Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

All Ends: A Road To Depression

Schnaps, Bier und Anti-Depressiva
Wertung: 7/10
Genre: Metal/Rock/Pop
Spielzeit: 43:42
Release: 15.10.2010
Label: Nuclear Blast

All Ends's Wiege steht in Schweden, genauer gesagt Göteborg. Für In Flames-Fans ist klar, dass dies auch bei ihren Helden der Fall ist, doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit. Jesper Strömblad ist nicht nur Mitbegründer der Melodic-Death-Metaller, sondern auch von All Ends. Zusammen mit Bandkollege Björn Gelotte und dessen Schwester Emma Gelotte startete er 2003 das Nebenprojekt mit der Besonderheit, zwei Frauen an die Front zu schicken. Mittlerweile sind alle drei nicht mehr in der All Ends-Besetzung. Björn und Jesper verließen 2005 die Band und Emma beschloss 2009 aus privaten Gründen auszuscheiden. Ersatz für die Sängerin war in der aus dem Pop-Business stammende Jonna Sailon gefunden. Aktuell sind nun Tinna Karlsdotter, Jonna Sailon (jeweils Gesang), Joseph "Joey" Skånsas (Drums), Anders Janfalk (Bass), Fredrik Johannson und Peter "Texas" Mårdklint (Gitarren) die Mitglieder der schwedischen Pop-Metal-Rock-Formation. Kaum war die Lücke am Mikrofon, die das Schwesterchen des In Flames-Gitarristen verursachte, gefüllt, ging es an das Brainstormen und Aufnehmen. Das Resultat ist nun auf dem zweiten Album des Sechsergespanns, "A Road To Depression" genannt, zu hören. Allerdings steht die Frage im Raum, ob sie damit an den Erfolg der ersten Platte anknüpfen können.

Erster Pluspunkt ist schon der Sound. Die Scheibe ist sehr gut abgemischt und lässt an der Qualität nicht meckern. Ebenfalls haben die Schweden an Abwechslungsreichtum nicht gespart. Die Riffs verleihen sehr viel Druck, leider gewinnt man den Eindruck, dass nicht wirklich etwas Neues, Beeindruckendes das Ohr erreicht. Teilweise hat man ein "déjà écouté"-Gefühl.  Ebenfalls ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Rundling etwas sehr poppig im Gegensatz zum Vorgänger rüberkommt. Die Überschrift hätte auch "Plastic-Metal aus Schweden" lauten können. Das soll aber nicht heißen, dass die Scheibe schlecht ist. Nein, sie ist eben anders.

Der Anfang ist schon einmal vielversprechend. "Obvious" beginnt zwar mit einem industriallastigen Part, geht dann aber rockig weiter. Schon hier zeigt sich, dass die Idee, mit zwei Sängerinnen an den Start zu gehen, eine Gute war. Eine Steigerung erwartet den Hörer bei "Generation Disgrace", eine Mischung aus Volbeat und Achtzigerjahre-Rock. "I Know Who I Am" geht genauso ins Ohr. Ob dabei etwas hängen bleibt, ist Geschmackssache, aber es wird bestimmt den einen oder anderen geben. Auf jeden Fall sind die drei Disc-Opener eine kleine Haarschüttel-Session wert.

Nun kommen wir zum Pop-Teil der CD. "I'm A Monster" fällt unter die Kategorie "Schnaps und Bier", wenn man den Lyrics mehr Zeit widmet. Zu den Anti-Depressiva wird an anderer Stelle angeknüpft. Dieser Song und "Hear Me Now" könnten genauso aus der Feder von PINK! entstammen. Aber dass die Göteborger einen leichten Hang zu poppigen Ausschweifungen haben, wissen diese auch selbst, da sie ihr Genre als Metal/Rock/Pop bezeichnen. Experimentierfreudig sind sie, die Schweden - ohne Frage! Mit "Area 1 (Hate and Fear)" ist wieder ein rockiges Aufbäumen für Zwischendurch zu hören.

Nun kommen die Bonbons vom Seelenklempner. "Nobody's Story" ist ein Stück mit reiner Pianobegleitung und Gesang. Melodisch ist es sehr schön, doch wenn man sich mit dem Text beschäftigt, ist das der direkte Weg in eine tiefe Depression. Zu hören gibt es die richtige Mischung für den Gang in die Schwermütigkeit. Aber zum Glück soll das nicht so bleiben. "Stupid People" geht wieder in einen schnelleren Rock-Pop über. Jeden Tag steht ein Dummer auf und wenn du Pech hast, gehört er dir. Den krönenden Abschluss macht der Namensgeber des Albums "A Road To Depression". Dieser Song ist auch wieder eher dem Mainstream verschrieben, aber dennoch ist im Refrain ein kleiner Metalausrutscher zu verzeichnen, der durchaus Ohrwurmtendenzen aufweist.

Ein Fazit ist bei All Ends schwer zu ziehen. Ob die Metal-Pop-Rocker nun auf ein breites Publikum spekulieren oder einfach nur das machen, was sie sind, dürften nur die Schweden selbst wissen. Jeder, der auf harte Klänge und Passagen aus ist, sollte sich lieber anderen Dingen zuwenden. Jedoch werden diejenigen, die auch mit ruhiger Kost zu beschwichtigen sind und auf starke Frontfrauen stehen, durchaus ihre Freude an der Scheibe haben, besonders, weil Tinna und Jonna ihr Gesangshandwerk verstehen und sich von anderen Bands auf jeden Fall abheben.

comments powered by Disqus