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All Out War: Into The Killing Fields

Schwer verdauliche Kost
Wertung: 6/10
Genre: Hardcore, Thrash Metal
Spielzeit: 35:19
Release: 08.03.2010
Label: Victory Records

Wir befinden uns im Jahr 1991 in New York, wo das Subgenre Hardcore gerade seine Blütezeit erlebt. Bands wie Earth Crisis und Biohazard sind dabei, die Untiefen des Hardcore zu ergründen und sich einen Namen zu machen. Tom Connelly, Mike Score, Sam Carbone und Chris Bozeth denken sich „Hey, das können wir auch“ und formieren All Out War, die heute zu den einflussreichsten Hardcore-Bands überhaupt gehören. Mit ihrer aktuellen Platte „Into The Killing Fields“ zeigen die Herrschaften zum mittlerweile fünften Mal, wie sie Hardcore und Thrash Metal in einen Topf prügeln – und zwar so kompromisslos, dass man sich die neun auf der neuen Scheibe enthaltenen Songs fast nicht am Stück anhören kann.

Mittlerweise steht mit Sänger Mike Score nur noch ein tapferes Gründungsmitglied auf der Bühne; untersützt wird er von den beiden Gitarristen Brad Mader und Jim Bremer, sowie Erik Carrillo am Tieftöner und Breakdown-Drummer Lou Medina. Nach einem Split im Jahr 2004 und der Reunion schon zwei Jahre später, sowie einem angeblichen Bruch mit Victory Records erscheint das neue Album des Quintetts nun doch wieder auf eben diesem Label, bei dem unter anderem auch Hatebreed oder Silverstein unter Vertrag sind. Was nun bei dem ganzen Wirrwarr herausgekommen ist, haben wir hier vor uns und leider ist die Platte alles andere als leichte Kost. Nun muss man ja sagen, dass Hardcore nie besonders leicht zu konsumieren ist, aber was All Out War hier zusammenzimmern, ist nicht nur wirklich anstrengend, sondern gerät über lange Strecken auch recht monoton. Zwar wippt man automatisch mit den Füßen und auch die Nackenmuskulatur wird ein wenig beansprucht, aber das hat weniger etwas mit der guten Musik, als vielmehr mit der drängenden Dynamik zu tun, die Hardcore nun mal so an sich hat.

Eigentlich erwartet uns das Übliche: es wird geschreddert, gekeift und die Doublebass kommt einmal mehr zum Einsatz, aber wirklich innovatiiv kommt hier nichts rüber, abgesehen davon, dass Sänger Mike eine relativ wiedererkennbare Stimmfärbung hat – er klingt nämlich, als wäre er heiser und wurde an einer zu kurzen Leine hängen. Sehr gewöhnungsbedürftig, das Ganze, zumal das kraftvolle raue Bellen, das man von vielen Hardcore-Sängern gewohnt ist, ausbleibt.

Songs, die aus der Masse herausstechen, kann man hier mit der Lupe suchen, lediglich die gute Produktion, die druckvollen Gitarren und die treibende Dynamik retten das Album halbwegs über die Durchschnittsmarke. Startet „Defiance Through Fear“ noch eindrucksvoll mit ordentlich Biss auch von Seiten des Sängers, hat man schon beim darauffolgenden „Mercy Killer“ keine großen Ambitionen mehr, sich auf die Vokalakrobatik des Amis einzulassen. Gelegentliche, von den Drums heraufbeschworene Tempowechsel sind zwar gut gemeint und auch die leichte Verzerrung des Gesangs ist wohl darauf ausgelegt, wenigstens ein bisschen Abwechslung ins Spiel zu bringen, richtig gelingen will das aber nicht.

Ähnlich zerschmetternd geht’s weiter, „Fear Those Who Claim Divinity“ startet aber immerhin mit einem Zitat aus „Der Exorzist“ – cooler Einstand allemal, aber abwechslungsreicher wird der Stil danach leider nicht. Die Thrash-Komponente kommt immer mal wieder durch vereinzelte Gitarrensoli durch, die zwar die technischen Fähigkeiten der beiden Gitarristen zweifellos bezeugen, die Platte aber ebenso wenig vorwärtsbringen. Beim Titeltrack kann man endlich wieder aufhorchen, da im Refrain statt den üblichen Vocals endlich auch mal tiefere Shouts zum Einsatz kommen – ein erster Schritt in Richtung Abwechslung.

Das Schlimme ist ja, dass die Jungs sich wirklich hörbar reinhängen, nur hilft das irgendwie nichts. Mit „Still Crucified“ kommt als Rausschmeißer zwar ein Stück daher, das etwas mehr Thrash-Flair versprüht als die restliche Platte, retten kann sie der Song aber nicht mehr. All Out War mögen zu den besten und bekanntesten Hardcore-Bands gehören, aber zumindest ihre neue Platte leidet entscheidend unter der Monotonie, die nicht zuletzt durch die äußerst gleichförmigen Vocals zustande kommt. Nicht für schwache Nerven und schon gar nichts für diese Hitze – wobei ich anzweifle, dass die Bewertung bei Minusgraden anders ausfallen würde.

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