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Alkonost: Put' Neprojdennyj

Pagan Metal ohne Kitsch? Gibt es.
Wertung: 7.5/10
Genre: Pagan Metal
Spielzeit: 54:54
Release: 02.03.2009
Label: Vic Records

Dass Pagan Metal nicht zwangsläufig das fröhliche Hintergrundgedudel bei Saufgelagen sein muss, sondern auch ernst und atmosphärisch ausfallen kann, bewiesen nicht erst Moonsorrow und Primordial. Dennoch  ist die Vorstellung plastikhornschwingender Halb-Wikinger im Zusammenhang mit Pagan Metal in weiten Kreisen in etwa so gefestigt wie die Annahme, dass Black Metal-Bands nachts auf Friedhöfen wildern.

Die Hörner allerdings dürfen bei Alkonost zu Hause gelassen werden. Statt heitere Partymusik liefert die russische Pagan Metal-Band Songs der ernsteren Sorte. Das zu besprechende Album existiert zwar eigentlich schon seit 2006 und wurde inzwischen bereits durch den Nachfolger „Heart Stone's Blood“ abgelöst, doch erfährt „Put' Neprojdennyj“ gegenwärtig einen Re-Release.

Das Markenzeichen der Musik ist eindeutig der stark klassisch geprägte Gesang von Alena Pelevina, der sich teilweise sogar in Dimensionen einer Tarja Turunen wiederfindet. Im Gegensatz zu den Vorgängern verwendet die Band auf „Put' Neprojdennyj“ in verstärktem Maße die extremen Vocals von Bassist Alexey 'Nightbird' Solovyov, die der Musik in Punkto Atmosphäre und Abwechslung unheimlich gut tun. Die Tracks sind nicht nur härter, sondern die Produktion auch viel druckvoller als das bisher Gewohnte. Die Gitarren haben die notwendige Power, während das Keyboard zwar durchweg präsent, aber nie zu übermächtig ausgefallen ist.

Sowohl lyrisch als auch musikalisch zeigt sich die Band tief beeinflusst von russischer Folklore. Während Alkonost zugunsten eines höheren Synthesizeranteils weitestgehend auf traditionelle Instrumente verzichteten, spielt die Leadgitarre nun den Großteil der folkigen Melodien. Hin und wieder übernimmt allerdings auch das Keyboard diese Funktion und steuert neben unterlegenden sphärischen Klängen auch gekonnte Solo-Einlagen bei, wie etwa im verhältnismäßig aggressiven Opener „Golos Lesov“ in Form eines Klaviers.

Songs wie der Titeltrack des Albums präsentieren sich zwar in einigen Melodieläufen recht fröhlich, doch Feierlaune kommt nie auf. Dazu ist die Atmosphäre einfach zu dicht und über weite Strecken auch melancholisch. Viele Melodien würden Kapellen wie Ensiferum durchaus stehen, doch wirken sie bei Alkonost wegen einer komplett anderen Grundausrichtung viel unverfälschter und ehrlicher.

Neben erhabenen Tracks („Nivushka Niva“) stehen schnelle („Temen“), langsame („More-Son“) und theatralische Nummern („Noch' Pered Bitvoj“); an Abwechslung mangelt es dem Fünfergespann nicht. Gerade letztgenannter Song liefert eine schöne Melodie nach der anderen, die man bei einigen anderen Folk-Acts schmerzlich vermisst - ohne dabei ins Kitschige abzudriften.

Dass Alena Pelevina singen kann, beweist sie in den knapp 55 Minuten der CD unentwegt. Zwar sind die Gesanglinien jede für sich sehr schön anzuhören, doch fehlt in diesem Bereich auf Dauer die Aussagekraft einzelner Passagen.

Gerade die gute Produktion des Albums verleiht der Musik Alkonosts die dichte Atmosphäre, die ihr bis zu diesem Album verwehrt geblieben ist. Wer auf folkloristische Melodien in Zusammenhang mit eher melancholischer Musik und klassischem Gesang steht und die Nase voll hat von LKW-Ladungen Kitsch, sollte Alkonosts „Put' Neprojdennyj“ unbedingt antesten.

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