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Alcest: Les Voyages De L'âme

Zurück in Neiges Traumwelten
Wertung: 8.5/10
Genre: Post-Rock, Black Metal, Shoegaze
Spielzeit: 50:22
Release: 06.01.2012
Label: Prophecy Productions

Bedenkt man, wie viel Zeit Neige in unzählige Projekte investiert, könnte man glatt bezweifeln, dass ihm noch genug Zeit zur Verfügung steht, um sich seinem Soloprojekt Alcest zu widmen, das nach wie vor die Essenz seines Schaffens darstellt - doch tatsächlich steht nur zwei Jahre nach „Ècailles De Lune“ mit „Les Voyages De L'Âme“ bereits ein Nachfolger in voller Länge in den Läden. Doch wie hat sich die ständige Aktivität in unterschiedlichen Bands auf die Musik Alcests ausgewirkt und musste womöglich sogar die Qualität dieser unter der Arbeitswut des Franzosen leiden?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Alcest bewegen sich noch immer auf dem gleichen hohen Niveau wie zuvor und beschreiten erneut ätherische, Traum-gleiche Pfade; Neige hat also nichts verlernt. Dies bringt jedoch ebenso mit sich, dass sich die Musik des Projektes im Vergleich zu den vorangegangenen Alben kaum verändert hat – noch immer zelebriert der Multiinstrumentalist und Sänger seine ureigene Mischung aus Shoegaze, Black Metal und Post-Rock und beschwört dabei eine geradezu spirituelle Atmosphäre herauf, die trotz einer bedächtigen Melancholie stets warm und einladend ist. Auch „Les Voyages De L'Âme“ bedient sich dabei wieder non-linearer, oft überlanger Strukturen, die dank der Macht der Gewohnheit zwar nicht mehr allzu sehr überraschen können, aber zumeist in solcher Perfektion und Feinarbeit umgesetzt werden, dass die Songs den Hörer noch immer in ihren Bann zu ziehen vermögen.

Die Einstimmung erfolgt dabei schon mit dem atemberaubendem Artwork, das wieder einmal von Les Discrets-Mastermind Fursy Teyssier gemalt wurde und das Tor in die endlosen Traumlandschaften von „Les Voyages De L'Âme“ darstellt – schon bei den ersten zarten Klängen von „Autre Temps“ setzt der gewohnte Effekt ein und lässt den Hörer die Welt um sich herum vergessen, wenn sphärische Keyboards zusammen mit flirrenden Gitarren und Neiges glasklarem Gesang wunderschöne Melodien weben, die in diesem Falle überraschend linear angeordnet sind, weshalb es auch nicht weiter verwundert, dass dieser Song für das erste Video ausgewählt wurde. Das restliche Material hingegen ist strukturell wesentlich komplexer gehalten, behält aber trotz zahlreichen Stimmungswechseln stets den spirituellen Unterton, der Alcest seit jeher auszeichnet und es immer wieder schafft, tief in die Traumwelten aus Neiges Kindheit zu entführen – dort finden sich melancholische Erinnerungen, die im Titeltrack in klagenden Notenfolgen zum Leben erweckt werden ebenso wie strahlende, unbeschwerte Momente, die in „Summer's Glory“ das Licht willkommen heißen.

Seltener als auf „Ècailles De Lune“, doch noch immer präsent zeigen sich die schwarzmetallischen Elemente in der Musik des Franzosen, die nach wie vor einen eher Genre-fremden Einsatz erfahren. Aggression und finstere Atmosphäre bleibt hierbei nahezu vollkommen aus, stattdessen fungieren Blastbeats und die hallenden Screams vielmehr dazu, beispielsweise in „Faiseurs De Mondes“ Bewegung ins Spiel zu bringen, die im weiteren Verlauf des Songs geschickt mit schwelgerischen Melodien kontrastiert wird, die in schwebender Wiederholung für Gänsehaut sorgen. Wirkliche Experimente hingegen werden nicht gewagt – zwar sind durchaus Unterschiede in Stimmung und Ausprägung im Detail im Vergleich zu den letzten Alben bemerkbar, generell wird aber stets auf bewährte Grundrezepte vertraut, auch wenn Tracks wie „Beings Of Light“, das mit dem schrittweisen Ausbau eines gleichermaßen verträumten und treibenden Motivs deutlich den Shoegaze hervortreten lässt oder das bereits erwähnte „Summer's Glory“ zunächst herausstechen.

Obwohl so nur bedingt Neues geboten wird, lohnt sich „Les Voyages De L'Âme“ dennoch auch für diejenigen, die mit den vorherigen Alben des Franzosen schon vertraut sind, denn trotz einiger Selbstzitate gelingt es ihm noch immer wie kaum einem anderen Musiker in diesem Bereich, eine unvergleichliche Atmosphäre zu erschaffen, die den Hörer in wohlige Weltvergessenheit versinken lässt. Wer Alcest bisher noch nicht kannte, kann mit diesem Album ohnehin nichts verkehrt machen, da Neige den hohen Qualitätsstandard seines Projektes ein weiteres Mal ohne Probleme gehalten hat und „Les Voyages De L'Âme“ dementsprechend einen ebenso guten Einstieg in seine Gedankenwelten bietet wie schon die Werke zuvor.

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