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Alter Bridge: AB III

Mit mehr Härte zur eigenen Identität
Wertung: 8.5/10
Genre: Alternative Rock
Spielzeit: 66:35
Release: 08.10.2010
Label: Roadrunner Records

Einfach haben es Bands, die aus der Asche einer bekannten Formation auferstehen wahrlich nicht – so geht es auch Alter Bridge, die von bösen Zungen immer noch häufig als „Creed mit neuem Sänger“ abgetan werden. Mit „AB III“ legen die Alternative Rocker um Ausnahmesänger Myles Kennedy nun nach „Blackbird“ ihr drittes Studioalbum vor und grenzen sich mit einer härteren und düstereren Ausrichtung noch ein Stück weiter von der populären Vorgängerband ab.

Zwar ist das Erbe ohne Frage immer noch häufig herauszuhören, jedoch ist die Truppe ähnlich wie Three Days Grace deutlich mehr in den härteren Gefilden des Alternative Rocks beheimatet, wobei Alter Bridge noch eine Spur mehr im Metal verhaftet als diese agieren. Markenzeichen der Band ist seit jeher neben den ausschweifenden Lead-Gitarren die perfekt durchdachte Melodieführung, die die Songs dynamisch sowohl durch harte, als auch ruhigere Passagen führt, ohne dass der Spielfluss jemals ins Stocken kommt – daran hat sich auch auf „AB III“ nichts geändert, außer dass das Ganze noch ausgereifter als zuvor wirkt und trotz höherem Härtegrad zu jeder Zeit eingängige Melodien erhalten bleiben. Fallen diese Veränderungen schon beim ersten Hördurchgang ins Auge, machen sich die ausgebauten Songsstrukturen erst nach einiger Zeit bemerkbar - von dem meistens recht simplen Schema der vorhergegangenen Releases distanzieren diese sich dieses Mal und gestalten die Songs interessanter, ohne diese übermäßig komplex wirken zu lassen.

Gewohnt grandios präsentiert erneut Frontmann Myles Kennedy seine Gesangsleistung – obwohl der Mann mit seinen vier Oktaven einen unfassbaren Tonumfang besitzt und technisch nahezu perfekt singt, verwendet er immer noch genug Mühe darauf, Emotion in seinen Gesang zu legen und so für viele Gänsehaut-Momente zu sorgen. Schon im ungewöhnlichen Einstieg „Slip To The Void“ offenbart der Sänger sein ganzes Können: Der düster-atmosphärisch gehaltene Beginn des Stückes wird von Kennedys tiefem Gesang begleitet, der ein wenig an Anathema erinnert – nach einer Weile aber explodiert der Song förmlich und wird von harten Gitarren und hohem Gesang bestimmt, der sich insbesondere im starken Refrain vollständig entfalten kann. Diese ungewohnte Härte gibt es auch in der ersten Single-Auskopplung „Isolation“ zu hören, in der sogar einige waschechte Thrash Metal-Riffs zu hören sind, ohne dass das Ganze aufgesetzt wirkt.

Der weitere Verlauf des Albums gestaltet sich zwar nicht besonders außergewöhnlich, setzt den Stil der Band aber nahe der Perfektion um – jede Melodie zündet und jedes Riff sitzt, was vor allem der virtuosen Lead-Gitarren-Unterstützung zu verdanken ist. Mal werden die Stücke von Laut-Leise-Dynamiken wie in „Ghosts Of Days Gone By“ bestimmt, zu anderen Zeiten lässt sich ein gewisser Nu Metal-Einschlag feststellen, der Songs wie „Still Remains“ oder „Coeur D'Alene“ zusätzlich zu deren melancholischer Grundstimmung die nörtige Würze verleiht. Neben kleineren Experimenten wie den leichten Blues-Einflüssen im Mitsing-kompatiblen und doch düsteren „Fallout“ wagen sich Alter Bridge mit „Wonderful Life“ auch wieder an eine Ballade – auch wenn zwischenzeitlich ein wenig zu sehr im Kitsch gewildert wird, rettet der gefühlvolle Gesang Kennedys das Stück doch noch problemlos vor dem Absturz.

„AB III“ steht ganz in der Tradition seiner Vorgänger und markiert erneut ein Highlight unter den aktuellen Veröffentlichungen aus dem Genre – kaum eine andere Truppe aus diesem Bereich ist technisch so versiert und zugleich mit so viel Leidenschaft dabei wie Alter Bridge. Zwar könnte in Sachen Abwechslung gelegentlich ein wenig mehr geboten werden, die unzähligen mitreißenden Hooklines und der großartige Gesang entschädigen dafür jedoch allemal. Dank der härteren Ausrichtung dürfte das dritte Album der Amis auch Freunde metallischer Klänge nicht vollkommen kalt lassen, denn „AB III“ markiert das bisher reifste Werk in der Karriere der Band und ist mit großer Sicherheit eines der, wenn nicht sogar das beste Alternative-Rock-Album des Jahres.

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