Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Alcest: Kodama

Melodisch, melancholisch, mystisch...
Wertung: 6,5/10
Genre: Blackgaze/ Experimental/ Post-Metal/ Post-Rock
Spielzeit: 42:13
Release: 30.09.2016
Label: Prophecy Records/ Soulfood

„Kodama“ kann man laut Labelinfo als das japanische Album der Franzosen Alcest bezeichnen. Diese Bezeichnung hat mehrere Ursachen: Zunächst ist das Wort „Kodama“ das japanische Wort für „Baumgeist“ und „Echo“. Die Texte sind angeregt vom Hayao Miyazakis Anime-Film „Prinzessin Mononoke“ und handeln von dem Gefühl der Nichtzugehörigkeit und von Dualität. Die visuelle Gestaltung des Albums orientiert sich zudem an japanischen Illustratoren. Erwähnenswert ist noch die insgesamt hochwertig anmutende Verpackung des Albums: Pappschuber, Digipack und Booklet ergeben einen schicken Gesamteindruck.

Was aber eigentlich zählt, ist allein die Musik und die ist sehr schwer in Worte zu fassen. Herkömmliche Genrebezeichnungen sind nicht wirklich ausreichend, um den eigenständigen, für manchen sicher auch eigenwilligen, Stil Alcests einzuordnen. Damit hätten wir auch gleich einen Punkt für die Franzosen, den ihnen niemand absprechen kann: Sie haben ihren eigenen, unvergleichlichen Stilmix kreiert. Den kann man mögen oder auch nicht. Aber wem gelingt heute denn noch so etwas? Ob das auf „Kodama“ zu Hörende noch in die Metal-Schublade gehört darf gerne angezweifelt werden. Sieht man von dem sehr vereinzelt auftretenden Black-Metal-lastigen Gekeife (z.B. „Eclosion“) ab, bleiben noch ein paar Stellen auf dem Album, an welchen härtere Gitarrenklänge hervorstechen, ansonsten war es das mit Metal. Das soll jetzt aber keinesfalls negativ aufgefasst werden, denn was Alcest mit „Kodama“ gelungen ist, ist ein im höchsten Grade atmosphärisches Album, wenn man sich darauf einlässt. Melodisch, melancholisch, mystisch und traurig. Diese Gesamtatmosphäre wird am deutlichsten an den Stellen, an welchen der  verträumte Klargesang des Sängers, der eher wie ein zusätzliches Instrument wirkt, eingesetzt wird. Alcest nehmen den Hörer mit in eine andere, angeblich japanisch angehauchte, Welt, setzen dabei Emotionen frei und laden zum Träumen ein. Das Ganze ist technisch, spielerisch und kompositorisch alles wunderbar durchgeführt und die Anhänger der vergangenen Alcest-Werke werden bestimmt ihre helle Freude an „Kodama“ haben.

Jetzt kommt das große ABER: Denn irgendwann ist es ja auch mal gut mit den Meloträumereien. Der übersinnliche, japanische Märchenausflug will gefühlt kein Ende nehmen. So viel grünen Tee kann man sich an einem Abend gar nicht reinpfeifen, um das atmosphärisch höchst anspruchsvolle Alternativwerk auch in angemessenem Ambiente und am Stück zu würdigen. So lange kann ein stressiger Arbeitstag doch gar nicht gedauert haben, dass man die gesamte Spielzeit bräuchte, um sich davon zu erholen. Überzeugte Fans sehen das bestimmt anders, bei den übrigen Hörern könnte sich im zweiten Drittel des Albums eine Sättigung einstellen.

Fazit: „Kodama“ ist definitiv ein gutes Album. Emotionale und intensive Musik. Gar keine Frage. Alcest-Anhänger werden höchstwahrscheinlich begeistert sein und neue Fans werden die Franzosen mit ihrer neuesten Veröffentlichung sicher auch gewinnen. Für die übrigen männlichen Metalfans ist das Album zudem eine großartige Gelegenheit der holden Weiblichkeit zu zeigen, dass sie auch eine gefühlvolle, verträumte und ach so zarte Seite haben...hach.

comments powered by Disqus