Kasse steht, bleibt zu einem gewissen Teil auch euch selbst überlassen, denn auf der Platte kann einiges, aber definitiv nichts muss.

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