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Alcest: Souvenirs d'un autre monde

Ästhetik pur!
Wertung: 10/10
Genre: Shoegaze / Post Rock
Spielzeit: 41:23
Release: 03.08.2007
Label: Prophecy Productions

Schönheit! Das ist es, was dieses Album so einzigartig macht, pure Schönheit.

Das französische Einmannprojekt Alcest, dessen Erschaffer musikalisch auch bei den Black Metal Projekten Amesoeurs und Peste Noire aktiv ist, hat nach der im Untergrund hohe Wellen schlagenden EP „Le Secret“, auf welcher er noch eher träumerischen und hypnotischen Black Metal spielte, vor Kurzem nun ein Label gefunden, welches seinen hohen künstlerischen Ansprüchen gerecht wird. Die deutsche Qualitätsplattenfirma Prophecy hat Neiges wohl persönlichstes Projekt im März 2007 unter Vertrag genommen und bringt nun im darauffolgenden August das Debütalbum „Souvenirs d'un autre monde“ heraus, die Erstauflage auch als limitiertes Digipack. Vom rein Äußerlichen her erwartet einen also schon ein mit starken Schwarz-, Weiß- und Grüntönen veredeltes und vor Ästhetik strotzendes Visualerlebnis der Sonderklasse, aber was sich an Musik auf der kleinen Scheibe vernehmen lässt, stellt alles in den Schatten.

Grob und nicht annähernd beschreibend könnte man die Musik von Alcest in die Schubladen emotional, nostalgisch und verträumt einordnen. Will man auch noch gängige Genreschablonen auf die Musik anwenden, so fände sich „Souvenirs d'un autre monde“ wohl irgendwo zwischen Shoegaze und Post Rock mit einer Brise Black Metal wieder. Jedes der sechs Lieder ist ein Kleinod, jeder Ton spinnt das Kopfkino weiter. So vielseitig und doch so homogen wirkt die Musik, die es schafft, jeden, der die nötige Gelassenheit mitbringt, sich auf eine Reise ins Neiges Vergangenheit einzulassen, in den Bann zu ziehen. So dezent blitzen einzelne Töne hervor, als wollten sie neugierig um die Ecken blinzeln, und doch so vertraut und warm nimmt man das dichte Geflecht der Melodien wahr, welche durch omnipräsente hypnotische Elemente bereichert werden.

Wo bei „Sur L'autre Rive Je T'attendrai“ auf angenehmen Frauengesang als Abwechslung zu Neiges verträumter und relativ hoher Stimme gesetzt wird, verfeinert man „Printemps Emerande“ durch sehr atmosphärische Kinderspielgeräusche im Hintergrund. „Tir Nan Og“ besticht mit seiner fröhlichen Klavierstimme und dem lieblichen Gesang, während Titelsong „Souvenirs d'un autre monde“ auf verzerrte Gitarrenläufe und viel Akustik-Gefühl setzt. Dann gibt es noch das getragene und aufbrausende „Les Iris“, welches direkt vor dem melancholischen und überwiegend ruhigen „Ciel Errant“ seinen Platz auf der Scheibe findet.

Es ist wirklich bezaubernd und achtenswert, wie detailverliebt der alleinige Kopf des Projektes Alcest sowohl seine Black Metal-Werke damals, als auch sein neuestes Output, welches sich musikalisch in ganz anderen Wassern bewegt, schuf. Früher fuhr Neiges Galeere auf rauer, romantischer See, ohne aber in Stürmen zu brechen und nun scheint sich das Wasser beruhigt zu haben und die Küstennähe wäre durch die Abwechslung auch zu vermuten, außerdem ist der Kapitän selber sehr viel erfahrener geworden.

Fazit: Wenn man also Rundum-Ästhetik sucht, so sei dies in „Souvenirs d'un autre monde“ von Alcest gefunden. Selten erblickt solch intime, gefühlvolle und doch verträumte Musik das Licht der Öffentlichkeit. Ich für meinen Teil bin schlicht dankbar, solch eine CD immer mal wieder in den CD-Spieler legen zu dürfen. Pure Schönheit!

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