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Alan Parsons: The Secret

Hübsch, aber praktisch ohne Ecken und Kanten
Wertung: 6,5/10
Genre: Art Rock / Poprock
Spielzeit: 48:36
Release: 26.04.2019
Label: Frontiers Records

Fast 30 Jahre ist es her, dass sich das berühmte Alan Parsons Project auflöste – Parsons’ dortiger Partner Eric Woolfson starb im Dezember 2009 64-jährig an Nierenkrebs. Doch bereits vor dessen Tod hatte der Engländer, der zunächst vor allem durch sein Mitwirken an der Produktion von Alben der Beatles und Pink Floyd Popularität erlangte, einige Soloalben unter seinem Namen ohne das Wörtchen „Project“ herausgebracht. „A Valid Path“, das letzte Werk in dieser Reihe, wurde allerdings auch bereits vor 15 Jahren veröffentlicht, insofern mutet der Release von „The Secret“ etwas überraschend an; wer hätte gedacht, dass der Altmeister noch mal Lust auf neues Material hat?

Da Parsons sich laut eigenen Angaben seit jeher für Magie und Zauberkunst interessierte (u.a. schrieb er sogar Bücher zu dem Thema und trat auch selbst gelegentlich als Zauberkünstler auf), zieht sich diese Thematik durch die gesamte Platte – er hatte wohl schon länger die Idee im Hinterkopf, ein Album aufzunehmen, das sich damit befasst. Dass als Introduktion eine Neuinterpretation von „The Sorcerer’s Apprentice“ (das bekannteste Stück des französischen Komponisten Paul Dukas, beispielsweise auch im Disney-Film „Fantasia“ zu hören) gewählt wurde, ist da natürlich kein Zufall.

Mit über fünf Minuten ein recht langes Intro, das wegen seines rein orchestralen Charakters in Erinnerungen an Uralt-Großtaten des Alan Parsons Projects wie seinerzeit „The Fall Of The House Of Usher“ vom 1976er Debüt „Tales Of Mystery And Imagination“ schwelgen lässt. Natürlich sind die Parallelen an Parsons einstiges Erfolgsduo über die gesamte Platte hörbar, wenngleich der gebürtige Londoner es auf „The Secret“ noch ruhiger angehen lässt. Sicherlich war auch das APP nicht gerade durch übermäßige Härte gekennzeichnet, doch auf vorliegender Scheibe sind selbst verzerrte Gitarren vergleichsweise rar gesät.

Und um ohne großes Tamtam gleich auf den Punkt zu kommen: Genau das ist das Hauptproblem an Parsons’ fünftem Soloalbum: Sämtliches Material klingt aufnahmetechnisch fantastisch (etwas anderes darf man von einem der besten Tontechniker aller Zeiten aber auch nicht erwarten), ist perfekt arrangiert, produziert und performt – und doch fehlt es häufig an Pep und wirklich zündenden, mitreißenden Melodien. Schon der Opener „Miracle“, vorgetragen von Jason Mraz, einem von zahlreichen Gastmusikern, plätschert arg flach vor sich hin und tönt wie der Aufguss eines mittelmäßigen APP-Songs.

Auch bei „Sometimes“ wurde gehörig in den Schmalztopf gegriffen (inklusive Lyrics, die ausgenudelte Phrasen der Marke „sometimes you win, sometimes you lose“ beinhalten), wenngleich man zugeben muss, dass die Stimme von Ex-Foreigner-Frontmann Lou Gramm mit ihrem Schmelz zweifellos bestens zu solcher Art Musik passt. Genauso wie sich P.J. Olssons butterweiches Organ in „Years Of Glory“ an die zuckersüßen Streicher schmiegt und eine leichte Blackfield-Atmosphäre kreiert (beim fünften Album von Steven Wilsons und Aviv Geffens Projekt wirkte Parsons vor nicht allzu langer Zeit ja ebenfalls mit), der Kitschfaktor jedoch auch hier ein nicht unerhebliches Maß erreicht.

Ähnliches muss über die recht schnulzige Abschlussballade „I Can’t Get There From Here“ konstatiert werden, während das mittig platzierte „Soirée Fantastique“ dank der wunderschön harmonierenden Stimmen von Todd Cooper und dem Meister himself im Refrain einiges rausreißt. Apropos: Man fragt sich, warum Alan Parsons nicht öfters selbst singt (bzw. beim APP gesungen hat), denn im beschwingten „As Lights Fall“ übernimmt er die Lead Vocals und gibt eine ziemlich gute Figur dabei ab, überhaupt markiert das Stück mit seinen luftigen Akustikgitarren und dem leichtfüßigen Groove die wohl stärkste Nummer der Scheibe.

Auch ansonsten soll nicht der Eindruck entstehen, es handle sich bei „The Secret“ lediglich um eine Ansammlung gesichtsloser, lahmarschiger Nullinger-Titel, die ein alternder Rockstar mal eben schnell herausgerotzt hat, um im Herbst seines Lebens noch einmal sein Ego aufzupolieren. So glänzt „One Note Symphony“ mit hervorragendem, effektivem Orchestereinsatz und bietet mit der Vocoder-Einlage einen weiteren Nostalgietrip (jeder APP-Fan muss da garantiert sogleich an „The Raven“ vom bereits erwähnten „Tales…“ denken; insgesamt schimmern auch hier wieder Blackfield durch, die aber schlichtweg mehr Substanz besitzen), verströmt „Fly To Me“ relaxtes Jazz-Flair, sorgt „The Limelight Fades Away“ für wenigstens ansatzweise härtere Augenblicke und auch „Requiem“ – obwohl wegen des Porno-Saxophons nicht gänzlich frei von Kitsch – kann aufgrund seiner Dramatik und der exzellenten Gesangsdarbietung Todd Coopers eher auf der Habenseite verbucht werden.

Beweisen muss Parsons zwar niemandem mehr etwas, streckenweise präsentiert sich sein erstes Album seit 15 Jahren dennoch recht seicht und manchmal gar zahnlos; da es aber auch viele gute Momente enthält und handwerklich perfekt in Szene gesetzt wurde, muss man sicherlich nicht von einem totalen Flop sprechen. Selbstverständlich tut diese Platte niemandem weh und beinhaltet praktisch keine Ecken und Kanten, trotzdem ist sie auf jeden Fall wertiger und cleverer gemacht als die meisten Pop-Veröffentlichungen heutzutage und als Wohlfühl-Hintergrund-Soundtrack zum Nebenherhören bei anderen Aktivitäten funktioniert sie problemlos.

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