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Alexisonfire: Dog’s Blood EP

Atemberaubend
Wertung: 9/10
Genre: Post-Hardcore
Spielzeit: 21:11
Release: 28.10.2010
Label: Roadrunner Records

Soso, da lassen Alexisonfire also endlich mal wieder was von sich hören. Immerhin ein Jahr ist es jetzt her, dass die Post-Hardcoreler ihr Album „Old Crows/Young Cardinals“ auf die musikverrückte Menschheit losgelassen haben – das vierte Studioalbum immerhin und ähnlich großartig wie die Vorgänger „Alexisonfire“, „Watch Out!“ und „Crisis“, die allesamt in handlichen Zwei-Jahres-Abständen veröffentlicht wurden.

Mit der EP „Dog’s Blood“ gibt es jetzt ein digitales Häppchen für zwischendurch – drei Songs und ein Instrumental, die „so auf kein Album gepasst hätten“, weil sie so anders klingen, wenn man Sänger, Gitarrist und Pianist Dallas Green in diesem Punkt Glauben schenken darf. Und tatsächlich: Hatte die letzte Scheibe noch einen deutlich düsteren, fast traurigen Touch, so ist bei der EP scheinbar nur noch Wut übrig. Macht auch Sinn, wo der Titel doch schon wie eine Hardcore-Scheibe klingt. So gesehen ist „Dog’s Blood“ also nichts anderes als die logische Weiterführung der letzten Platte – ein Sequel quasi, für die Serienfans unter uns.

Und dabei klingen Alexisonfire tatsächlich reifer denn je – was ja immer gerne von Bands behauptet wird, aber in den meisten Fällen einfach nur bedeutet, dass die Combo endgültig zahnlos geworden ist und die Instrumente besser an den Nagel hängen sollte. Nicht so im Falle der Kalifornier: rotzig, mit teilweise stark punkiger Attütide kommen die Stücke aus den Boxen, wütend klingt Shouter George Logan Pettit, aber nicht nur zeitweise, wie auf den letzten Alben, wo der Schrei-Anteil sich durchaus mal in Grenzen hielt, sondern dauerhaft angepisst. Der Ärger scheint dieses Mal tiefer zu gehen, die Band klingt roher, gleichzeitig bringen Green und Zweitgitarrist Wade McNeil derart fragile Strukturen unter, dass einem die Gänsehaut in einer Tour die Arme hoch und runter läuft.

Dabei ist beim Opener und Titeltrack von so etwas wie Fragilität noch nichts zu ahnen – in bester Hardcore-Manier begibt sich Drummer Jordan Hastings auf gewohntes Terrain, bevor mit hörbar viel Spucke drauflos gepöbelt wird. Klar erkennt man irgendwo im Hintergrund noch Alexisonfire, aber irgendwie scheinen sie verdeckt zu sein von Zorn, Hass auf die Gesellschaft, und schnellen Punkriffs. Wow. Da bleibt einem doch direkt der Mund offen stehen. Man kennt ja kleinere Ausraster von den Jungs – schließlich gehören sie mit zur Speerspitze des Post-Hardcore und nicht zum Sandkasten der sich Emocore nennt, aber das ist neu. Zwischendurch wird ein sphärisches Gitarrenriff aus dem Ärmel geschüttelt, das sich vor allem in den tieferen Oktaven direkt ins Herz gräbt.

„Grey“ wird nicht minder großartig fortgeführt: Georges Stimme ist einen Hauch verzerrt, gerade genug, um wirklich angsteinflößend zu klingen – eine perfekte Antithese zu den flirrenden Gitarren und schon hier kommt die angesprochene Fragilität ins Spiel. Der Hall, den der Gitarrensound mit sich bringt, treibt einem nahezu die Freudentränen in die Augen. Klingt fast ein bisschen, als hätten Jimi Hendrix und Devil Sold His Soul ein Baby gemacht.

„Black As Jet“ hat dann einen stark treibenden Beat und orientiert sich auch sonst stärker am Hardcore als man das sonst von Alexisonfire-Stücken gewöhnt ist. George liefert hier einen top Job ab und klingt völlig außer Rand und Band – großartig! Zwar ist der Song druckvoller als die bisherigen, aber er kommt nicht ganz an die Brillianz eines „Grey“ heran – weiter geht’s mit dem einzigen Instrumental und gleichzeitig dem Schlussakkord „Veil“. Knapp sechs Minuten werkeln die Jungs hier deutlich progressiv herum, die Struktur geht in eine ähnliche Richtung wie die zerbrechlich anmutenden Gitarren bei den ersten beiden Tracks. Selbst hier, wo nicht mal Vocals das Gesamtbild perfektionieren, zaubert einem der pure Gitarrensound ein breites Grinsen aufs Gesicht.

Die Jungs haben sich mal wieder selbst übertroffen und man kann kaum zu hoffen wagen, dass das nächste Album auch nur annährend so genial wird wie die „Dog’s Blood“-EP. Der eine Punkt Abzug geht an Song Nummer drei – nach zwei so brillianten Vorabsongs hätte man von dem Stück ein wenig mehr erwartet. Ansonsten wird sich jeder Fan von intelligentem, progressiv angehauchtem Post-Hardcore die Finger nach dieser Scheibe lecken, die vorerst nur digital erhältlich ist.

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