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Allen / Lande: The Great Divide

Nicht hundertprozentig überzeugend, aber unterm Strich okay
Wertung: 7/10
Genre: Power / Melodic Metal
Spielzeit: 51:48
Release: 17.10.2014
Label: Frontiers Records S.R.I. (Soulfood)

Seit Timo Tolkki von sich aus bei Stratovarius ausgestiegen ist, kriegt er irgendwie nicht mehr so richtig einen Fuß in die Tür. Zwar hat er dem Alkohol abgeschworen und sich wegen seiner bipolaren Störung in ärztliche Behandlung begeben, doch ausgerechnet seitdem hat er kaum noch Erfolg: Revolution Renaissance liefen sehr mäßig und lösten sich bald wieder auf, Symfonia waren nach nur einem Album wieder Geschichte und die strunzöden und mies produzierten Avalon- und Saana-Projekte brauchte nun wirklich kein Mensch. Man durfte also durchaus skeptisch sein, als angekündigt wurde, dass er bei Allen / Lande nun das Zepter als Songwriter, Gitarrist, Bassist und Keyboard für den geschassten Magnus Karlsson übernehmen würde, der diese Funktionen auf den bisherigen Platten ausgeübt hatte.

Tatsächlich hat sich Tolkki im Gegensatz zu seinen anderen Projekten in songschreiberischer und produktionstechnischer Hinsicht stark verbessert, das zeigt schon der Opener „Come Dream With Me“, der weitestgehend an die vorigen Allen / Lande-Alben anknüpft: Sehr eingängiger, melodischer Power Metal, bei dem man vor allem den Refrain sofort mitsingen kann. Im Prinzip also das, was man erwarten konnte – wirklich Neues gibt es nicht, aber die Frage ist: Wollte das wirklich jemand? Die Leute erwarteten ein gut gemachtes Power-Metal-Album, bei dem sich zwei der besten Sänger, die die Szene je hervorgebracht hat, die Ehre geben, und das kurzweilige Unterhaltung bietet und Spaß macht.

So geht es auf „The Great Divide“ in ähnlicher Manier denn auch weiter: Mal im hymnischen Midtempo stampfend wie bei „Solid Ground“ oder dem durch atmosphärische Keyboards aufgemotzten „Lady Of Winter“ (bei dem es sich nicht etwa um ein Crimson Glory-Cover handelt), gerne aber auch ein wenig flotter, wie durch das mit einem ganz gut Arsch tretenden Hauptriff ausgestatteten „Down From The Mountain“ oder „Dream About Tomorrow“ ersichtlich. Letzteres ist außerdem ein gutes Beispiel für die hin und wieder durchschimmernden Stratovarius-Roots, die Tolkki nun einmal besitzt; das Cembalo zwischendurch weckt Erinnerungen an „Black Diamond“. Im Prinzip ist das auch gut so, denn wenn man schon einen anderen Songwriter ins Boot holt, sollte sich dessen Musik ja nicht exakt wie die des Vorgängers anhören. Dennoch stellt gerade dieses Stück nicht unbedingt ein Highlight dar, da der Refrain einfach zu oft wiederholt wird.

Leider will auch der Titelsong nicht so recht zünden. Der längste und langsamste Track wurde sicherlich mit der Intention geschrieben, feierlich zu wirken, kommt allerdings nicht so wirklich auf den Punkt. Nicht überzeugen kann ebenso „In The Hands Of Time“ – sorry, aber der Chorus ist dann doch zu platt und nervt nach einigen Durchläufen. Hier liegt wohl auch die Krux: Eingängigkeit kann eine schöne Sache sein, aber man muss eben auch darauf achten, dass das Ganze nicht zu sehr ins Seichte abdriftet, denn ein zu aufdringlicher Refrain besitzt die negative Eigenschaft, sich allzu schnell abzunutzen. Die Ballade „Bittersweet“ am Ende darf man ebenfalls als arg berechnend und voraussehbar bezeichnen.

Unterm Strich sind dies dann doch jede Menge Abzüge in der B-Note; es ist im Power Metal eben nicht selten ein schmaler Grat zwischen hymnisch und billig. Das Zielpublikum dürfte trotzdem einigermaßen zufrieden sein, denn natürlich bringen Symphony X-Frontmann Russell Allen und Jørn Lande wie gewohnt ausgezeichnete Gesangsleistungen, Timo Tolkkis Gitarrensoli können sich hören lassen und auch die hier und da dezent eingespielten Elektronik-Spielereien wurden gut integriert. Und dank des starken Openers und den ebenfalls mehr als soliden „Down From The Mountain“, „Solid Ground“, „Lady Of Winter“ sowie dem von Allen alleine gesungenen, durch lockere Akustikgitarren fast schwebend wirkendem „Reaching For The Stars“ droht man nicht etwa, in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Trotzdem wäre es nett, wenn man nächstes Mal mit etwas originelleren Songtiteln und weniger cheesigen Lyrics glänzen könnte – man muss ja nicht unbedingt jedes Klischee bestätigen.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann