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Al-Namrood: Diaji Al Joor

Exotischer Black Metal
Wertung: 7,5/10
Genre: Oriental Black Metal
Spielzeit: 39:37
Release: 27.11.2015
Label: Shaytan Records

Multikulti mal ganz breit gestreut: Man sitzt im beschaulichen Schwabenland und hört sich eine aus Saudi-Arabien stammende Black-Metal-Band an, die auf einem kanadischen Label zuhause ist, das ebenfalls arabisch benannt ist (Shaytan Records nämlich). Besser kann es doch gar nicht laufen. Wenn man dann noch weiß, dass in den arabischen Ländern Metal so gut wie keine Unterstützung findet, ja, langhaarige Männer sogar auf offener Straße bespuckt und angepöbelt werden und die wenigen überhaupt stattfindenden Undergroundkonzerte oft gewaltsam von den hiesigen Ordnungshütern gesprengt werden, dann hört man sich das neue Album der Herren Al-Namrood doch noch mal mit doppelt so viel Hingabe an.

Der Bandname stammt übrigens von dem arabischen Herrscher Nimrod ab, bei dem man sich bis heute nicht sicher ist, ob er als König wirklich existiert hat oder in die Welt der Sagengestalten gehört. Im Islam wird Nimrod als tyrannischer Herrscher beschrieben, der sich als Gott verehren ließ. Auch um die Bandbiographie nachzuvollziehen, muss man ein wenig Recherche betreiben, verbreiten die Herren doch schon seit 2008 ihren Black Metal mit traditionellen orientalischen Instrumenten. Mit „Diaji Al Joor“ kommt nun schon Full-Length Nummer fünf auf den deutschen Markt, sicherlich kennt aber kaum ein Metalfan die Band.

Was natürlich schnell ins Ohr fällt, ist die Stimme von Sänger Humbaba, die erstaunlich facettenreich daherkommt und immer einen Funken Wahnsinn mit sich trägt – in Stücken wie „Ana Al Tughian“ auch deutlich mehr als nur funkenweise erkennbar, das erstmal hauptsächlich durch Gitarrist Mephisto und Multi-Instrumentalist Ostron getragen wird, der für die traditionellen Instrumente zuständig ist. Die Vocals setzen sehr dramatisch ein, überhaupt steckt viel Theatralik in der Intonation, was man hier aber keineswegs mit Pathos verwechselt sollte – vielleicht würde das anders wirken, würde man den Text verstehen, als jemand, der der arabischen Sprache nicht kundig ist, verfehlt der Song seine verstörende Wirkung aber ganz und gar nicht. Einziges Manko (auf der ganzen CD übrigens): Die orientalischen Flöten sind wesentlich zu stark in den Vordergrund gemischt und zerschneiden das Gesamtbild regelrecht.

Zum Teil ist es schon gewöhnungsbedürftig, was die Herrschaften hier abliefern, „exotisch“ könnte man es nennen, wenn man der Band gegenüber wohl gesonnen ist. „Zamjara Alat“ ist beispielsweise ein ziemlich lärmiges Stück mit auf Dauer an den Nerven zerrender Instrumentalpassage, allerdings liefert der Sänger hier wirklich gute Schreie ab, wobei man nicht unbedingt immer von Black Metal sprechen kann – thrashig oder todesmetallisch könnte Humbaba sich durchaus auch seine Brötchen verdienen.

Ein Highlight der Scheibe ist sicherlich das düster voranstampfende „Adghan“, bei dem die Flöten keineswegs die Stimmung zerstören, sondern vielmehr zum brutalen Feeling beitragen. Tod und Zerstörung wird hier musikalisch verbreitet, da muss man den Text nicht mal verstehen, um eine Gänsehaut zu bekommen. In dieser Richtung können Al-Namrood ordentlich Punkte sammeln.

Fazit: Eine interessante Band, die sicherlich auch außerhalb ihrer Heimat Beachtung bekommen sollte. Gewöhnen muss man sich an die etwas eigenwillige Instrumentierung und die darauf resultierenden, teils zerfahrenen Songstrukturen, aber wer offenen Ohres durch die Metallandschaft wandert, sollte hier mal einen Lauschangriff riskieren.

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