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Alter Bridge: Live from Amsterdam

DVD des Liveauftritts in Amsterdam
Wertung: 9.5/10
Genre: Rock
Spielzeit: CD: 76:46; DVD 99:00
Release: 13.01.2011
Label: Dc3 Music Group Llc (Hd) (Soulfood)

Wo Alter Bridge drauf steht, ist auch Qualität drin: Das gilt sowohl für die bisher erschienenen Alben „One Day Remains“, „Blackbird“ und „AB III“, als auch für die Livepräsentation des Songmaterials, die hier auf einem hochwertigen CD-DVD-Package verewigt wurde. Die Verpackung im freundlich sonnengelben Digipack mit Pappschuber sieht im Regal wunderbar aus und macht neugierig auf den Inhalt. Der Livemitschnitt stammt von der zur „Blackbird“-Tour gehörenden Show in der Amsterdamer Heineken Music Hall aus dem Jahr 2008. Abgesehen von dem B-Seiten-Song „New Way To Live“ und „Mud Bone“ besteht das Set demzufolge ausschließlich aus Songs der ersten beiden Alter Bridge-Alben.

Wie man aus der begleitenden Dokumentation entnehmen kann, haben Mark Tremonti und Co. weder Aufwand noch Technik gescheut, um ihre Show ansprechend in Szene zu setzen. Die mit über 8000 Fans gefüllte Halle bietet dafür eine beeindruckende Kulisse. Die Kameras decken jede erdenkliche Perspektive ab: von ansprechenden Totalen von der Bühne über coole Froschperspektiven und Close-Ups auf die Gesichter der Musiker, sowie die flinken Finger Tremontis bis hin zu experimentellen Guitar-Cameras, die direkt auf die Instrumente montiert wurden und so interessante Perspektiven eröffnen. Die Bilder von der Show sind definitiv leckeres Eyecandy und können eigentlich nur mit einem Wort beschrieben werden: Perfekt!

Gleiches gilt für den Sound, der neben aller Perfektion und epischer Breite immer noch pures Livefeeling versprüht. Wer die Band schon einmal live gesehen hat, weiß, dass sie so klingt und auch im Heimkinoformat so klingen muss. Für die passende Atmosphäre sorgen vor allem die leidenschaftlichen Fans, die tatsächlich alle Songs aus dem Effeff zu beherrschen scheinen und diese auch voller Inbrunst mitsingen. Das sorgt dann auch anhaltend für eine wohlige Gänsehaut. Die Band agiert wohltuend zurückhaltend, bodenständig und sympathisch. Während Mark Tremonti bis über beide Ohren in seine Gitarre(n) verliebt scheint und ab und an mal mimisch den harten Rocker raushängen lässt, ist Ausnahmesänger Myles Kennedy mit seinem unwiderstehlichen Charisma der absolute Mittelpunkt der Show – er ist der, an dem alle Augen und Ohren hängen. Er ist einfach Alter Bridge und rückt nur aus dem Zentrum, wenn Tremonti eines seiner wunderbaren Soli hinzaubert.

Über die instrumentale und gesangliche Darbietung kann man eigentlich nicht genug Lob ausschütten: Alles entbehrt einfach jeglicher Mängel und ist für jeden, der auch nur ansatzweise ein Herz für bombastischen Alternative-Rock hat, pures Gold. Im Vergleich zu den Albumversionen gewinnen die knackigeren Songs noch einmal einen ordentlichen Härteschub, und das Solorepertoire Tremontis wirkt auch aufgestockt. Was Myles Kennedy hier leistet, ist einfach unglaublich. Dass er es ist, dem Alter Bridge ihren Status zu verdanken haben, steht angesichts der stimmlichen Flexibilität dieses Mannes absolut außer Frage. Mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit meistert er die Höhen und Tiefen sowohl der härteren Songs als auch der Balladen und – was eigentlich das Wichtigste ist – legt soviel Gefühl in seine Stimme, dass einem über die komplette Länge der Show wohlige Schauer über den Rücken laufen und man – im Falle von „Blackbird“, „In Loving Memory“ oder „Watch Over You“ - sogar fast zu Tränen gerührt sein kann.

Die Songauswahl dürfte alle Ansprüche eines Alter Bridge-Fans zufrieden stellen. Der Schwerpunkt liegt klar auf dem „Blackbird“-Material. Sechs Songs des Debüts haben es aber auch auf die Setlist geschafft. Dabei gibt es genug Abwechslung zwischen härterem Stoff à la „Metalingus“ oder „White Knuckles“, Ohrwurm-tauglichen Rocknummern wie „Find The Real“, „Buried Alive“ oder „Ties That Bind“, getragenen Breitwandepen wie „Before Tomorrow Comes“ oder „Open Your Eyes“, oder gefühlvollen Schmusenummern wie „In Loving Memory“ und „Watch Over You“. Gerade nach den letztgenannten Balladen wechselt die Band sofort auf die harte Seite zurück und sorgt dabei nicht nur für jede Menge Abwechslung, sondern untermauert damit auch ihren Status als „richtige“ Rockband mit musikalischen Ecken und Kanten, die auch für den Metalfan interessant ist. Das alleine von Myles Kennedy an der Akustikgitarre vorgetragene „Watch Over You“ und der melancholische Übersong „Blackbird“ sind dennoch die Momente, die hier am längsten im Gedächtnis bleiben.

Als Bonus gibt es eine circa 50-minüte Dokumentation, die nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der DVD-Produktion gewährt, sondern auch einige Fragen zur Bandgeschichte klärt. Es gibt Eindrücke von den Stationen der Europa-Tour in London, Amsterdam und Mailand, Interviews mit Fans und kleine Hintergrundinfos darüber, wie sich die Bandmitglieder auf ihren Auftritt vorbereiten. In Mailand geben Alter Bridge sogar einen kleinen Unplugged-Gig, bei dem Myles Kennedy seine sehr berührende Version von Leonard Cohens „Hallelujah“ zum besten gibt. Außerdem wird man Zeuge, wie die Band zusammen mit Fans, die als glückliche Gewinner aus einem Gewinnspiel hervorgegangen sind, beim Soundcheck jammt. Insgesamt präsentieren sich Alter Bridge als sehr sympathische, bodenständige und fannahe Band.

Vor allem beim Konzertmitschnitt beweisen Alter Bridge eindrucksvoll, dass sie eine der besten und souveränsten Rockbands mit ordentlichem Härtefaktor sind. Die DVD ist für alle Fans, die die Band in ihre Wohnzimmer holen wollen, ein absolutes Muss. Wer noch Fan werden will, sollte ebenfalls einen Blick und ein Ohr riskieren.

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