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Alestorm: Captain Morgan's Revenge

Under Jolly Roger
Wertung: 9/10
Genre: Viking Power Metal
Spielzeit: 41:40
Release: 25.01.2008
Label: Napalm Records

Endlich ist es soweit und Alestorm`s Debutalbum erscheint in Kürze. Der erste Output der schottischen Piraten hört auf den Namen „Captain Morgan`s Revenge“. Ob sich die Schotten hier allerdings wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Warum ich das schreibe? Nun ja, der Captain mit Namen Henry Morgan war als Seefahrer ja eher untalentiert. Er gewann keines seiner Seegefechte und verlor diverse Schiffe aufgrund von Navigationsfehlern. Trotzdem gilt er als britischer Nationalheld, da er auf dem Land durch sehr geschickte Kriegstaktiken große Erfolge zu verzeichnen hatte.

Er gilt auch als Begründer der berüchtigten Piratenstadt Port Royal, dessen Vizegouverneur bzw. „Custos of Port Royal“ er später war. Seinen größten Beutezug unternahm er 1671, als er mit über 1000 Piraten und fast 40 Schiffen gegen Spanien, der zu dieser Zeit größten und reichsten Niederlassung, in den Krieg zog. Nach einem fast zehntägigen Fußmarsch schlug man die zahlenmäßig deutlich überlegenden Besetzer nieder. Zu dumm nur, dass England, das Henry Morgan immer unterstützt hatte, zwischenzeitlich einen Friedensvertrag mit Spanien geschlossen hatte. So wurde Captain Morgan nach seiner Rückkehr verhaftet, aber schon 1674 begnadigt.

Fakt ist, dass er praktisch die Seiten gewechselt hat und fortan gegen Piraten gekämpft hat und viele seiner ehemaligen Weggefährten zur Strecke gebracht hat. Er gab früher gestohlene Schätze zurück und änderte recht stark seinen eigenen Lebensstil. Nachdem er zu Beginn immer recht sparsam mit seinem Reichtum umging, um eine immer größer werdende Streitmacht zu bekommen und er sich schon als genialer Taktiker bewiesen hat, frönte er nun dem Alkohol und den weltlichen Gelüsten. In Folge dessen starb er an der Alkoholsucht.

Die wirkliche Todesursache liegt aber eher im Dunkeln und so werden beispielsweise Tuberkulose, Syphilis oder Leberversagen als Todesursache benannt. Eher untypisch für einen Piraten dürfte aber auch sein, dass er Gott um Vergebung für seine Greueltaten bat. In seinem Testament tat er dies auch, nachdem er die meisten seiner Greueltaten dokumentierte. Von England wurde er mit einem Staatsbegräbins für seine „Verdienste“ in Port Royal belohnt.

Ein sehr kräftiger Rum wurde auch nach ihm benannt, der einen ausgezeichneten Ruf besitzt. Er gilt bei vielen als einer der saubersten und auch besten Rumsorten, die es zu kaufen gibt. Wie es sich für Seefahrer gehören sollte, erreicht der unverschnittene Jamaika Rum auch schon mal 73 Umdrehungen.

„Over The Seas“ ist erstmal ein rauer kräftiger Einsteiger, welcher ganz klar dem Viking Metal zugeordnet werden muss. Die immer wieder kräftig eingestreuten Keyboardklänge sorgen für eine mächtige Präsenz des Songs, da sie auch einen sehr gelungenen Gegenpart zu den rauen Gitarren und dem noch raueren Gesang von Christopher Bowes bilden.

„Captain Morgan`s Revenge“ gerät dann zum ersten Highlight der Scheibe und bildet mit dem mehr als gelungenen Chorus, mit seinem folkloristischem Charme eine richtige Power Metal Hymne, welche wohl live bei jedem Gig inbrünstig vom Publikum mitgesungen werden dürfte. Der Song brennt sich schnell wie ein Tattoo in den Körper des Hörers und verlässt diesen nicht mehr. Dazu einen schönen schottischen Whisky oder eben Captain Morgan`s Rum und der Tag wird mit deutlichen Nebenwirkungen enden.

„The Huntmaster“ zieht dann etwas das Tempo an und dementsprechend wird es etwas forscher. Sehr entscheidend, ob man Alestorm mag, wird wohl die Frage sein, ob man den Gesang mag. Er liegt deutlich im Vordergrund und bietet keinerlei Grunts oder Screams, einfach nur sehr rauen cleanen Gesang. Mit den hier vorhandenen Speed Metal Einflüssen sollte man wohl gerade in Deutschland viele Fans für sich begeistern können.

Den nächsten Hit gibt es mit „Nancy The Tavern Wench“. Ein fast schon schunkelndes Stück Lebenslust. Akkordeontöne sorgen für zusätzliches Flair. Der Song wird wohl jeder alkoholgeschwängerten ausgelassenen Feier zu später Stunde einen zusätzlichen Alkoholschub verleihen. Das tolle, langsame getragene Gitarrensolo von Gavin Harper passt wie der sprichwörtliche Popo auf den Eimer. Hier fehlen eigentlich nur noch ein paar Tavernenklänge von einer recht feuchtfröhlichen Party im Hintergrund mit den dazugehörigen Mitgröhlattacken beim letzten Chorus.

Mit einem gelungenen Bassintro von Dani Evans beginnt der wieder deutlich mehr Fahrt aufnehmende Song „Death Before The Mast“, welcher trotzdem auch immer wieder mit den seefahrertypischen Akkordeonklängen untermalt wird. Ohne große Verschnaufpause geht es dann mit „Terror On The High Seas“ weiter. Der kräftig und forsch rausgebrüllte Songtitel sorgen für zusätzliche Dynamik. Guter Abgehsong, der nochmal so richtig die Ohren durchpustet. Daran ändern auch die Keyboardattacken nichts.

„Set Sail And Conquer“ gerät dann auch wieder zur Mitgröhlnummer. Trotz Uptempo hat man hier einen schönen Chorus gesetzt, der live sicherlich richtig zünden wird. Jawohl, die Mucke der Schotten geht wie Alkohol schnell ins Blut. Man bangt, gröhlt oder schunkelt sich so richtig ein. Geschickt verschmilzt die Band immer wieder ihre nordische Folklore mit Viking und kräftigem Power Metal. Ein Fest für die Ohren.

Auch wenn noch drei Songs folgen, so erklimmen Alestorm ab nun den höchsten Qualitätslevel. „Of Treasure“ wird hauptsächlich mit Flöte und akustischer Wandergitarre und kleinen Chören zelebriert. Man fühlt sich wie im Mittelalter in einer dreckigen, schmierigen Hafenspelunke. Das Ganze wird dann aber noch einmal mit dem Hammersong „Wenches & Mead“ getoppt. Trotz Uptempo (mit Akkordeon!) hämmert sich der Song zu dem grandiosen Chorus und man kann sich, sehr zur Unfreude des Nachbarn, nicht davon abbringen lassen, kräftig mit zu gröhlen. Also obacht, den Song besser nicht mitten in der tiefen Nacht auflegen. Der Lautstärkeregler wird automatisch voll aufgerissen und die Stimmbänder versuchen, die Lautstärke zu übertönen. Stress mit allen in der Straße wohnenden Anwohnern ist somit vorprogrammiert.

Zum Abschluss kommt in bester britischer Tradition die Nationalhymne. Okay, es ist die inoffizielle schottische Nationalhymne, da ja in UK „God Save The Queen“ zwangsmäßig auserkoren wurde. Die stolzen Schotten haben aber „The Flower Of Scotland“ inzwischen überwiegend als Nationalhymne gewählt. Seit Ende der Neunziger wird das Lied beim Rugby und beim Fußball als schottische Nationalhymne vor den Spielen gespielt. Es handelt von dem Krieg gegen England und dem jungen schottischen Einwohnern, die in den zahllosen Schlachten für das Heimatland gefallen sind. Der Song wird in gelungener harter, aber angemessener Art und Weise zelebriert.

Fazit: Auch wenn man deutlich rauer als die deutschen Highlights des Power Metal`s zu Werke geht, so dürfte diese Scheibe speziell in Deutschland sehr viele Anhänger finden. Die Musik ist nicht mit irgendwelchen Egotrips gepflastert. Es wird hier handwerklich grundsolide gearbeitet, was man auch an der tadellosen Leistung von Drummer Ian Wilson festmachen kann. Es wird eher wenig Spektakuläres ausprobiert. Anstelle diesem hier absolut unnötigen wird ein richtig tolles Stück Viking Folk Power Metal abgeliefert. Vergleiche mit den deutschen Aushängepiraten Running Wild hinken, da die Band einen zu eigenständigen Stil vorweisen kann und auch sonst deutlich rauer, trotz der massiven Keyboards zu Werke geht. Daumen hoch für ein mächtiges, wenn auch etwas zu kurz geratenes Stück Scottish Pirate Metal!

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