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Alice In Chains: The Devil Put Dinosaurs Here

Nicht so stark wie der Vorgänger, aber immer noch gut
Wertung: 8/10
Genre: Grunge, Alternative Metal
Spielzeit: 67:16
Release: 24.05.2013
Label: Capitol (Universal)

In einem Interview im Vorfeld der Veröffentlichung des hier vorliegenden neuen Alice In Chains-Outputs „The Devil Put Dinosaurs Here“ sagte Gitarrist und Hauptsongwriter Jerry Cantrell, er gehe nicht davon aus, dass der Hörer davon überrascht sei, was er zu hören bekomme, denn das Album klinge unverkennbar nach Alice In Chains, sei aber trotzdem einzigartig und anders als alles, was man von der Band bislang kannte.

Tatsächlich könnte man „The Devil Put Dinosaurs Here“ als logischen Nachfolger des sensationellen 2009er Comebacks „Black Gives Way To Blue“ bezeichnen; der Sound jener Scheibe wird weitestgehend fortgeführt, es gibt einige Änderungen, aber auch Parallelen. Aber der Reihe nach: Der Opener „Hollow“ war ja bereits vorher bekannt, hatten die Amerikaner den Track doch bereits als Appetithappen vor einigen Monaten ins Netz gestellt. Hier handelt es sich um einen soliden, recht typischen AIC-Song mit einem tonnenschweren, walzenden Mainriff, das sofort hängen bleibt – der für Jerry Cantrell gern verwendete inoffizielle Titel „Tony Iommi des Grunge“ kommt da einmal mehr in den Sinn.

Ansonsten mag sich der ein oder andere beim ersten Durchlauf etwas schwer tun, die Songs sind insgesamt weniger catchy als auf dem unmittelbaren Vorgänger und die Riffs werden länger ausgereizt; auf der anderen Seite war das, was die Gruppe in den Neunzigern auf ihren Alben veröffentlichte, auch nicht gerade immer die leichteste Kost, die stets sofort ins Ohr ging. So oder so muss man in jedem Fall vor Cantrells gewitzten und spannenden Gitarrenarrangements, die wie immer unheimlich vielschichtig und ebenso einfallsreich wie eigen ausgefallen sind, erneut den Hut ziehen. Was zum Beispiel im ebenso düsteren, schleppenden wie epischen Titeltrack, der zweifellos eines der besten Stücke auf dem Album darstellt, allein im Gitarrensektor alles passiert, ist es wert, ganz genau hinzuhören. Geduld ist hier und da gefragt, doch die Belohnung hierfür ist die Entdeckung zahlreicher kleiner Details bei jeder weiteren Rotation.

Jener Song mit seinem schwermütigen Charakter ist eines der besten Beispiele dafür, dass Alice In Chains hörbar um Weiterentwicklung beziehungsweise Veränderungen bemüht, aber dennoch zu jeder Zeit herauszuhören sind. Für letzteres sorgt schon allein der unverwechselbare zweistimmige Gesang, der sich auch diesmal wieder zum Großteil durch die Platte zieht, und der einfach immer noch so schön und originell klingt, dass er selbst einen Song wie „Voices“, dessen Chorus zunächst zum Mitsingen verleitet, im Endeffekt aber doch etwas zu banal erscheint und schnell Abnutzungserscheinungen erkennen lässt, vor dem Mittelmaß rettet. Trotzdem ist das Stück eine etwas zu sehr nach Schema F komponierte Nummer (ähnlich wie übrigens auch das recht poppige, eher belanglose „Low Ceiling“), eine gewisse Routine jedoch ist nach so vielen Jahren eben auch bei einem Jerry Cantrell hin und wieder anzutreffen. Die ebenso balladesk angehauchten „Choke“ und „Scalpel“ sind zwar besser, erreichen allerdings nicht die Genialität von „Your Decision“ (an das gerade „Scalpel“ etwas erinnert) oder „When The Sun Rose Again“ vom Vorgänger. Besonders die melancholischen Vocallines in der Strophe von „Choke“ gehen aber schon unter die Haut.

Ebenfalls leichte Parallelen zu „Black Gives Way To Blue“ sind beim recht simplen, marschierenden „Breath On A Window“ auszumachen, welches streckenweise ziemlich an „Lesson Learned“ denken lässt, allerdings von den Gesangsmelodien weniger wütend, sondern eher positiv tönt. Nicht wirklich wütend, sondern bedrohlich mutet hingegen „Pretty Done“ an, das mit seinen treibenden Klampfen eine regelrecht dramatische Note offenbart.

Neben dem erwähnten Titelstück dürfte das absolute Highlight der Scheibe jedoch das siebenminütige „Phantom Limb“ bilden, welches auf einem relativ simplen, aber enorm effektiven, sehr schneidenden und metallischen Riff basiert, sich zum Refrain hin allerdings entspannt – eine grandiose, äußerst durchdachte Nummer, bei der Frontmann William DuVall sogar das Gitarrensolo übernehmen durfte. Bei „Hung On A Hook“ wird die Stimme des Layne-Staley-Nachfolgers dann in besonderer Weise gefeaturet, da er hier recht sanften Gesang walten lässt, den man so bei Alice In Chains wohl auch noch nicht gehört hat.   

Summa summarum hat die Seattle-Truppe mit „The Devil Put Dinosaurs Here“ ein interessantes Album abgeliefert, das aufgrund einiger weniger Längen (bei „Stone“ beispielsweise wird es mit dem Ausreizen der Riffs doch ein wenig übertrieben) nicht ganz mit dem Vorgänger mitzuhalten, aber doch mit einigen Überraschungen aufzuwarten vermag. Man sollte für die Scheibe wie erwähnt Zeit und Geduld mitbringen, es lohnt sich. Der seltsam anmutende Titel soll im Übrigen eine spöttische Anspielung auf eine Gruppe christlicher Fanatiker sein, die glauben, der Teufel persönlich habe einst Dinosaurierknochen vergraben, um die Menschheit zu verwirren – immer wieder faszinierend, was für unterschiedliche Gattungen Verrückter es auf dieser Welt gibt…

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